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Müssen Vereinsmitglieder künftig für das Parken Gebühr bezahlen?

Ein fast autofreies Wohngebiet, das ist für Ludwigsburg ganz neu. Die Stadträte haben es jetzt beschlossen – versehen mit einer weiteren Neuerung, die es noch viel mehr in sich hat: Sportler in den angrenzenden Vereinen müssen womöglich fürs Parken zahlen.

Ludwigsburg. Es geht um neue Wohnungen und den Ausbau von Ludwigsburgs größtem Sportareal. Die politische Debatte wird aber vor allem von einer Frage dominiert: Wie soll man in diesem Gebiet beim Ludwig-Jahn-Stadion an der Fuchshofstraße mit dem Autoverkehr umgehen?

Die Antworten fallen kontrovers aus. Es gab diese Woche bei einer Diskussion der Stadträte am Ende zwar eine Entscheidung, dass mehr Parkplätze entstehen sollen als zunächst von der Stadtverwaltung vorgesehen. Aber es ist absehbar: Das war noch lange nicht das letzte Wort. Sowohl aus Teilen der Politik als auch aus dem Sport bleiben Stimmen, die noch immer das Parkchaos befürchten und darauf drängen, dass nachgebessert wird.

Ausgangspunkt ist ein Neubaugebiet an der Fuchshofstraße für über 1200 Menschen. Recht deutlich war am Donnerstag im Ausschuss für Stadtentwicklung und Hochbau eine Mehrheit der Stadträte dafür, dass es auf den Wegen zu den Wohnungen so gut wie keine Autos geben soll. Parken geht nur in sogenannten Quartiersgaragen am Rand des Wohngebiets. Zum Ein- und Ausladen darf man zwar vor die Haustür fahren, aber eben nur kurz, Parken soll tabu sein.

Und jede fünfte Wohnung soll ganz ohne Stellplatz und Auto auskommen. Das sind weniger solcher Wohnungen als zunächst geplant, dies auf Drängen vor allem von Freien Wählern (FW) und FDP. Die FW stimmte dann auch zu, weil zudem im Umfeld des Wohngebiets zusätzliche Parkplätze für den Sport und eine neue Grundschule entstehen sollen – wenn es auch nicht so viele sind, wie gewollt. Die FDP dagegen lehnte ab. Sie hält ein Verkehrsgutachten, auf dem die Parkplatzzahlen für den Sport basieren, für geschönt und befürchtet erheblichen Ausweichverkehr im benachbarten Oßweil.

Die CDU sagte „Nein“ zur gesamten Planung. Sie fordert für jede Wohnung eineinhalb Stellplätze, also nicht nur die jetzt beschlossene Quote von 0,8. Und sie will auch deutlich mehr Parkplätze für den Sport.

Die Grünen, SPD und Lubu stimmten wie die Freien Wähler zu. Während Grüne und Lubu auch mit weniger als den jetzt beschlossenen Stellplätzen hätten leben können, sagte die SPD „Ja“, weil beim Gelände des Hockeyclubs 50 Stellplätze erhalten bleiben, welche die Planer im Rathaus eigentlich streichen wollten.

Im Vorfeld der Beratungen hatten Stadträte und städtische Planer noch einen sorgenvollen Brief aus dem Sport erhalten. Viel zu wenig Parkplätze, so warnten der Hockeyclub, der MTV Ludwigsburg und der Stadtverband für Sport.

Schon heute sei das Gebiet regelmäßig vollkommen zugeparkt, bis weit in die Niedersachsenstraße in Oßweil hinein. Jetzt werde zwar eine große Quartiersgarage neu gebaut, die neben Stellplätzen für Wohnungen auch 130 Parkplätze für den Sport bietet. Das ersetze aber nur die Fuchshofstraße, wo alle 120 bestehenden Parkplätze wegfallen sollen. Und der Erhalt der 50 Stellplätze beim Hockeyclub sei für diesen Bereich des Wohn- und Sportareals noch immer zu wenig.

Noch gar nicht vorstellen kann man sich im Lager der Sportler was passiert, wenn künftig die Vereinsmitglieder genauso wie Besucher des Wohngebiets womöglich Parkgebühren zahlen sollen. Für die Stadtverwaltung ist jedenfalls klar, dass die Parkplätze im gesamten Areal bis in die angrenzenden Wohngebiete hinein bewirtschaftet werden müssen. Sonst könne das gesamte Konstrukt mit Wohnen und Sport nicht funktionieren, heißt es. Die Folge: Wer als Vereinsmitglied ins Training oder zum Spiel kommt, muss Parkgebühren bezahlen.

Der Gemeinderat könne die Vereine per Beschluss davon befreien, heißt es im Rathaus. Wie das bei tausenden Mitgliedern praktisch umgesetzt werden soll, ist aber völlig unklar. So ist absehbar, dass sowohl für Vereine als auch für CDU, Freie Wähler und FDP das letze Wort noch lange nicht gesprochen ist.

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