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Einkaufszentrum

Marstall: Pop-up-Stores und Nahversorgung

Mitten in der Coronakrise hat Fabian Kowalski das Management des Marstalls übernommen. Trotz Leerstand und Coronachaos sieht er das Einkaufszentrum gut aufgestellt. Der 29-Jährige rechnet mit großem Nachholbedarf, wenn die Läden wieder voll öffnen dürfen.

Fabian Kowalski ist zuversichtlich: Trotz der Leerstände im Center, rechnet er nicht mit dauerhaften Problemen im Marstall.Fotos: Andreas Becker
Fabian Kowalski ist zuversichtlich: Trotz der Leerstände im Center, rechnet er nicht mit dauerhaften Problemen im Marstall. Foto: Andreas Becker
Mitte Oktober eröffnet Aldi im Marstall. Archivfoto: Andreas Becker
Mitte Oktober eröffnet Aldi im Marstall. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Eines der jüngsten Opfer ist die Filiale der Kette „Heimatliebe“. Das Geschäft, zentral neben dem Ausgang zur Fußgängerzone gelegen, hat vor wenigen Wochen aufgegeben und seine Fläche im Marstall geräumt. Der Leerstand, mit dem das Center schon vor der Coronakrise zu kämpfen hatte, ist damit um ein weiteres Geschäft gewachsen. Vor allem im Obergeschoss, gegenüber dem Elektromarkt Saturn, gibt es mit drei aufgegebenen Filialen von größeren Mode- und Schuhgeschäften mittlerweile eine richtig tote Ecke.

Diesen Eindruck will Fabian Kowalski allerdings so nicht stehen lassen. Der 29-Jährige, der seit 1. Januar den Marstall für den Betreiber ECE managt, strotzt vor Zuversicht. Den Leerstand im Obergeschoss sieht er nicht als „tote Ecke“, sondern als „große Chance“, um neue Projekte im Marstall zu verwirklichen. „Zu allen drei Flächen gibt es Gespräche.“ Das Interesse von potenziellen Mietern am Marstall sei nach wie vor groß.

Blumengeschäft oder Apotheke?

Kowalski, der zuvor in mehreren ECE-Häusern auf seine Rolle in Ludwigsburg vorbereitet wurde, möchte den Weg, den sein Vorgänger Dirk Keuthen bereits vor der Pandemie eingeschlagen hat, weitergehen. Kernstück dieses Weges ist die Stärkung der Nahversorgung im Center. Im Zentrum steht dabei die Eröffnung der Aldi-Filiale im Erdgeschoss. „Mit dem Umbau liegen wir sehr gut im Zeitplan“, sagt Kowalski. Der Lebensmittel-Discounter hat zwei ehemalige Flächen von Bekleidungsgeschäften übernommen. Ursprünglich sollte Aldi nach den Sommerferien öffnen. Aufgrund der Coronakrise möchte sich der neue Manager aber nicht auf ein genaues Datum festlegen.

Fabian Kowalski rechnet damit, dass mit der Aldi-Eröffnung auch die beiden leerstehenden Geschäfte, die gegenüber dem Discounter liegen, nachvermietet werden. „Das Interesse ist groß. Wir führen gute Gespräche.“ Das gesamte Umfeld im Erdgeschoss werde von dem Lebensmittelmarkt profitieren. „Die Ecke wird sehr lebhaft werden“, prophezeit der Manager.

Ideen für den derzeitigen Leerstand gibt es viele. Zum Beispiel Pop-up-Stores. Auf die wird derzeit an allen Ecken und Enden gesetzt. Auch in anderen Teilen der Innenstadt. Pop-up-Stores, die nur für einen relativ kurzen Zeitraum existieren, sollen den Handel beleben und neuen beziehungsweise besonderen Ideen sowie „coolen Konzepten“ (Kowalski) zum Durchbruch verhelfen.

Zum Thema Stärkung der Nahversorgung im Center fällt Fabian Kowalski aber nicht nur der Name Aldi ein. Nach wie vor ist eine Apotheke für den Marstall im Gespräch. Auch ein Blumenladen oder sogar Feinkost könnte sich der Manager vorstellen. Für die aufgegebenen Flächen der Modekette Tom Tailor (Obergeschoss) und des Reformhauses (unteres Erdgeschoss) gibt es bereits Nachmieter. In Kürze sollen ihre Namen bekanntgegeben werden.

Die Passage möchte der Manager nach Abklingen der Coronakrise ebenfalls wieder beleben. Etwa mit Popcorn-Ständen oder Aktionen mit Autohäusern, die ihre Neuwagen dort vorstellen. Fabian Kowalski freut sich schon auf den Moment, wenn es in der Passage wieder richtig brummt. Bisher konnte er sich nur als Krisenmanager einbringen und die meisten Geschäfte waren seit seinem Antritt überwiegend geschlossen. Einen vollen Marstall – das kennt er bisher nicht. Trotz des wachsenden Internethandels sieht der 29-Jährige auch für Mode- und Schuhgeschäfte weiterhin eine Zukunft im Marstall. „Dieses Angebot wird es immer geben“, wenn auch in geringerem Umfang. Bei den derzeitigen Gesprächen über Nachvermietungen spielt diese Branche jedenfalls keine Rolle. Die Coronakrise habe in diesem Bereich für eine Bereinigung des Marktes gesorgt. „Dadurch ergeben sich Chancen für Neues“, ist Kowalski überzeugt. Der Manager ist zudem sicher, dass durch die Pandemie ein Nachholbedarf bei den Konsumenten entstanden ist. Davon könnten auch die Modegeschäfte profitieren.

Auflagen für Einzelhandel schwierig

Seine große Hoffnung ist jetzt, dass die Läden bald wieder komplett und ohne Einschränkungen – vor allem ohne die Aufnahme der Kontaktdaten – öffnen können. „Die momentanen Auflagen liegen fernab der Realität des Einzelhandels.“ Nur auf die Inzidenzwerte zu schauen ist für Fabian Kowalski zu wenig. Das Robert-Koch-Institut habe selbst klargestellt, dass der Einzelhandel kein Infektionsherd sei. „Wir erfüllen alle Hygienevorschriften und haben ein eigenes Test-Center.“ Die Infizierten-Zahlen seien auch längst nicht mehr so explosiv. Die Testpflicht und die Beschränkung der Kunden pro Fläche wirkten sich aber sehr empfindlich auf die Besucherzahlen aus. Denn alle Einschränkungen laufen dem Grundsatz eines jeden Einkaufszentrums zuwider. Kowalski: „Im Center soll sich doch jeder wohlfühlen.“

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