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Luisa hilft bedrängten Frauen und Mädchen

„Luisa ist hier“, heißt eine Kampagne, mit der Frauen in Discos und Kneipen geholfen wird, wenn sie sich bedroht oder sexuell belästigt fühlen. Was vor einem halben Jahr in Münster erfolgreich ins Leben gerufen und in anderen Städten adaptiert wurde, soll es bald auch im Landkreis Ludwigsburg geben.

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„Luisa ist hier“ soll helfen, wenn sich Frauen in Discos oder Kneipen belästigt fühlen. Foto: Fotolia
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Ludwigsburg. „Wirst du von jemandem bedrängt? Fühlst du dich gerade nicht sicher? Überschreitet dein Date deine Grenzen? Wirst du sexuell belästigt? Fühlst du dich bedroht? Dann gehe an die Theke und frage beim Personal ‚Ist Luisa hier?‘. Das Personal weiß dann, dass du Hilfe brauchst.“ Mit diesen Worten auf türkisfarbenen Flyern und Plakaten werden Frauen in teilnehmenden Gastronomiebetrieben dazu ermuntert, sich in Notsituationen helfen zu lassen.

„Wenn sich Frauen bedrängt fühlen, ist es für sie oft nicht leicht, um Hilfe zu bitten“, weiß Uwe Trentsch aus Freiberg. Wenn sie allerdings an der Theke das Codewort „Luisa“ sagen, können sie vom Personal schnell und unkompliziert Hilfe erwarten. Die Mitarbeiter suchen nach den Freundinnen, rufen ein Taxi oder im Notfall auch die Polizei. „Auf alle Fälle wird auch danach geschaut, dass der Verursacher der Situation der Frau nicht folgt“, sagt Trentsch, der die Kampagne auch im Landkreis Ludwigsburg verbreiten will.

Der 41-Jährige hat dazu mit dem Frauen-Notruf Münster Kontakt aufgenommen, der die Idee aus England übernommen und leicht abgewandelt hat. Damit „Luisa“ auch in anderen Städten Frauen helfen kann, hat der Frauen-Notruf der Kampagne ein einheitliches Erscheinungsbild mit Wiedererkennungswert verpasst. Gegen eine Schutzgebühr von 100 Euro hat Trentsch sich die Rechte gesichert und alle Materialien bekommen, um Flyer, Plakate und Aufkleber anfertigen zu lassen. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse unterstützt ihn mit 1500 Euro.

Seit zwei Wochen sind der Pure Club sowie der Club Cocolores in Stuttgart offizielle Partner der Kampagne. Außerdem hat Uwe Trentsch auch gleichartige Läden in Freiberg und Ludwigsburg angeschrieben. Später will er die Aktion im gesamten Landkreis Ludwigsburg ausbreiten. „Es ist nur sehr schwer, die Leute zu erreichen“, sagt er. Auf seine vielen E-Mails bekommt er oftmals nicht einmal eine Antwort. Deshalb sei es wichtig, dass die weiblichen Szenegängerinnen über die Luisa-Kampagne Bescheid wissen und die Besitzer oder das Personal von Discos und Kneipen darauf ansprechen. So könnte der eine oder andere gastronomische Betrieb dazu animiert werden, mitzumachen und dadurch zeigen, dass sich die weiblichen Gäste dort sicher fühlen können.

Damit das Luisa-Lokal als solches erkannt wird, wird im Außenbereich ein Aufkleber angebracht. Auf der Frauen-Toilette hängen Plakate, und an den Spiegel werden ebenfalls Aufkleber angebracht. Damit das Personal darüber Bescheid weiß, was es im Ernstfall zu tun hat, wird es vorher von Uwe Trentsch geschult. Gleichzeitig haben die Mitarbeiter im Thekenbereich Handlungsanweisungen liegen, wenn Frauen nach Luisa fragen.

Demnach soll der hilfesuchenden Frau eine Rückzugsmöglichkeit angeboten werden. Das Personal fragt dann nach, wie es helfen kann, soll allerdings nicht nachhaken, was genau passiert ist. „Man soll sich der Frau nicht aufdrängen, sondern sie selbst Entscheidungen darüber treffen lassen, welche Art von Hilfe sie benötigt“, sagt Trentsch. Keinesfalls soll das Personal das von der Betroffenen Geschilderte bagatellisieren. Macht sie einen betrunkenen Eindruck, solle man sie nicht belächeln, denn der Zustand könne durchaus auch an K.-o.-Tropfen liegen.

Das Personal ist zudem angehalten, der Hilfesuchenden anzubieten, den Kontakt zu einer Freundin oder eines Familienmitglieds herzustellen. Wird die Frau abgeholt, soll sie einen Hinweis auf weitere Hilfsangebote wie den Frauen-Notruf Fetz (Frauenberatungs- und Therapiezentrum) in Stuttgart bekommen.

Die Situationen, in denen Frauen nach Hilfe suchen, sind vielschichtig. Eine verbale Belästigung oder eine ungewollte Anmache können ebenfalls schon ausreichen wie anzügliche Bemerkungen oder Blicke. Oftmals werden Frauen bedroht, beschimpft oder psychisch unter Druck gesetzt. Mitunter kann auch ein Streit mit einem männlichen Begleiter eskalieren, oder sie wird von einer Person verfolgt. „Um so wichtiger ist es, dass die Gastronomen für Frauen einen sicheren Rahmen schaffen“, sagt Uwe Trentsch.

Info: Gastronomen, die an der Kampagne „Luisa ist hier“ teilnehmen wollen, bekommen weitere Informationen unter Telefon (0 71 41) 9 56 28 83, E-Mail an info@luisa-bw.de sowie im Internet unter www.luisa-bw.de.