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Wohnen

Mieten in der Stadt ziehen weiter an

Jährliche Verteuerung um zwei Prozent – Mieterbund fordert moderatere Grundstückspreise und günstige Wohnungen

Das Gebiet Schauinsland in Neckarweihingen (hier im Bild) wird derzeit erschlossen, dort sollen 174 Wohnungen entstehen, davon 40 preisgedämpfte Mietwohnungen. Im Gebiet Fuchshof in der Oststadt liegt das Gelände noch brach.Foto: Andreas Becker
Das Gebiet Schauinsland in Neckarweihingen (hier im Bild) wird derzeit erschlossen, dort sollen 174 Wohnungen entstehen, davon 40 preisgedämpfte Mietwohnungen. Im Gebiet Fuchshof in der Oststadt liegt das Gelände noch brach. Foto: Andreas Becker
Das Gebiet Schauinsland in Neckarweihingen (hier im Bild) wird derzeit erschlossen, dort sollen 174 Wohnungen entstehen, davon 40 preisgedämpfte Mietwohnungen. Im Gebiet Fuchshof in der Oststadt liegt das Gelände noch brach.Foto: Andreas Becker
Das Gebiet Schauinsland in Neckarweihingen (hier im Bild) wird derzeit erschlossen, dort sollen 174 Wohnungen entstehen, davon 40 preisgedämpfte Mietwohnungen. Im Gebiet Fuchshof in der Oststadt liegt das Gelände noch brach. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Die Situation in der Barockstadt ist seit Langem angespannt. Fast aussichtslos, ein Haus bauen zu können, auch der Wohnungsmarkt ist leer gefegt. „Es gibt viele, die eine Wohnung suchen und viele, die Eigentum suchen“, so Erster Bürgermeister Konrad Seigfried gestern bei der Vorstellung des neuen Mietspiegels. Das ist auch der Grund, warum inzwischen junge Familien wieder wegziehen und sich im Umland nach Baugrundstücken oder einer Wohnung umsehen. „Das ist eine Trendwende, man geht wieder zurück aufs Land“, so Seigfried.

Umso überraschender sei, dass die Mieten nicht noch mehr in die Höhe schnellen, sagte er. Sie sind pro Jahr um zwei Prozent gestiegen. Wer eine Wohnung vermietet, so der Schluss des Immobilienverbands Süd, für den zählten auch andere Aspekte: längerfristige Mietverhältnisse etwa oder verlässliche Mieter. Oft bewege sich der Preis unter der ortsüblichen Miete. Die durchschnittliche Nettomiete (Kaltmiete) liegt aktuell bei 9,13 Euro pro Quadratmeter. „Private Vermieter nutzen die Tabelle, nutzen sie aber nicht aus“, ist Tobias Rienhardt überzeugt.

Die Erhöhung war zu erwarten, stellte Eckart Bohn vom Mieterbund fest, betonte aber, dass sich die Mieten in der Stadt bereits auf einem sehr hohen Niveau befinden und die steigenden Mieten auch ein Problem sind. „Die Mieten können von vielen nicht mehr bezahlt werden, vor allem, wenn 40 bis 50 Prozent des Nettoeinkommens dafür aufgewendet werden müssen.“ Das sei zu viel, angemessen wären 30 Prozent. Dabei gehe es nicht nur um Sozialwohnungen. Bedenklich sei zudem, so Bohn, dass Altbauwohnungen aus den Jahren vor 1974 plötzlich um zehn bis zwanzig Prozent teurer wurden. Gerade bei Sanierungen sieht er „Streitpotenzial“, nicht jede Renovierung könne auf die Miete umgelegt werden. Bei Streitigkeiten schafft es der Mieterverein, größtenteils außergerichtlich zu vermitteln.

Hat sich der Mieterbund früher stärker um Probleme mit Nebenkostenabrechnungen kümmern müssen, rücken die steigenden Mieten und Eigenbedarfskündigungen immer mehr in den Vordergrund. Letzteres werde dadurch befeuert, dass Wohnungen als Geldanlage gekauft werden und dann Mietern gekündigt wird. Bürgermeister Seigfried berichtet von einer älteren Frau, die deshalb obdachlos wurde und mit ihrer Frührente nichts anderes finden konnte.

In solchen Fällen kümmert sich auch die Stadt, kann aber nicht immer helfen. Sie hat zusammen mit ihrer Wohnungsbau dafür gesorgt, dass 130 der bestehenden Sozialwohnungen erhalten bleiben, weitere Wohnungen werden zu Sozialwohnungen umgewandelt. Die Stadt sieht es zudem als ihre Aufgabe an, für günstigen Wohnraum zu sorgen – gerade ihr Modell, in Neubaugebieten Sozialwohnungen und Fair-Wohnen-Wohnungen anzubieten, wirke wie eine kommunale Mietpreisbremse, stellte Seigfried fest.

Auch in der Bodenpolitik will die Stadt etwas bewegen. Der Mieterbund sieht darin ein wichtiges Instrument, um die Baukosten zu drücken. „Wir müssen die explodierenden Bodenpreise in den Griff bekommen“, so Bohn. Dem stimmt Seigfried bei, die Stadt vergebe die Baugrundstücke inzwischen günstiger und weit entfernt vom Marktpreis. Der Preis wird zusammen mit dem Gemeinderat festgelegt.

Mit dem Mietspiegel werden die derzeit aktuellen Mietpreise festgehalten, dafür wurden Daten von rund 2000 Haushalten erhoben. Diesmal geschah es erstmals zusammen mit Kornwestheim und Hemmingen, weshalb Ludwigsburg einen Zuschuss vom Land erhalten hat. 52 Prozent der Wohnungen in Ludwigsburg sind Mietwohnungen, die Eigentumsquote beträgt 48 Prozent.

Der Mietspiegel, oft verschrien als Preistreiber, sei „keine Lizenz für Mieterhöhungen“, bekräftigte Seigfried. Er bilde lediglich die derzeitigen Preise ab.

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