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Grün in der Stadt

Mehr Schutz für große Bäume

Wenn auch nach kontroversen Diskussionen und teilweise etwas zögerlich haben die Stadträte im Bauausschuss am Donnerstagabend doch zwei Grünprojekten zugestimmt. Der Schutz von alten Bäumen soll durch eine Satzung verbessert werden. Zudem wird am Römerhügel eine Million Euro in neue Grünflächen und ein Eidechsenbiotop investiert.

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Diese Baumscheibe hat einen Stammumfang von 100 Zentimetern. Ein Baum dieser Größe würde besonders geschützt. Foto: Adobe Stock

Ludwigsburg. Nach dem Rekord-Hitzesommer in diesem Jahr hatte Nicole Preußner vom Fachbereich Tiefbau und Grünflächen keine Probleme, die Bedeutung von Bäumen für das Stadtklima zu verdeutlichen. „Bei 30 Grad Lufttemperatur in der Stadt beträgt ohne Bäume die gefühlte Temperatur 45 Grad, mit Bäumen 25 Grad“, führte sie aus. Bäume sorgen nicht nur für eine bessere Luft und ein besseres Stadtklima, sondern tragen zu mehr Lebensqualität und einem schöneren Stadtbild bei.

Die Grünen sowie Lubu hatten bereits 2016 den Erlass einer Baumschutzsatzung beantragt. Im Großraum Stuttgart verfügt nicht nur die Landeshauptstadt über eine Satzung, die vor allem ältere und größere Bäume schützen soll. Auch Bietigheim-Bissingen, Fellbach, Leonberg und Filderstadt haben entsprechende Satzungen erlassen. Städte wie Heidelberg und Villingen-Schwenningen haben seit den 1980er Jahren solche Satzungen. „Es ist das richtige Instrument, um wertvollen Baumbestand zu schützen“, so Nicole Preußner. Laubbäume mit einem Umfang über 100 Zentimeter dürfen im bisherigen Entwurf der Satzung nicht einfach gefällt werden, weil sie beispielsweise ein Bauprojekt stören. Alle Möglichkeiten zum Erhalt müssen geprüft werden. Gibt es keine, werden Ersatzpflanzungen gefordert. Sind diese ebenfalls nicht möglich, werden Ausgleichszahlungen erhoben. Das Geld wiederum fließt in das Förderprogramm „Grün in der Stadt“.

„Ein neues Verfahren bedeutet auch Mehraufwand“, machte Preußner den Stadträten klar. Zwei neue Stellen hält die Stadtverwaltung für erforderlich.

Wenig Begeisterung zeigte die CDU-Fraktion um Maik Stefan Braumann. Ein Meter Stammumfang sei in seinen Augen zu üppig bemessen. „Das macht das Bauen noch teurer“, kritisierte er mit Blick auf die Ausgleichszahlungen. Er regte an, die Entscheidung über die Baumschutzsatzung zu vertagen, bis die Haushaltsberatungen abgeschlossen seien. Dr. Christine Knoß (Grüne) berichtete, dass sie eigenhändig die Bäume in verschiedenen Ludwigsburger Alleen mit einem Maßband vermessen hat. Dabei habe sie festgestellt, dass viele stattliche alte Bäume gar nicht so einen dicken Stamm haben. Sie will bereits Bäume ab einem Durchmesser von 80 Zentimetern schützen, so wie es auch Stuttgart und Bietigheim-Bissingen handhaben. „Die Nachbarkommunen schützen auch Nadelbäume“, regte sie eine Ausweitung des Satzungsentwurfs an. Auch Elga Burkhardt (Lubu) hält es für angebracht, Bäume ab 80 Zentimeter besonders zu schützen. „Wir müssen große Bäume erhalten, wo immer es geht“, forderte auch Margit Liepins (SPD). Andreas Rothacker (Freie Wähler) sprach sich ebenfalls für den Baumschutz aus, allerdings würde er sich auch mit einem Schutz ab einem Meter Umfang zufriedengeben.

Baubürgermeister Ilk appellierte an den Bauausschuss, den Entwurfsbeschluss zu fassen und später Satz für Satz durchzugehen. Die Entscheidung insgesamt zu vertagen, wie es die CDU gefordert hatte, „sei ein schlechtes Signal nach außen“. So wurde der Schutz alter Bäume mit neun Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen aus Reihen der CDU auf den Weg gebracht.

Beim zweiten Grünprojekt an diesem Abend war Eile geboten: Am Römerhügel soll eine der größten Solarthermieanlagen Deutschlands entstehen. Jetzt im Herbst und in diesem Winter soll ein Biotop für die Eidechsen geschaffen werden, damit die Tiere eine neue Heimat haben, bevor im Mai mit dem Bau der Solarthermieanlage begonnen werden kann. Insgesamt plant die Stadt eine mehr als ein Hektar große „attraktive neue Grünverbindung“, die auch Teil des Ludwigsburger Grünen Rings sein soll. Auch ein Lehrpfad werde eingerichtet. Wie hoch die finanzielle Beteiligung der Stadtwerke an diesem eine Million Euro teuren Projekt ausfällt, konnte die Verwaltung nicht beziffern. Fachbereichsleiterin Ulrike Schmidtgen geht von einer sechsstelligen Summe aus. Die Stadträte stimmten mehrheitlich für das Projekt.