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Kreisimpfzentrum

Nach 230.000 Impfungen ist Schluss im Kreisimpfzentrum

Wenn das Kreisimpfzentrum (KIZ) in der Ludwigsburger Weststadt am 30. September wie alle Impfzentren im Land seine Tore schließt, wird es 251 Tage lang in Betrieb gewesen sein. Knapp 13 Millionen Euro hat der Betrieb der zwei Impfzentren an einem Standort gekostet. Landrat Dietmar Allgaier ist stolz auf die Leistung des kommunalen Krisenmanagements. Doch ganz zufrieden zeigte er sich anlässlich der Bilanzpressekonferenz trotzdem nicht.

In dieser Halle in der Weststadt war das Kreisimpfzentrum vom 22. Januar an untergebracht. Jetzt wird abgebaut. Die letzten Impfungen im KIZ finden noch bis zum 30. September statt – dann allerdings in Bürocontainern an der Halle, so Andy Dorroch.
In dieser Halle in der Weststadt war das Kreisimpfzentrum vom 22. Januar an untergebracht. Jetzt wird abgebaut. Die letzten Impfungen im KIZ finden noch bis zum 30. September statt – dann allerdings in Bürocontainern an der Halle, so Andy Dorroch. Foto: Holm Wolschendorf
230 000 Impfungen gegen das Coronavirus wurden verabreicht.
230 000 Impfungen gegen das Coronavirus wurden verabreicht.
Zum 30. September wird das Kreisimpfzentrum geschlossen. Landrat Dietmar Allgaier, Andy Dorroch (Leitung KIZ), Dr. Roland Kolepke (medizinischer Leiter) und Dr. Carola Maitra (Vorsitzende der Kreisärzteschaft)blickten bei der Bilanzpressekonferenz au
Zum 30. September wird das Kreisimpfzentrum geschlossen. Landrat Dietmar Allgaier, Andy Dorroch (Leitung KIZ), Dr. Roland Kolepke (medizinischer Leiter) und Dr. Carola Maitra (Vorsitzende der Kreisärzteschaft)blickten bei der Bilanzpressekonferenz auf die vergangenen Monate zurück und erklärten, wie es mit den Corona-Impfungen weitergehen soll. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir zum 30. September eine höhere Impfquote vorweisen können“, gestand Landrat Dietmar Allgaier mit Blick auf die 63 Prozent vollständig geimpften Einwohner im Kreis Ludwigsburg. Damit liege der Kreis minimal unter dem Landesschnitt, ergänzt Andy Dorroch, Gesamtleitung des KIZ.

Das Angebot des Kreisimpfzentrums sei gut gewesen, auch wenn gerade am Anfang der Impfstoff wie überall im Land ein knappes Gut war. „Der Druck war enorm“, erinnerte sich Allgaier anlässlich der Pressekonferenz an die Anfangszeit des KIZ. Am 22. Januar wurden zum Start 74 Impfdosen Biontech verimpft, mit dem steigenden Angebot an Impfstoff konnte der Durchlauf deutlich erhöht werden. „Im Durchschnitt hatten wir täglich 915 Impfungen, unter Vollauslastung wären rund 2000 Impfungen täglich möglich gewesen“, so Andy Dorroch. Das KIZ sei trotzdem wirtschaftlich gewesen: Das Gesamtbudget des Landes sei sogar um 32 Prozent unterschritten worden, wie Dorroch stolz berichtet.

„Auch wenn die Kreisimpfzentren nicht mehr zur Verfügung stehen, ist es wichtig, dass Impfwillige weiterhin leichten Zugang zu Impfangeboten erhalten“, das machte Dr. Roland Kolepke, medizinischer Leiter des KIZ, deutlich. Personen, deren Zweitimpfung ab dem 1. Oktober ansteht, sollten sich möglichst schnell um Impftermine bei ihren Hausärzten kümmern, so der Experte. Wer keinen Hausarzt hat, kann sich an eine der Corona-Schwerpunktpraxen wenden. In Ludwigsburg ist das in der Praxis von Dr. Kolepke und Kollegen möglich (Terminbuchung über www.mvz-kolepke.de).

Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Kreisärzteschaft, ist überzeugt: „Die Ärzteschaft des Landkreises ist auch nach Schließung der KIZ mit den geschaffenen Strukturen gut aufgestellt, die noch ausstehenden Impfungen durchzuführen.“ Eine Besonderheit gibt es zu beachten: Wer im KIZ den Impfstoff Moderna erhalten habe, soll sich zur Zweitimpfung an die Praxis von Dr. Kolepke (Ludwigsburg), Dr. Spohr (Vaihingen) oder Dr. Frenzel (Großbottwar) wenden, so Maitra, da Moderna nur dort verfügbar sei.

Ganz ohne Termin zum Impfen zu gehen, wie dies aktuell noch im KIZ möglich ist – dieses tägliche Angebot wird es in Zukunft nicht mehr geben. Dabei zeigen die Zahlen des KIZ, dass die spontanen Impfungen ohne Termin inzwischen einen großen Teil ausmachen. „Es ist eine Entscheidung des Landes, die Impfzentren zu schließen“, so Allgaier. Er vermutet, dass diese Entscheidung nicht unbedingt zur Erhöhung der Impfbereitschaft beitragen werde. Aber: Der Kreis werde weiterhin auch ein mobiles Impfteam ins Rennen schicken, um beispielsweise Impfaktionen an Schulen zu veranstalten.

„Ganz aufhören tun wir nicht“, versicherte Andy Dorroch. Flexible Impfangebote wie zuletzt an einem Dienstag vor dem Eishockey-Spiel der Bietigheimer Steelers werden immer wieder gut angenommen. Dort konnten spontan 47 Impflinge gefunden werden. In die grundsätzlich sehr positive Bilanz mischten sich auch nachdenkliche Töne. Dietmar Allgaier vermutete, dass der Wissenstransfer über Corona und das Impfen nicht in allen Bereichen geglückt sei. Die hohe Hospitalisierungsquote von Menschen mit Migrationshintergrund lasse vermuten, dass nicht alle Informationen die Sprachbarriere überwinden konnten. Allgaier hofft, dass es eine landesweite Evaluation des Krisenmanagements geben wird. Denn, so Dorroch: „Es wird vermutlich nicht die letzte Pandemie gewesen sein.“

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