Logo

Busverkehr

„Mir fällt ein Stein vom Herzen“

Fast ein halbes Jahr lang musste das Ludwigsburger Traditionsunternehmen bangen, jetzt ist wohl alles gut: Nach Informationen unserer Zeitung haben die Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL) den Wettbewerb um den Ludwigsburger Stadtverkehr gewonnen und können ihre Busse auch nach 2020 weitere zehn Jahre auf die Strecke schicken.

Hat allen Grund zur Freude: Carry Buchholz, die Geschäftsführende Gesellschafterin der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL). Foto: Holm Wolschendorf
Hat allen Grund zur Freude: Carry Buchholz, die Geschäftsführende Gesellschafterin der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL). Foto: Holm Wolschendorf

Es war für die Ludwigsburger Verkehrslinien eine ganz neue, äußerst bedrohliche Entwicklung. Konnten zuvor die zuständigen Behörden jahrzehntelang den Busbetrieb direkt an ein Unternehmen vergeben, hat die Europäische Union (EU) inzwischen ein wettbewerbliches Vergabeverfahren durchgesetzt und zur Pflicht gemacht. Eine Besonderheit: In der ersten Etappe dieses Verfahrens macht derjenige Bewerber das Rennen, der das beste Angebot macht – allerdings nur unter der Maßgabe, dass er den gesamten Betrieb eigenwirtschaftlich ohne Zuschüsse stemmt. Nur für den Fall, dass kein eigenwirtschaftliches Angebot bei dieser sogenannten Vorabbekanntmachung eingeht, schließt sich eine zweite Ausschreibungsrunde an, bei der ein Bewerber auch Zuschüsse der öffentlichen Hand einfordern kann.

Eine solche Vorabbekanntmachung war für den Stadtverkehr von Ludwigsburg im Frühjahr 2018 ausgeschrieben worden. Es geht um den Busverkehr in einem Teilgebiet des Landkreises Ludwigsburg, das sogenannte Linienbündel 7, es umfasst den Stadtverkehr von Ludwigsburg und Linien in die Nachbarkommunen Remseck, Asperg und Kornwestheim. Die Linien werden für die Zeit ab 2020 auf zehn Jahre neu vergeben.

„Wir als Betrieb waren gezwungen, ein eigenwirtschaftliches Angebot abzugeben, sonst würde es uns bald nicht mehr geben.“ Das sagte nach Beginn des Vergabeverfahrens Carry Buchholz, die Geschäftsführende Gesellschafterin der LVL. Sie sollte Recht behalten. Mit Bewerbungsschluss im Juni war klar, dass es einen Mitbewerber gab, der ebenfalls ein eigenwirtschaftliches Angebot eingereicht hatte. Ohne ein Gegenangebot der LVL hätte er quasi automatisch ab 2020 den Ludwigsburger Busverkehr übernommen.

Am vergangenen Freitag hat das Regierungspräsidium Stuttgart entschieden, welcher der beiden Bewerber den Zuschlag bekommt. Und für das Ludwigsburger Unternehmen wurde es zu einer echten Weihnachtsgabe: Die LVL, erhalten den Zuschlag, dies allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass der Unterlegene vier Wochen lang Rechtsmittel gegen diese Entscheidung einlegen kann.

„Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen“, sagte Carry Buchholz am Wochenende im Gespräch mit unserer Zeitung. Am Freitag waren die Nerven noch extrem angespannt, die Entscheidung hatte das Regierungspräsidium just für diesen Tag noch vor Weihnachten angekündigt – und den ganzen Tag über wartete man in der LVL-Firmenzentrale auf den entscheidenden Brief aus Stuttgart, der dann aber erst sehr spät am Abend per Bote im Briefkasten landen sollte.

Wer ist der Mitbewerber? Darüber gibt es nach wie vor keine Gewissheit. Das Regierungspräsidium hatte nach Ende der Ausschreibungsfrist im Juni nicht einmal bekannt gegeben, wie viele Bewerbungen eingegangen waren. Die LVL hatten ihre Bewerbung gleich öffentlich gemacht, unsere Zeitung hatte Informationen, dass es einen zweiten Bieter gab.

Vieles deutet inzwischen nach Meinung von Insidern darauf hin, dass es sich bei dem Mitbewerber um einen großen Nahverkehrskonzern handelt, die Transdev-Gruppe. Diese ist eigenen Angaben zufolge mit 83.000 Mitarbeitern in 19 Ländern aktiv. Die Transdev GmbH Deutschland ist diesen Angaben zufolge mit mehr als 5.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 900 Millionen Euro der größte private Nahverkehrsanbieter im lokalen Bahn- und Busbereich.

Und zuletzt hatte die Transdev sich bei einer anderen Ausschreibung im Landkreis Ludwigsburg gegen den Altbetreiber durchgesetzt, mit einem eigenwirtschaftlichen Angebot: Ab dem 1. Januar 2019 wird ein Transdev-Tochterunternehmen, die Württembergische Bus-Gesellschaft mbH (WBG), die Verkehrsleistung im Linienbündel „Strohgäu Ost“ übernehmen, mit knapp 40 Bussen. Und auch in einem anderen Gebiet der Region Stuttgart war Transdev mit einer Übernahme erfolgreich: im Raum Backnang/Murrhardt (Rems-Murr-Kreis).

Autor: