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Afrika
Militärputsch: Ludwigsburger Hilfsprojekt in Burkina Faso in Gefahr

Mit einer Technik aus der Steinzeit: Frauen beim Getreidemahlen in Kongoussi. Diese mühsame Arbeit wird durch Mühlen aus Ludwigsburg mittlerweile erleichtert. .Archivfoto: privat
Mit einer Technik aus der Steinzeit: Frauen beim Getreidemahlen in Kongoussi. Diese mühsame Arbeit wird durch Mühlen aus Ludwigsburg mittlerweile erleichtert. .Archivfoto: privat
Seit vielen Jahren engagiert sich Ludwigsburg in der Gemeinde Kongoussi, die im afrikanischen Burkina Faso liegt. Dort hat es jetzt einen Militärputsch gegeben. Die Lage ist unübersichtlich. Wie es mit dem Hilfsprojekt weitergeht, ist unklar.

Ludwigsburg. Brunnen, Straßenbeleuchtung, eine Schule oder Getreidemühlen – seit 15 Jahren unterstützt Ludwigsburg gemeinsam mit seiner französischen Partnerstadt Montbéliard die Menschen in Kongoussi, das in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt liegt. Erst im Dezember wurde dort noch ein Klimainfozentrum eingeweiht, das mit Mitteln der Stadt Ludwigsburg und des Bundes finanziert wurde. Doch die vielen Erfolge der vergangenen Jahre sind nun in Gefahr.

Schon seit einiger Zeit breiten sich in Burkina Faso Islamisten aus. Und vor wenigen Tagen hat ein Militärputsch die schwache Regierung hinweggefegt. Jetzt hat das Militär selbst die Macht im Land übernommen. Offenbar ging das alles ohne Blutvergießen über die Bühne.

In Ludwigsburg ist man trotzdem beunruhigt. „Es ist momentan völlig unklar, wohin diese neue Situation mit einer Militärregierung führen wird“, schreibt der Förderkreis Burkina Faso in einer aktuellen Mitteilung. Und weiter: „Unsere Projekte, wie etwa die Berufsschule, die Getreidemühlen in neun Dörfern oder die mit Solarpumpen angetriebenen Brunnen, laufen weiter und sichern die Existenz vieler Menschen.“ Laut dem Vorsitzenden des Förderkreises, Konrad Seigfried, sei bisher nichts über Zerstörungen oder Ähnliches in Kongoussi bekannt.

Unübersichtliche Situation im Land

Der Förderkreis hat mehrere Kontaktpersonen vor Ort. Darunter den Bürgermeister oder den Vertreter der Partnerorganisation AZND (Association Zood Nooma pour le Développement), mit der die Entwicklungsprojekte organisiert werden. Auf eine Anfrage des Förderkreises teilte der Vertreter von AZND mit: „In Kongoussi leben wir in einer ruhigen Situation. Uns allen geht es gut und es wurden keine Demonstrationen, keine Zwischenfälle gemeldet.“ Lediglich das Internet sei zeitweise ausgefallen.

Die Sicherheitssituation in Kongoussi hat sich laut Förderkreis aber schon in den vergangenen Monaten immer weiter zugespitzt. Aufgrund von Überfällen von Islamisten seien wieder mehr Binnenflüchtlinge nach Kongoussi gekommen. In der Nachbarkommune Zimtanga hat es schon mehrere Angriffe auf Dörfer mit Toten gegeben. Die Kommunen in Burkina Faso muss man sich als große Landkreise vorstellen, die aus vielen Dörfern und kleineren Städten bestehen. Vor drei Jahren waren bei einem vergleichbaren Überfall in Kongoussi ebenfalls mehrere Menschen getötet worden.

Aktuell laufen noch zwei Projekte

Aktuell arbeite man an der Umsetzung von zwei Projekten in Kongoussi, sagt Seigfried. Der Beleuchtung der Straßen mit Solarlaternen sowie der Beleuchtung der Wohnhütten, ebenfalls mit der Hilfe von Sonnenenergie. Viele Hütten sind nicht an das Stromnetz angeschlossen. Auch die Schüler der vom Förderkreis finanzierten Berufsschule sind in die Projekte eingebunden. Dadurch sollen die Kompetenzen der Schüler und ihre Verdienstmöglichkeiten erweitert werden.

„Bisher sind unsere Partner vor Ort und wir optimistisch, dass wir trotz der schwierigen Situation alle Projekte erfolgreich fortführen können“, sagt Konrad Seigfried. „Und die Menschen in Burkina Faso und eben auch in Kongoussi hoffen sehr, dass der Staat beziehungsweise die Armee effektiver gegen den Terror im Norden vorgehen. Aber das können weder die Menschen vor Ort noch wir aufgrund der unübersichtlichen Lage einschätzen.“