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Tödlicher Unfall in der Schwieberdinger Straße
Mann in Ludwigsburg totgefahren: 20-Jährige muss ins Gefängnis

Am Montag ist vor dem Landgericht Stuttgart das Urteil gegen die junge Frau gefallen. Archivfoto: Stefan Puchner/dpa
Am Montag ist vor dem Landgericht Stuttgart das Urteil gegen die junge Frau gefallen. Archivfoto: Stefan Puchner/dpa
Die junge Autofahrerin, die in der Nacht zum 18. Juni 2021 in der Schwieberdinger Straße einen Mann überfahren hat, muss ins Gefängnis. Das Landgericht Stuttgart hat die Frau am Montag wegen Totschlags zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Richter sind davon überzeugt, dass die 20-Jährige das Opfer absichtlich gerammt hat.

Ludwigsburg/Stuttgart. Paukenschlag vor dem Landgericht Stuttgart. Eine junge Autofahrerin aus dem Landkreis Ludwigsburg muss ins Gefängnis, weil sie im Juni 2021 einen 50-Jährigen mit ihrem Auto überfahren und getötet hat.

Die Beteuerungen der Frau, sie sei von dem Mann in der Tatnacht bedroht worden, ließen die Richter nicht gelten. Die 20-Jährige hatte immer wieder betont, dass der Mann einen Gegenstand bei sich führte, der wie ein Säbel oder ein Dolch ausgesehen habe. Aus Angst und Panik habe sie Gas gegeben und den Mann dabei versehentlich überfahren.

Das glaubt die Vorsitzende Richterin nicht. Im Gegenteil ist sie laut der Urteilsbegründung überzeugt davon, dass die Frau den Fußgänger, der plötzlich nachts neben ihrem geparkten Fahrzeug auftauchte, absichtlich gerammt hat. Dadurch sei das Opfer zuerst auf die Motorhaube gestürzt und danach auf die Fahrbahn gerutscht. Im Anschluss ist die 20-Jährige mit ihrem Auto auch noch über den am Boden liegenden Mann gefahren und hat ihn dabei tödlich verletzt.

Sie habe in diesem Augenblick gewusst, dass sie durch das Losfahren, den auf der Straße liegenden Mann nicht nur verletzen, sondern auch töten kann, argumentierte die Richterin. Hätte sie nach der ersten Kollision mit dem Mann angehalten und wäre nicht weiter gefahren, dann hätte das Unglück verhindert werden können, so die Richterin weiter.

Mit hoher Geschwindigkeit angefahren

Und entgegen den Aussagen der Angeklagten, dass sie nur ganz langsam angefahren sei, spreche ein Sachverständigengutachten eher dafür, dass sie mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Kilometer in der Stunde über das am Boden liegende Opfer gefahren ist. Nur durch diese relativ hohe Anfahrgeschwindigkeit sei es zu erklären, dass das Vorderrad ihres Autos direkt über den Kopf des Mannes gerollt ist. Bei einer niedrigeren Geschwindigkeit wäre das nicht möglich gewesen.

Mit diesem Urteil folgt das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin, die ebenfalls auf einen vollendeten Totschlag plädiert hatte.

Dagegen argumentierte der Verteidiger der 20-Jährigen mit dem Hinweis, dass eine Art Notwehrtat vorliege. Zum einen sei das spätere Opfer urplötzlich neben dem geparkten Auto seiner Mandantin aufgetaucht, bekleidet nur mit Nachtwäsche. Und zum anderen habe der Mann tatsächlich einen Dolch aus dem Schaft seines Gehstocks gezogen und damit gedroht. Dadurch habe die 20-Jährige aus Panik gehandelt und den Mann versehentlich überfahren. Die Verteidigung sieht darin keinen Totschlag, sondern eine fahrlässige Tötung im Straßenverkehr. Dafür könne man eine Bewährungsstrafe erhalten.

Gericht glaubt Angeklagter nicht

Das Gericht bezeichnete den Einwand der Beschuldigten, sie habe den Mann nicht absichtlich überfahren, aber als unglaubhaft. Im Urteil betonte die Gerichtsvorsitzende ausdrücklich, dass es der Angeklagten in der Tatnacht egal war, was mit dem am Boden liegenden Mann passiere. Das Gericht stellte in seinem Urteil auch fest, dass der Gehstock des Opfers zwar eine ein- und ausziehbare Klinge hatte, diese aber nicht ausgezogen wurde und der Mann dementsprechend damit auch nicht gedroht haben kann. Dies habe ein Gutachten der Polizei ergeben. Die Klinge in dem Stock sei nämlich nur äußerst schwer herauszuziehen.

Der Verteidiger der jungen Frau will gegen das Urteil Revision beim Bundesgerichtshof einlegen. Denn die verhängte Strafe von drei Jahren – die Staatsanwältin hatte drei Jahre und neun Monate beantragt – ist laut Gesetz nicht mehr bewährungsfähig. Die Obergrenze liegt bei zwei Jahren. Außerdem muss die 20-Jährige dreieinhalb Jahre auf ihren Führerschein verzichten.

Laut der Richterin ist das Verfahren sehr schwierig gewesen. Aber man habe getreu nach dem Gesetz die Tatumstände bewerten und ein gerechtes Urteil finden müssen.