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Möglichem Bombenfund folgt Evakuierung

Ludwigsburg ist gerüstet: Sollte heute gegen Mittag eine Bombe im Erdreich gefunden werden, rollt am Samstag ein riesiges Evakuierungsprogramm an. Hier erfahren Sie, was Sie beachten müssen.

Links neben dem Holzheizkraftwerk an der Eisenbahnstraße schlummert möglicherweise eine Fliegerbombe im Erdreich. Foto: Bürkle
Links neben dem Holzheizkraftwerk an der Eisenbahnstraße schlummert möglicherweise eine Fliegerbombe im Erdreich. Foto: Bürkle
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Kaum wird es hell, werden heute die Fachleute vom Kampfmittelräumdienst ans Werk gehen: Neben dem Holzheizkraftwerk an der Eisenbahnstraße wird der metallene Gegenstand in sechs Metern Tiefe freigelegt, vielleicht eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Bestätigt sich der Verdacht, rollt am Samstag die größte Evakuierungsaktion Ludwigsburgs an, die die ganze Stadt betrifft. Entschärft wird voraussichtlich ab 11 Uhr. Einsatzleiter ist Ben Bockemühl, Feuerwehrkommandant sowie Fachbereichsleiter für Bevölkerungsschutz. „Es ist ein großer Aufwand“, gibt er zu, „aber wir sind gut vorbereitet.“ Eingetaktet sind rund 400 Rettungskräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten, hinzu kommen 100 Polizisten. Gleichzeitig sind die ganze Zeit mindestens zwei Drohnen von Feuerwehr und Polizei im Sperrgebiet im Einsatz, auch mit Wärmebildkamera.

Geräumt wird ein Evakuierungsgebiet mit rund 1000 Wohnungen und 3000 Menschen, ab 10 Uhr ist dieses absolutes Sperrgebiet. Darunter sind ein Altenheim und eine Asylunterkunft. Die 66 Senioren kommen teils ins Krankenhaus unter, gehen teils zu Angehörigen oder auch in die Tagespflege des ASB in die Schönbeinstraße. Die Asylbewerber wurden eigens mit Dolmetschern unterrichtet. Die Karte des Sperrgebiets finden Sie unter www.lkz.de (Stichwort Bombe) oder auf unserer Facebookseite. Geräumt wird bei einer 50-Kilo-Bombe im Umkreis von 300 Meter, darüber hat die Sperrzone einen Durchmesser von einem Kilometer.

Ab 8 Uhr fahren Lautsprecherwagen durch die Sperrzone und fordern dazu auf, das Gebiet bis spätestens 9 Uhr zu verlassen. Feuerwehrleute in Begleitung von Polizisten klopfen und klingeln an jeder Tür. Die einfachste Lösung: Wohnung sichern, Ausweis und – wenn nötig – Medikamente mitnehmen und gehen. Wer Hilfe braucht, wendet sich an die Stadt unter (0.71.41) 9.10-22.22 (heute von 8 bis 20 Uhr, morgen von 6 bis 18 Uhr). Auf www.ludwigsburg.de finden sich weitere Informationen. Für Smartphones gibt es die NINA-App vom Bund mit aktuellen Informationen während der Entschärfung. Autos sollten entfernt werden. Die Weihnachtsbaumsammelaktion des CVJM ist für die Südstadt und südliche Weststadt gestrichen – auch wenn keine Bombe zu entschärfen ist. Bäume können gegen eine Spende direkt beim CVJM in der Karlstraße 24 abgegeben werden.

In den Beruflichen Schulen am Römerhügel ist eine offene Notunterkunft eingerichtet, dort ist auch Platz für Haustiere, betreut von der Tierrettung Unterland. Wer Hilfe beim Transport braucht, ruft (0.71.32) 8.59.97.19 an. Die Friedenskirche hat ab 8 Uhr ein Café im Keller eingerichtet, die Museen im Schloss gewähren ab 10 Uhr freien Eintritt.

Busse und Bahnen: Für den Zeitraum der Entschärfung fahren weder S-Bahnen noch Züge. Laut Deutscher Bahn soll es einen Schienenersatzverkehr geben, Näheres wird bekanntgegeben, wenn der Bombenfund gesichert ist. Bei den Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL), die mit ihrem Fuhrpark auf die Bärenwiese ausweichen, kommt es im gesamten Stadtgebiet zu Einschränkungen, weil auch ein Teil des Bahnhofs im Sperrgebiet liegt.

Der normale Fahrplan wird außer Kraft gesetzt: Die Linie 413 fährt nicht in und nach Ludwigsburg, sondern nur in Kornwestheim von Maybach- bis Max-Eyth-Straße. Bus 422 fährt den ZOB nicht an, sondern den Westausgang. Linie 421 fährt bis 12 Uhr normal, dann wird die Linie am ZOB geteilt: Eine Strecke führt von und nach Neckarweihingen, eine andere über Wilhelmstraße und Hindenburgstraße nach Oßweil Süd. Bis 12 Uhr fährt auch Bus 425 normal, dann wird die Linie am ZOB geteilt: aus und nach Oßweil und vom Westausgang Bahnhof nach Eglosheim. Die Linie 427 verkehrt nicht mehr in der Südstadt, ab 12 Uhr in zwei Strecken vom ZOB nach Grünbühl und zum Hohenecker Heilbad. Ab 12 Uhr fährt die Linie 430 vom Westausgang Bahnhof nach Eglosheim, vom ZOB aus nach Poppenweiler. Ab 12 Uhr fährt der Bus 433 vom Westausgang Bahnhof nach Asperg sowie vom ZOB aus nach Poppenweiler. Ist die Bombe entschärft, wird es noch dauern, bis der Verkehr normal fährt. Weitere Infos gibt es auf der Webseite der LVL unter www.lvl-jaeger.de.

Verkehr: Im Sperrgebiet sind spätestens ab 10 Uhr auch Teile der Friedrichstraße und die Keplerstraße gesperrt, von Norden aus kann die Salonallee nicht angefahren werden. Die Stuttgarter Straße (B.27) ist dagegen frei.

Chef des Teams vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes ist Mathias Peterle. Der 39-Jährige rechnet mit einer Entschärfungszeit von 30 Minuten bis einer Stunde, wenn alles normal läuft. Wir berichten heute wie am Samstag aktuell online unter www.lkz.de und natürlich in unserer Samstags- und Montagsausgabe.

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