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Hochschulen
„Man vereinsamt beim virtuellen Arbeiten“

Studenten Fehlanzeige: An der Filmakademie (links oben), der Pädagogischen Hochschule (rechts oben), der Verwaltungshochschule (rechts unten) und der Evangelischen Hochschule sieht man derzeit kaum junge Menschen. Alle Lehrveranstaltungen wurden abge
Studenten Fehlanzeige: An der Filmakademie (links oben), der Pädagogischen Hochschule (rechts oben), der Verwaltungshochschule (rechts unten) und der Evangelischen Hochschule sieht man derzeit kaum junge Menschen. Alle Lehrveranstaltungen wurden abge
Die PH und die Verwaltungshochschule haben alle Verbindungen nach Russland gekappt. Archiv: LKZ
Die PH und die Verwaltungshochschule haben alle Verbindungen nach Russland gekappt. Archiv: LKZ
Studenten Fehlanzeige: An der Filmakademie (links oben), der Pädagogischen Hochschule (rechts oben), der Verwaltungshochschule (rechts unten) und der Evangelischen Hochschule sieht man derzeit kaum junge Menschen. Alle Lehrveranstaltungen wurden abge
Studenten Fehlanzeige: An der Filmakademie (links oben), der Pädagogischen Hochschule (rechts oben), der Verwaltungshochschule (rechts unten) und der Evangelischen Hochschule sieht man derzeit kaum junge Menschen. Alle Lehrveranstaltungen wurden abge
Die Ludwigsburger Verwaltungshochschule: Wer hier studiert, wird auch auf das Amt des Bürgermeisters vorbereitet.Archivfoto: Marijan Murat/dpa
Die Ludwigsburger Verwaltungshochschule: Wer hier studiert, wird auch auf das Amt des Bürgermeisters vorbereitet.Archivfoto: Marijan Murat/dpa
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Fünf Hochschulen hat Ludwigsburg. Alle sind durch die Coronakrise mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Wie gehen sie damit um? Und wie funktionieren derzeit Prüfungen und Lehre?

Ludwigsburg. Der Unterricht findet derzeit nur online statt, aber Computer gehören an der Ludwigsburger Filmakademie ja längst zum Alltag. „Die Umstellung ist uns nicht so schwergefallen“, sagt Thomas Schadt, der Leiter der Filmakademie. Größere Sorgen bereiten ihm die Dreharbeiten. Die sind derzeit nicht möglich, weil weiterhin die Kontaktsperre gilt. Dies ist nur eines von vielen Problemen, mit denen die Ludwigsburger Hochschulen derzeit zu kämpfen haben. Ein Überblick:

Filmakademie/Animationsinstitut: Computer, Internet und Kommunikationsprogramme wie Skype ersetzen gerade Seminarräume und persönliche Begegnungen. Das läuft gut, sagt der Direktor der Filmakademie, Thomas Schadt. Allein oder maximal zu zweit (mit genügend Abstand) dürfen die Studenten auch die Computerräume, Schnittplätze oder die Bibliothek an der Hochschule benutzen. Ansonsten ist der Campus verwaist.

Auch wenn das virtuelle Arbeiten funktioniert, Thomas Schadt kann ihm nicht viel abgewinnen. „Man vereinsamt beim virtuellen Arbeiten.“ Den ganzen Tag stehe man nur mit Minimenschen auf dem Bildschirm im Kontakt. Auch das Feedback der Studenten sei, dass sie schnell wieder persönliche Treffen wollen.

Dreharbeiten können derzeit keine stattfinden. Viele Studentenprojekte und auch Diplomfilme liegen deshalb auf Eis. Schadt hofft, dass es bald Konzepte gibt, wie trotz der Coronakrise weiterproduziert werden kann. „Wir lassen unsere Studenten nicht hängen“, versichert er. Das Sommersemester werde auch unter diesen Schwierigkeiten stattfinden. Die Diplomprüfungen wurden vorsorglich schon mal in den Juli verschoben.

Wird nach der Coronakrise alles sein wie zuvor? Daran glaubt Thomas Schadt nicht. Die Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft – auch auf die Filmbranche – seien noch nicht abzuschätzen. Schadt ist aber sicher, dass die Pandemie am Ende sogar Einfluss darauf haben wird, welche Geschichten in Filmen erzählt werden.

Im Animationsinstitut der Filmakademie wurden die vergangenen Wochen dafür genutzt, um ein Onlineangebot für Studenten, aber auch alle anderen Interessierten – etwa Schüler – zu entwickeln. Bereits am Montag ist auf der Webseite des Animationsinstituts www.animationsinstitut.de das englischsprachige Lehrmodul Myself’s Online Animation Mentoring aufgelegt worden. In dem auf 26 Unterrichtseinheiten angelegten Programm führt der virtuelle Mentor Myself die Teilnehmer anhand kurzer Animationsfilme durch den gesamten Prozess der Realisierung eines Animationsfilms, von der ersten Idee bis hin zum fertigen Projekt.

..Pädagogische Hochschule (PH): Ungewohnt war der Semesterbeginn auch an der PH. Rektor Martin Fix begrüßte am Montag alle neuen Studenten nicht in der Aula, sondern virtuell mit einer Videobotschaft. Den Studenten der PH werden die Lernmaterialien derzeit über die Lernplattform Moodle zur Verfügung gestellt. Daneben können sich die Studenten via E-Mail und Video-Konferenzsystemen mit den Dozenten austauschen. Das funktioniert laut der PH bislang auch. Jedoch sei die Vorbereitung der Onlinelehre aufwendiger als die für den Präsenzunterricht. Die Hochschule hofft auf Landesmittel, um die Onlineangebote ausweiten zu können.

Dass die digitalen Lernangebote nach der Coronakrise ausgebaut werden, sei durchaus vorstellbar. „Das Konzept Flipped-Classroom, bei dem Studenten sich zunächst über Onlinematerialien Kenntnisse erarbeiten, die dann in gemeinsamen Präsenzsitzungen auf konkrete Fallbeispiele angewendet werden, ist etwa sehr zukunftsträchtig“, heißt es seitens der Hochschule.

Die Anwesenheit auf dem Campus wurde dagegen auf das Notwendigste begrenzt. So darf der Campus unter Einhaltung der Abstandsregeln nur betreten werden etwa für Verwaltungsgänge oder Prüfungen. Vorerst wird es keine Vorlesungen oder Seminare mit Anwesenheitspflicht an der PH geben.

..Verwaltungshochschule: Die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen (HVF) ist bereits seit Mitte März für den Publikumsverkehr geschlossen und hat auf Notbetrieb umgestellt. Die Präsenzveranstaltungen und die Prüfungen wurden vorerst abgesagt. „Innerhalb weniger Tage haben wir die Hochschule in einen Minimalbetrieb gebracht, im Sinne der bestmöglichen Prävention bei Aufrechterhaltung der Basisfunktionen“, so der Rektor Wolfgang Ernst. Ein Großteil der Verwaltungsmitarbeiter befindet sich im Homeoffice. Ein auf dem Campus eingerichteter Bereitschaftsdienst sorge für die Aufrechterhaltung des Minimalbetriebes, heißt es in einer Mitteilung der Hochschule. Alle Räume der Hochschule sind verschlossen, auch die Bibliothek. So soll Publikumsverkehr verhindert werden. Literatur erhalten die Studenten über E-Books und Datenbanken.

In der Lehre kommen laut Ernst unterschiedliche E-Learning-Methoden zum Einsatz. Sie reichen von der digitalen Bereitstellung von Materialien sowie Kontrollfragen und Antworten auf einer Lehrplattform bis hin zu Webseminaren und Videovorlesungen. „Hier kann man die Krise auch als Chance sehen“, so der Rektor über die vielen neuen Ideen für die Lehre.

..Evangelische Hochschule (EH): Auch die EH nutzt die Lernplattform Moodle, und das schon seit einigen Jahren. Daher seien Studenten und Dozenten schon mit dem System vertraut. Die Dozenten würden im Moment auch ihre Lehrangebote auf die Situation anpassen, indem sie Lesematerial über Moodle bereitstellen oder andere Online-Lernangebote ausfindig machen, so die Auskunft der Hochschule. Auch für die EH stellen die Prüfungen ein Problem dar, da noch nicht feststeht, wie diese angesichts der Kontaktbeschränkungen ablaufen können.

..Theaterakademie: Die Aufnahmetests an der Akademie für Darstellende Kunst (ADK) müssen derzeit per Videochat stattfinden. Den Umständen entsprechend laufe es aber optimal, auch wenn der Onlinebetrieb den direkten Kontakt und den analogen Unterricht nicht ersetzen kann, sagt die Direktorin Elisabeth Schweeger. Die Theaterakademie bietet unterschiedliche Formate des Onlineunterrichts an, unter anderem Live-Videokonferenzen, Videoclips mit Anleitungen sowie Videogespräche bei Einzelunterricht wie Sprechtraining. Das funktioniere erstaunlich gut. „Für alle ist die Situation neu, vieles muss ausgelotet und erprobt werden und erfordert hohe Flexibilität und viel Energie“, sagt Schweeger.