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Blühendes Barock

Mittag der langen Messer

Zum Abschluss der Kürbisausstellung werden die Siegerkürbisse der Saison „geschlachtet“

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Vier Tonnen wogen die Riesenkürbisse gemeinsam, deren Fruchtfleisch gestern im Blühenden Barock verteilt wurde.Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. Das Wetter war einfach zu schlecht: Nur 200 Besucher waren gestern beim großen Schlachtfest im Blühenden Barock dabei. Überwiegend Profis, die Interesse an den Samen hatten. „Die Ausbeute war ganz unerwartet erstaunlich gut“, meint Stefan Hinner, Experte von Jucker Farm, die die Kürbisausstellung seit 18 Jahren im Blühenden Barock ausrichtet. Die Kerne seien bereits gut ausgereift gewesen. Und das trotz eines viel zu frühen Herbstanfangs bereits im August. Mit niedrigen Nachttemperaturen, bei denen die Früchte von Wachstum auf Überleben umgeschaltet hätten. „Das macht Hoffnung für das nächste Jahr“, ist er mit dem Ergebnis zufrieden.

Zwölf Monsterkürbissen ging es so an den Kragen. Die acht Metzger trugen überwiegend Gummistiefel und Friesennerz. Der Novembersonntag zeigte sich mit kaltem Wind und Dauerregen von seiner ganz garstigen Seite. Deshalb zum Abschluss der Saison der schwächste Tag einer ansonsten überragenden Besucherbilanz.

Die Samen sind sehr gefragt

Jedes Jahr ist es ein Kürbis-Roulette. Die Größe sagt nämlich noch lange nichts über deren Potenz. Auch dieses Jahr wurden Samen gehandelt, manche an Besucher verschenkt. Nur die prallen Kerne sind dabei viel versprechend. Behutsam müssen die auf Zeitungspapier bei Zimmertemperatur getrocknet werden, bis sie dunkel sind. Sobald sich ein dünnes Häutchen löst, können sie für zwei bis drei Jahre eingelagert werden. Rekordsamen werden in Gold aufgewogen: Ein Samen vom Rekordkürbis von 2014 brachte über 1500 Euro. „Das ist allerdings die Ausnahme“, so Hinner.

Wer nun meint, ebenfalls unter die Züchter zu gehen, der sollte viel Platz haben. Um die 80 Quadratmeter braucht so eine Pflanze. Mit einem Blumentopf ist es also nicht getan. Und ein Kürbis „säuft wie ein Loch“. An heißen Tagen soviel wie eine kleine Kuhherde.

Bei gutem Wetter schleppen normalerweise zehn Mal so viele Besucher das eher geschmacksneutrale Kürbisfleisch des Atlantic Giant in rauen Mengen und in Tüten mit nach Hause. Mit reichlich Gewürzen und Speck wird ihm beim Kochen ein Geschmack regelrecht aufgezwungen. Meist endet er so als sättigende Suppe. Dieses Mal fanden nur rund 100 Kilo – von zusammen etwa vier Tonnen – Kürbisfleisch einen Abnehmer. Obwohl es kostenlos verteilt wurde. Der Rest wandert jetzt auf den Kompost.

Seit 2004 fest im Programm

2004 war die Geburtsstunde des Kürbisschlachtens, erinnert sich Hinner. Damals nahm der Zweitplatzierte Björn Meyer aus Glücksstadt die 700 Kilometer Anfahrt aus Schleswig-Holstein nach Ludwigsburg in Kauf, nur um seine Ernte in Form von Samen einzuholen. Die Besucher seien damals regelrecht über den Kürbis hergefallen und hätten ihn geplündert. Seither gehört die Aktion zum festen Programm der Ausstellung.