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Kinderschutz

Missbrauch und Gewalt erkennen

Seit zehn Jahren beraten Kinderschutzfachkräfte Kindergärten und Schulen – Alleinstellungsmerkmal für den Landkreis

Betroffene Kinder ziehen sich häufig zurück. Im Netzwerk gibt es Hilfe.Foto: dpa/Britta Pedersen
Betroffene Kinder ziehen sich häufig zurück. Im Netzwerk gibt es Hilfe. Foto: dpa/Britta Pedersen

Manchmal ist es ein Bauchgefühl, manchmal sind es kleine Anzeichen, die Menschen, die beruflich mit Kindern zu tun haben, aufhorchen lassen. Ihr fachliches Handeln ist gefragt, wenn Kinder und Jugendliche körperlich oder sexuell misshandelt werden oder das Kindeswohl durch Vernachlässigung in Gefahr ist.

Seit zehn Jahren finden Erzieher in Kindertagesstätten, Lehrer, Schulsozialarbeiter und Kinderärzte aus dem Landkreis in eigens geschulten Fachkräften qualifizierte Ansprechpartner. Mit ihnen können sie sich austauschen, Rat holen oder nach Lösungen suchen. Aktuell gibt es im Landkreis rund ein Dutzend „insoweit erfahrene Fachkräfte“, wie die offizielle Bezeichnung lautet. Alle haben gemeinsam, dass sie in ihrer bisherigen Tätigkeit reichhaltige Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kindern und Familien gesammelt und zudem eine Ausbildung als Kinderschutzfachkraft absolviert haben.

Dass sie nicht beim Jugendamt, sondern hauptberuflich in Einrichtungen und Diensten der freien Jugendhilfe tätig sind, ist ein Alleinstellungsmerkmal für den Landkreis, wie Claudia Obele, Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf, bei einem Pressgespräch betonte. Gemeinsam mit der Sozialpädagogischen Familienhilfe der Diakonie- und Sozialstation Ludwigsburg und dem Fachbereich Kinder, Jugend und Familien ist die Jugendhilfe Träger dieses Angebots. Laut Bundeskinderschutzgesetz müssen die in Schulen und Kitas arbeitenden Fachkräfte seit dem Jahr 2012 externe Experten bei der Abschätzung des Gefährdungspotenzials hinzuziehen. 150 Mal wurden die Kinderschutzfachkräfte im vorigen Jahr zurate gezogen. Dass die Zahl der Beratungen in den vergangenen zehn Jahren stetig gestiegen ist, bedeute keineswegs, dass die Zahl der Kinderwohlgefährdungen zugenommen habe. „Das zeigt vielmehr, dass der Bekanntheitsgrad dieses Angebots gestiegen ist“, so Claudia Obele.

„Manchmal reicht schon ein Telefonat aus, um ein Problem zu klären“, schilderte Kinderschutzkraft Elke Karle, die bei der Beratungsstelle Silberdistel gegen sexuelle Gewalt tätig ist. Dass die Hemmschwelle, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen, gesunken ist, bestätigte Gabi Neuhäuser von der Jugendhilfe Karlshöhe in Ludwigsburg. „Die Verantwortung bleibt immer bei der jeweiligen Organisation“, unterstrich Claudia Kempinski, Leiterin des Bereichs Familien und Erziehung bei der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, dass die Fachkräfte ausschließlich beratende Funktion haben. Sie führen keine Elterngespräche und haben auch keinen Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. Vielmehr nehmen sie gemeinsam mit den Ratsuchenden eine Gefährdungseinschätzung vor und erstellen mit ihnen ein Hilfs- und Schutzkonzept für das Kind. „Wir versuchen, Ruhe in das Thema zu bringen und zeigen Wege auf, wie die Ratsuchenden einen guten Zugang zu Familien finden“, erläuterte Jochen Weeber, Mitarbeiter der Diakonie- und Sozialstation Ludwigsburg.

„Die Erzieher sollen gestärkt aus dem Gespräch hervorgehen, egal für welches weitere Vorgehen sie sich entscheiden“, fügte er hinzu. In Seminaren werden diese übrigens auf die nicht ganz einfach zu führenden Elterngespräche vorbereitet. „Es geht nicht darum, Eltern an den Pranger zu stellen, sondern ihnen die Hand zu reichen und Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen“, unterstrich Monika Nohl-Schäfer von der Caritas. Oftmals seien die Eltern überfordert. Sie wies auch darauf hin, dass man sich oft in einer Grauzone befinde: „Uns sind oft die Hände gebunden, wenn keine Akutfälle vorliegen.“ Ist das der Fall, muss unverzüglich das Jugendamt eingeschaltet werden.

Hat anfangs der Fokus auf Kinder zwischen drei und sechs Jahren gelegen, so ist dieses Angebot auf die Grundschulen ausgeweitet worden, in denen die Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülern noch intensiver ist als zum Beispiel an weiterführenden Schulen. Hier sind dann vor allem die Schulsozialarbeiter gefragt. Für die Zukunft würden sich die Fachkräfte wünschen, dass verstärkt die Ehrenamtlichen aus Vereinen und Jugendorganisationen angesprochen werden. „Je mehr den Dienst in Anspruch nehmen, desto mehr haben wir für Kinder und Familien erreicht“, so das Fazit von Claudia Obele.

info: Unter www.landkreis-ludwigsburg.de (Bildung, Jugend, Familie – Kinderschutz) gibt es eine Liste mit Kontakten der Kinderschutzkräfte. Die Beratung ist kostenlos.

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