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Imkertag

Mehr Blühflächen statt Steingärten

Bienen finden in der ausgeräumten Landschaft immer weniger Nahrung – Drittwichtigstes Tier in der Landwirtschaft

Auch Hobbygärtner können was für die Bienen tun. Foto: dpa
Auch Hobbygärtner können was für die Bienen tun. Foto: dpa

Ludwigsburg. Zum Bienen- und Insektenschutz braucht es mehr blühende Flächen, darin waren sich die Delegierten beim Württembergischen Imkertag im Forum einig. Imker schlagen schon seit einiger Zeit Alarm, denn die Bienen finden in der ausgeräumten Landschaft und in sterilen Privatgärten immer weniger Nahrung.

Der Landesverband Württembergischer Imker, der die Tagung veranstaltet hatte, ist eine Macht. Über 10 000 Imker aus 99 Bezirksvereinen sind hier zusammengeschlossen, sie halten rund 90 000 Bienenvölker, wobei jedes einzelne Volk im Sommer aus immerhin 50 000 der summenden Insekten besteht. Die Honigbiene gilt als das drittwichtigste Tier in der Landwirtschaft, hinzukommen noch die zahlreichen Wildbienenarten. Als Bestäuber sind Bienen unentbehrlich, sie brauchen dafür im Frühjahr blühende Obstbäume und Wiesen, aber vor allem im Spätsommer mangelt es ihnen an einer ausreichenden Versorgung. Der Grund: Die landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen sind dann von Blüten ausgeräumt.

Aber auch Hobbygärtner können den Bienen helfen. Anregungen zur Bienenhaltung und zum Artenschutz im eigenen Garten gab die Ausstellung im Foyer. Die Besucher wurden dabei schon beim Eingang ins Forum von blühenden Staudenarten begrüßt, die gerade im Spätsommer und Herbst den Bienen wichtige Nahrung geben. Neben einer wenig bienenfreundlichen Umwelt, setzt auch die Varroa-Milbe den Tieren zu. Auch hier gab es Anregungen und Tipps zur Behandlung der Tierseuche.

Verbesserungen sollen nun im Dialog angepackt werden, das zeigte der Auftakt der Versammlung, wo neben der Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch auch der Vizepräsident des Landesbauerverbandes Baden-Württemberg, Klaus Mugele anwesend war. Laut Gurr-Hirsch wird am runden Tisch derzeit eine neue Agrarpolitik diskutiert. Das Ziel: Dass Landwirte, die sich besonders für die Umwelt engagieren und Wert auf Biodiversität legen, einen finanziellen Ausgleich erhalten.

Heilbronn als beispielgebend

Die Staatssekretärin rief außerdem dazu auf, mehr blühende Flächen statt Steinwüsten anzulegen. Den Vorstoß der Stadt Heilbronn, Steingärten zu verbieten, begrüßte sie. Klaus Mugele vom Landesbauernverband machte deutlich, dass jegliches Wirtschaften in der Natur Einfluss auf die Artenvielfalt habe. Er berief sich auf die drei Säulen der Nachhaltigkeit und zwar Ökonomie, Ökologie sowie soziale Aspekte. Sie sollten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen und Diskussionen um Biodiversität müssten auch vor diesem Hintergrund geführt werden. Mugele verwies auf die Aktion www.bwbluehtauf.de, wo Blühpatenschaften vergeben werden. Mugele verstand das auch als Nagelprobe, ob der Einsatz der Landwirte honoriert werde. Das Überstülpen einer Agrarwende lehnte er ab.

Wie aus einem Gegeneinander ein Miteinander wurde, berichtete der Präsident des Landesverbandes der Gartenfreunde, Klaus Otto, der erstmals beim Imkertag sprach. Imkerei im Kleingarten, das sei vor vielen Jahren noch ein Tabu gewesen, so Otto. Hysterie und Panikmache hätten die Diskussion bestimmt. Der Austausch mit den Imkern habe den Weg für ein besseres Verständnis geebnet. „Die Biene gehört heute nicht mehr zum Feindbild der Gartenfreunde“, sagte Klaus Otto. An mehr Engagement für Artenschutz und Artenvielfalt appellierte auch der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec. Für den Wissensaustausch habe die Stadt zusammen mit dem Imkerverein Ludwigsburg das Naturinfozentrum Casa Mellifera gebaut und mache dort entsprechende Angebote.

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