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Stadtgründungsfeier

Mit Mut zu Inklusion und Versöhnung

Im goldenen Glanz des dicht besetzten Ordenssaales und umrahmt von Klängen zwischen Barock und Moderne des Ludwigsburger Sinfonieorchesters fand gestern Abend die Feier zum Gedenken an die Stadtgründung mit Verleihung der Bürgermedaille und anschließendem Empfang in der Ahnengalerie statt.

Oberbürgermeister Werner Spec mit den Trägern der Bürgermedaille, Horst Tögel (links) und Pawel Wessely.Foto: Ramona Theiss
Oberbürgermeister Werner Spec mit den Trägern der Bürgermedaille, Horst Tögel (links) und Pawel Wessely. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. In seiner Ansprache appellierte Oberbürgermeister Werner Spec an mehr Eigenverantwortung jedes Einzelnen sowie an mehr Mut und Entschlossenheit in der Politik. Der OB sprach zum Thema „Dunkle Wolken über der Automobilindustrie, Schülerdemos zum Klimawandel, Brexit zersplittert Europa – verspielen wir die Zukunft?“. Die Bürgermedaillen verlieh Spec an zwei Persönlichkeiten, die er als mutige Beispiele für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft bezeichnete.

Zum einen den 78-jährigen Leiter der Brenzband, Horst Tögel. Der Lehrer kam in den 70er Jahren zur Schule für geistig Behinderte in die Brenzstraße und, wie der OB in seiner Laudatio skizzierte, führten Tögel Schlüsselerlebnisse mit dem Italo-Ludwigsburger Salvatore zur Musik als verbindendes Mittel der Pädagogik und der Persönlichkeitsentwicklung. „Mit der Brenzband hat Horst Tögel spielerisch Menschen mit Behinderung in die Mitte der Gesellschaft, in die Mitte der Herzen geholt", sagte Spec und bezeichnete Tögel als leuchtendes Beispiel, wie die mitunter schwierige Inklusion mit Beharrlichkeit und dem Mut zu ungewöhnlichem Vorgehen vorangebracht werden kann.

Mit Pavel Wessely erhielt außerdem ein Mann die Bürgermedaille, der für Versöhnung und die Aufarbeitung der deutsch-tschechischen Vergangenheit steht. Wessely gilt als Wegbereiter der Städtepartnerschaft mit der tschechischen Stadt Nový Jicin.

Der heute 77-Jährige war von 1994 bis 2002 Bürgermeister und in dieser Funktion besuchte er im Jahre 1995 Ludwigsburg, um an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Frieden nach dem Zweiten Weltkrieg teilzunehmen. „Es war eine Zeit, die noch spürbar von Abneigung und Unversöhnlichkeit zwischen den vertriebenen Deutschen und den Tschechen geprägt war", erinnerte der OB. „Mit seiner tiefen Empathie, seiner überzeugenden Persönlichkeit und seinem aktiven Wunsch nach Versöhnung und Zusammenarbeit gewann Pavel Wessely schnell die Herzen auf beiden Seiten", so Spec weiter. Schon bald keimte bei Wessely die Vision einer Städtepartnerschaft auf, die 2012 geschlossen wurde.

Wessley wünschte der Stadt Ludwigsburg in seinen Dankesworten nicht nur ein Blühendes Barock, sondern auch eine blühende Zukunft mit weiteren weltweit vorbildlichen Städtepartnerschaften. Der im nicht weit von Novy Jicin entfernten tschechischen Brünn geborene Horst Tögel stellte unter Applaus fest, dass Wessely und er wohl im Sandkasten gespielt hätten, wenn sie nicht ein verbrecherisches Regime auseinandergerissen hätte. Sein Wunsch: Dass ihre Enkel künftig als Europäer gemeinsam im Sandkasten spielen.

Info: Ein ausführlicher Bericht zur Festrede des Oberbürgermeisters folgt in der Montagausgabe.

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