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Mensch, Leute! Lauter starke Frauen!

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Ludwigsburg. Ich erinnere mich gerne an meine Studienzeit. Ich wohnte in einer tollen WG, und der Freundeskreis bestand aus 13 Mädels – natürlich nannten wir uns „Die wilde 13“! Wir mussten viel lernen, wir haben aber auch viel gefeiert. Dazu brauchten wir nicht unbedingt einen Anlass. Wir fragten nicht, wann? Wir fragten, bei wem? Und noch heute gibt’s bei mir an Geburtstagen die ultimative Partysuppe, die wir in der WG immer gekocht haben. Da sag noch mal einer, im Studium lerne man nichts fürs Leben.

Auch der Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen, Wolfgang Ernst, erinnert sich gerne an sein „wildes Studentenleben“ in den 80er Jahren. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Karlsruhe. „Damals trug man Parka und lange Haare. Ich auch“, erzählt er mir. Das hätte ich ja gerne mal gesehen! „Damals waren noch viele Alt-68er an der Uni.“ Das habe ihn geprägt. Und in Anlehnung an Winston Churchill zitiert er: „Wer mit 20 kein Marxist ist, macht was falsch, wer mit 40 immer noch Marxist ist, macht auch was falsch.“

Vermutlich ist sie eine der Frauen mit den längsten Haaren der Stadt. Da hätte auch Wolfgang Ernst nicht mithalten können. „Ich schätze, die sind jetzt rund 80 Zentimeter lang“, sagt Unternehmerin Madlen Maier bei einer Begegnung in dieser Woche. „Ich hatte noch nie kurze Haare.“ Auch sie erinnert sich gerne ans Studium in Heilbronn, wenngleich ein wildes Studentenleben nicht so angesagt war. „Ich bin gependelt“, da bleibe man ein bisschen außen vor.

Alles andere als außen vor, sondern voll dabei ist Lisa Nippgen. Und zwar bei den Olympischen Spielen in Tokyo. Die gebürtige Ludwigsburgerin ist als Ersatzläuferin für die 4 x 100-Meter-Staffel nominiert! Ihr Abi hatte sie am Otto-Hahn-Gymnasium gemacht, und dort hat sie diese Woche, kurz vor Abflug, schnell vorbeigeschaut. Kurios: Am Abend vor dem Wettkampf gibt’s Steak und vor dem Start einen Babybrei. Damit kommt sie auf jeden Fall unbeschadet durch die Dopingkontrolle.

Aus der Trainer-Perspektive war Roland Kromer sogar bei zwei Olympischen Spielen dabei: 1972 in München als Heimtrainer und 1992 als Bundestrainer (Leichtathletik) in Barcelona. Ich erreiche ihn, als er gerade vom 7,5 Kilometer langen Spaziergang zurückkommt. „Das ist beeindruckend“, erzählt er mir. „Wenn sich die Nationengemeinschaft am Buffet trifft, all die Sprachen, Gewänder und Speisen, da habe ich bereut, in der Schule nicht besser Englisch gelernt zu haben.“ Und wenn das Publikum die Hymne mitsingt, dann sei das immer ein Gänsehautmoment.

Lisa Nippgen ist nicht die einzige Ludwigsburgerin, die zu Olympischen Spielen fährt. Schwimmerin Vanessa Grimberg ging 2016 in Rio an den Start, Turnerin Tabea Alt war ebenfalls in Rio dabei. Ganz schön viel Frauenpower hier in Ludwigsburg!

Apropos Frauenpower: Kim Stähle hat bei der Deutschen Meisterschaft des GNBF den Titel in der Bikini-Klasse gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! GBNF steht für German Natural Bodybuilding & Fitness Federation, da ist Doping tabu! „Ich trainiere fünf bis sieben Mal die Woche“, erzählt sie mir. Sie habe schon immer Sport gemacht, zeitweise auch Leistungssport (Turnen und Stabhochsprung). Durch ihren Trainingspartner Alexander Kitsukis kommt sie zum Bodybuilding. „Er war schon mal bei einer Meisterschaft dabei, da hab ich Blut geleckt.“ Das Training hat sich ausgezahlt, beide haben den Titel geholt. Und Kim Stähle muss sich über die Bikinifigur in diesem Sommer ganz sicher keine Gedanken machen.

Fotos: H. Wolschendorf, privat, Baumann(1)

Haben Sie was gehört oder gesehen? Dann sagen Sie’s mir! E-Mail: Julia.Essich-Foell@lkz.de, Telefon (07141) 130-281.