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Verkehrsstau

Metallplatten bremsen Autos

Seit Tagen staut sich der Verkehr rund um die Baustelle an der Neckarbrücke. Viele sehen die Schuld bei zwei Metallplatten, die die Autofahrer zum Abbremsen zwingen. Jetzt sollen die Platten eine Rampe bekommen. Auch weil die Stadt eine verkehrsrechtliche Anordnung erlassen hat.

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Hunderte Meter weit stauen sich die Fahrzeuge zu den Stoßzeiten. Fotos: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Zahlreiche Leser haben sich an unsere Zeitung gewandt und ihrem Ärger über den Stau rund um die Neckarbrücke Luft gemacht. Auch Kollegen berichteten morgens in der Redaktion, wie sie auf dem Weg nach Ludwigsburg im Stau steckengeblieben waren. Grund genug, einmal nachzuhaken, wie es dazu kommen konnte. Denn an der Neckarbrücke wird schon seit längerem gebaut.

Was hat sich also geändert? Der Schuldige schien schnell gefunden zu sein: Zwei große Metallplatten, die mit ihren Absätzen die Autofahrer dazu bringen, abzubremsen und mit Schrittgeschwindigkeit weiter zu fahren. Die Platten sind am Samstag auf der Neckarweihinger Seite auf die Brücke aufgelegt worden und sorgten seitdem für erhebliche Staus.

„Die Platten sind statisch erforderlich“, sagte die für die Brückensanierung zuständige Projektleiterin des Regierungspräsidiums, Ulrike Conle. Sie dienen zur Stabilisierung, da daneben eine Baugrube liegt, die derzeit noch nicht zugeschüttet werden könne. Conle rechnet damit, dass die Platten noch mindest vier Wochen lang benötigt werden. Um die Metallplatten komplett abzusenken, müsste die Brücke für die Dauer dieser Arbeiten ganz gesperrt werden. Das wäre aus Mangel an Alternativrouten kaum tragbar. „Eine Vollsperrung kommt nicht in Frage“, betonte sie und appellierte an die Autofahrer, nicht auf Tempo null herunterzubremsen. „Die Platten sind circa zweieinhalb Zentimeter hoch und schaden den Reifen nicht“, sagte sie.

Derweil staut sich der Verkehr. Wie Polizeisprecher Peter Widenhorn mitteilte, gibt es besonders morgens lange Staus auf der Neckartalstraße in Richtung Ludwigsburg sowie die komplette Hauptstraße in Neckarweihingen entlang und auf der Landstraße, aus Richtung Marbach kommend. Zum Feierabendverkehr reihen sich die Fahrzeuge auf der Marbacher Straße in Richtung Neckarweihingen bis hoch zum Blühenden Barock. Von einer Umfahrung über die Benninger Höhe rät Widenhorn ab, denn das führe nur dazu, dass auch dort der Verkehr ins Stocken gerate. Er empfiehlt, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen – die S-Bahn, wie er sagte, denn auch die Busse sind vom Stau betroffen.

Für den Busverkehr stellt die Baustelle ein Problem dar. „Wir sind darüber nicht glücklich“, sagte Jens Jacobi, stellvertretender Betriebsleiter der LVL Jäger GmbH. Um die Lage in den Griff zu bekommen, setzt man in der Hauptverkehrszeit auf den nicht vom Stau betroffenen Linienabschnitten zusätzliche Pendelbusse ein. Diese fahren zwischen Marbacher Straße und der Innenstadt, sowie zwischen dem ZOB und Oßweil.

Jacobi kann den Ärger der Fahrgäste sehr gut nachvollziehen. Dennoch bringe es wenig, noch mehr Busse in das betroffene Gebiet zu schicken, die dann ebenfalls im Stau stehen würden. „Wir wollen die Fahrgäste pünktlich an ihr Ziel bringen“, betonte er. Gegen die Baustelle sei jedoch wenig auszurichten. „Wir machen alles, was möglich ist, um Fahrtausfälle zu vermeiden und die Verspätungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Jacobi.

Die Bauarbeiten an der Neckarbrücke werden voraussichtlich noch bis Mitte November andauern, erklärte Conle. Dass dadurch ein Verkehrschaos ausgelöst würde, sei auch für sie nicht absehbar gewesen. „Es ist auch für uns nicht schön“, sagte die Projektleiterin. Man sei in engem Kontakt mit der Stadt Ludwigsburg und suche nach der besten Möglichkeit, um möglichst wenig in den Verkehr einzugreifen, sagte sie gestern.

Kurz darauf hatte die Stadtverwaltung eine verkehrsrechtliche Anordnung an das Regierungspräsidium erlassen und damit den Bauträger verpflichtet, die Situation unverzüglich zu bereinigen. „Es ist die Frage, was als wichtiger erachtet wird“, sagte Bürgermeister Michael Ilk gegenüber unserer Zeitung. Bei einem Stau in diesem Maße habe der Verkehrsfluss Vorrang. „Das Regierungspräsidium baut ja auch für die Autofahrer“, gab Ilk zwar zu bedenken, jedoch dürfe es nicht unzumutbar werden.

„Es wird nun wohl so gelöst, dass eine Anrampung errichtet wird“, erklärte Conle, auf die Anordnung der Stadt angesprochen. Damit könnten die Platten einfacher befahren und das Stauproblem gelöst werden. Während des Baus der Rampe werde die Straße jedoch jeweils in eine Richtung mittels einer Ampel gesperrt werden müssen.