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Sammeln
Mit Antiquitäten in die Vergangenheit

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Die Ludwigsburger Antikmeile fällt dieses Jahr wegen Corona aus. Unsere Leser haben trotzdem die Möglichkeit, ihre Antiquitäten begutachten zu lassen. Das übernimmt der Händler und TV-Experte Fabian Benöhr aus Backnang. Für ihn sind die Objekte aus der Vergangenheit pure Leidenschaft.

Ludwigsburg. Irgendwie war es schon immer da: diese Lust und das Interesse an alten Gegenständen. Schon als Kind stöberte Fabian Benöhr (37) gerne auf dem Dachboden seines Großvaters herum. All diese aus der Zeit gefallenen Dinge faszinierten ihn. Das Interesse wuchs, er fing an, auf Flohmärkte zu gehen und setzte den Grundstein für seine ersten Sammlungen. „Es wurde schnell zu einer Sucht.“

Heute, viele Jahre später, ist Benöhr ein professioneller Antiquitätenhändler. Erst vor wenigen Wochen hat er zusätzlich zu seinem Laden in Backnang ein Geschäft in Marbach eröffnet. Außerdem gehört er zu den TV-Experten, die in der ZDF-Show „Bares für Rares“ auftreten.

Gelernt hat Benöhr ursprünglich Mediengestalter. Seine Leidenschaft führte aber dazu, dass er vor sechs Jahren komplett umgesattelt hat. Seither ist er professioneller Antiquitätenhändler und managt außerdem Haushaltsauflösungen.

Sein Wissen hat er sich selbst angeeignet. Grundlage dafür ist die eigene Sammelleidenschaft. „Man kauft ein Stück, dann recherchiert man und lernt den Gegenstand so immer besser kennen“, sagt Benöhr. Viel lehrt auch die Erfahrung. Und das abendliche Studium der Stilepochen. Dank des Internets habe man heute beste Recherchemöglichkeiten.

Die Antiquitäten, mit denen Fabian Benöhr handelt, verkauft er über Messen, Märkte oder das Internet. Auch bei der Ludwigsburger Antikmeile wäre er dieses Jahr gerne zum dritten Mal mit einem Stand dabei gewesen. Aber da hat ihm das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch die Antiquitätenhändler wüssten derzeit nicht, was noch alles auf sie zukommt. „Flohmärkte und die Antikmeile fehlen auf jeden Fall.“

Der erste historische Gegenstand, der ihn so richtig fasziniert hat, war eine 100 Jahre alte Puppenküche aus Familienbesitz. Seine Großmutter ist Nachkommin eines Thüringer Spielzeugfabrikanten und seine Eltern hätten zu Hause moderne Möbel mit Antiquitäten kombiniert. Ansonsten sei in seiner Familie bisher aber niemand vertieft in das Thema Antiquitäten eingestiegen.

Wer mit Antiquitäten handelt, der muss Sammler kennen. Fabian Benöhr hat ein ganzes Buch gefüllt mit ihren Namen und Adressen. „Es ist über die Jahre immer weiter gewachsen.“ Zu vielen Sammlern habe er ein vertrauensvolles Verhältnis. Für den Händler ist die genaue Kenntnis seiner Sammler eine Geschäftsgrundlage. Denn nur so kann er einschätzen, was ein alter Gegenstand wert sein könnte. Benöhr verdeutlicht das an alten Bierkrügen aus Porzellan. „Die sammelt heute fast keiner mehr.“ Andererseits: Die Sammler, die es noch gibt, sind bereit, für ein besonderes Stück ein halbes Vermögen auszugeben. Aber so jemanden muss man eben erst einmal kennen.

Auch Fabian Benöhr hat schon vieles gesammelt. Etwa kleine Alltagsgegenstände des Jugendstils. Mittlerweile hat er sich von der Sammlung aber wieder getrennt. „Man darf keine Hemmungen haben, loszulassen und zu verkaufen.“ Ansonsten tue man sich als Antiquitätenhändler schwer. „Du kannst nicht Händler und Sammler in einem sein.“

Der 37-Jährige kann vielen Stilepochen etwas abgewinnen. Ob florale und organische Motive des Jugendstils oder die Schlichtheit der Möbel und Alltagsmassenware aus den 50er Jahren – alles könne aus der entsprechenden Perspektive sehr spannend sein.

Mittlerweile kenne er sich in sehr vielen Bereichen aus. Vor allem bei historischem Spielzeug, Militaria und Schmuck habe er sich viel Wissen angeeignet. Aber auch bei Gemälden oder Skulpturen wisse er Bescheid. „Ich bin breit aufgestellt.“

Wie alles, so unterliegt auch der Antiquitätenmarkt Moden. Vor allem alte Möbel sind heute oft nur noch sehr schwierig an den Mann oder die Frau zu bringen. Die sollten schon fürstlicher Herkunft oder von einem namhaften Handwerker gefertigt sein, sonst werde es „ganz, ganz schwierig“. Bei Möbeln spiele auch immer stark die Region eine Rolle. Denn der Markt und das Interesse seien oft sehr unterschiedlich.

Überraschungen gehören für einen Antiquitätenhändler dazu und machen den Beruf so spannend. „Du weißt nie, was durch die Türe kommt“, sagt Benöhr über die Erfahrungen in seinen beiden Geschäften, in denen er von seinen Kunden immer wieder besondere Stücke präsentiert bekommt. Erst vor kurzem kam eine Dame mit einem Becher aus Russland zu ihm. Der diente viele Jahre als ein Stifthalter im Keller. Die Recherchen von Benöhr ergaben, dass der Becher zur Hochzeit von Zar Nikolaus bei einer Veranstaltung vor Moskau ausgegeben wurde. Wie das gute Stück hierhergekommen ist, bleibt ein Geheimnis.

Die Geschichten hinter den Gegenständen sind genau das, was Fabian Benöhr so fasziniert. Der Familienvater lässt sich gerne von der Vergangenheit mitreißen und taucht in untergegangene Epochen ein. Gerade interessiert er sich besonders für die Zeit von Napoleon und den Beginn der Industrialisierung. Die Antiquitäten helfen ihm bei seinen Zeitreisen. Denn: „Sie sind ein Teil der Geschichte und damit historisch aufgeladen.“