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Prävention

„Man verbaut sich das ganze Leben“

„Schütze dein Bestes“ lautet das Motto einer Kampagne, die für das Tragen von Fahrradhelmen Werbung macht. Das fünfjährige Bestehen der Aktion wird diese Woche in Freiberg gleich zweimal gefeiert: am Mittwoch mit geladenen Gästen und am Donnerstag mit einem Aktionstag für die Sechst- und Siebtklässler der Oscar-Paret-Schule.

Ludwigsburg. Die Zahlen sind erschreckend: Im Jahr 2016 hat es in Baden-Württemberg 10 116 registrierte Fahrradunfälle gegeben. Dabei haben sich 8670 Personen verletzt, 1977 davon schwer. 53 Radfahrer bezahlten den Unfall mit ihrem Leben. Laut Angaben der Zentralstelle Prävention im Landeskriminalamt Baden-Württemberg haben von den 53 getöteten Radfahrern genau 30 keinen Helm getragen – mehr als jeder Zweite. Für den Landkreis Ludwigsburg liegen der Polizei keine Zahlen vor, sagt Polizeihauptkommissar Martin Lutz, im Ludwigsburger Präsidium für den Bereich Prävention zuständig. Dennoch ist für ihn klar: „Viele Menschen könnten noch leben oder wären nicht schwer verletzt worden, wenn sie einen Fahrradhelm getragen hätten.“

Experten gehen davon aus, dass bis zu 80 Prozent aller Kopfverletzungen bei Unfällen mit dem Fahrrad vermieden werden könnten, wenn der Radler einen Helm trägt. Dabei ist mit Kopfverletzungen wahrlich nicht zu spaßen: Die Folgen eines Schädelhirntraumas können bis zum Wachkoma und einer lebenslangen Behinderung reichen.

Die Radhelmkampagne „Schütze dein Bestes“ hat als Zielgruppe vor allem Kinder der Klassenstufe 6 im Visier, weil viele von ihnen ab diesem Alter das Fahrrad regelmäßig nutzen, um damit zur Schule oder zu Freunden zu kommen. Jede Schule im Land wurde deshalb mit Infomaterial zur Aktion ausgestattet. Ziel ist es dabei, die Kinder zum freiwilligen Tragen des Fahrradhelms zu bewegen. Sie werden darüber aufgeklärt, dass ein Helm beim Sturz vor Verletzungen und irreparablen Hirnschäden schützen kann.

Der Erfolg der Kampagne spricht nach fünf Jahren für sich. „Vor allem bei den Kindern zwischen sechs und zehn Jahren ist die Helmtragequote sehr hoch“, weiß Polizeihauptkommissar Lutz. 76 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe in Baden-Württemberg würden beim Radfahren einen Helm tragen. Bei den Jugendlichen zwischen elf und 16 Jahren nimmt die Akzeptanz laut Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen rapide ab. Nur noch jeder Dritte war 2016 in dieser Altersgruppe beim Radeln noch mit einem Helm unterwegs. Noch bedenklicher die Bilanz bei den Erwachsenen und Senioren: Nur etwa jeder fünfte Radler trug hier vergangenes Jahr einen Helm, wenn er mit dem Fahrrad unterwegs war. „Wir wollen daher auch die Eltern und Großeltern für das Tragen eines Helms sensibilisieren, denn das sind die Vorbilder“, sagt Lutz.

Bei gezielten Kontrollen im Kreisgebiet, bei denen die Fahrräder auf Verkehrssicherheit hin geprüft werden, sprechen die Polizisten die Radfahrer selbstverständlich auch auf den Fahrradhelm an. „Die Leute wissen sehr wohl um die Schutzfunktion des Helms“, sagt Lutz. Dennoch haben die Radfahrer – egal welchen Alters – die verschiedensten Ausreden parat, warum sie ihren Kopf nicht schützen. So finden es Jugendliche in der Gruppe oft nicht cool, mit Helm zu fahren. „Andere schwitzen unter dem Helm oder sorgen sich um ihre Frisur“, weiß Lutz. Ein häufig gehörtes Argument von Erwachsenen lautet: „Mir passiert nichts.“ In der Realität sei es oft so, dass Eltern selbst keinen Helm tragen, und ihren Kindern eine Helmpflicht verordnen, so lange sie in der Grundschule sind. Ist der Nachwuchs im Teenageralter, sei es oft vorbei mit dem Einsatz der Eltern.

Auch bei Pedelec-Trainings durch die Polizei sei die Helmakzeptanz bei den vorwiegend älteren Erwachsenen nicht sehr ausgeprägt. Für Polizeihauptkommissar Martin Lutz völlig unverständlich: „Da verbaut man sich unter Umständen das ganze Leben.“