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Soziales
Nach Corona neue Impulse für das Ehrenamt

Viele Gespräche mit Interessierten gibt es an den Infoständen der sozialen Organisationen. Fotos: Andreas Becker
Viele Gespräche mit Interessierten gibt es an den Infoständen der sozialen Organisationen. Fotos: Andreas Becker
Straße der Pavillons bei der Ehrenamtsmesse auf dem Rathaushof.
Straße der Pavillons bei der Ehrenamtsmesse auf dem Rathaushof.
Fast 30 Institutionen, Vereine und Initiativen haben auf dem Ludwigsburger Rathausplatz über die vielfältigen Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements im sozialen Bereich informiert. Die Akteure hoffen auf einen Neustart, denn in der Coronapandemie hat auch das Ehrenamt Federn gelassen.

Ludwigsburg. „In einer Bürgergemeinschaft wie Ludwigsburg brauchen wir ehrenamtliches Engagement in Einrichtungen, Initiativen und Vereinen“, betont Sabine Schmidt-Kotzur, Sprecherin des Freiwilligenforums Ludwigsburg, als sie am Freitagnachmittag auf dem Rathausplatz die Ehrenamtsmesse eröffnet. Das Freiwilligenforum, eine gemeinsame Initiative von Kirchen, Diakonie und Caritas, bietet mit den Messe den Akteuren aus dem sozialen Bereich zum dritten Mal die Möglichkeit, der Öffentlichkeit die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamtliche im sozialen Bereich vorzustellen.

Das Angebot findet großes Interesse. Die Besucher können sich an 27 Ständen informieren, das sind mehr als bei den ersten beiden Messen. Organisatorin Schmidt-Kotzur hofft, dass von der Veranstaltung ein Signal ausgeht. „In der Coronakrise gab es überall Einbrüche im Ehrenamt. Heute setzen wir ein Zeichen, dass es mit dem bürgerschaftlichen Engagement weitergeht.“

Tatsächlich macht sich auf der Ehrenamtsmesse Aufbruchstimmung breit. Fast scheint es, als hätte sogar der Wettergott ein Herz für das Ehrenamt. Der Spätsommer steht am ersten Oktobertag noch einmal in voller Blüte, bei strahlendem Sonnenschein kommen zahlreiche Besucher an den verschiedenen Ständen in Kontakt mit Vertretern von Ludwigstafel, Kinderschutzbund, Deutschem Roten Kreuz (DRK), Karlshöhe und vielen anderen Institutionen.

Der Bedarf an ehrenamtlichen Mitarbeitern ist groß. Ein Beispiel: In der Pandemie seien zwar alle Freiwilligen des Freundeskreises von Haus Edelberg bei der Stange geblieben, erzählt Franziska Kubat, die das Senioren-Zentrum im Schlösslesfeld leitet. Auch als die Einrichtung im vergangenen Jahr monatelang geschlossen war, hielten die Mitarbeiter den Kontakt zu den Helfern aufrecht, die sich sonst Zeit für Gespräche oder Spaziergänge mit den Bewohnern genommen hatten. Allerdings arbeiten im Freundeskreis nur ein halbes Dutzend Freiwillige. „Wir freuen uns über jeden Einzelnen, der sich bei uns ehrenamtlich einbringen will“, betont Kubat.

Eine neue Initiative ist „Jugend holt auf“, ein gemeinsames Projekt von Karlshöhe und Caritas. „Wir wollen Jugendliche aus dem Landkreis Ludwigsburg mit Angeboten im schulischen und im Freizeitbereich dabei unterstützen, die Folgen der Coronakrise aufzuarbeiten“, erklärt die hauptamtliche Projektleiterin Jule Knuth. „Nach den Herbstferien wollen wir richtig loslegen, dafür brauchen wir ehrenamtliche Helfer.“

Über noch mehr Helferinnen und Helfer würde sich auch der Betreuungsverein für den Landkreis Ludwigsburg freuen. Sozialpädagogin Elke Gahlen koordiniert die Ehrenamtlichen. Diese übernehmen nach Schulungen die rechtliche Betreuung von Menschen, die beispielsweise wegen einer psychischen Erkrankung nicht in der Lage sind, wichtige Angelegenheiten wie die Einwilligung in ärztliche Maßnahmen, die Suche nach einem Heimplatz oder die Verwaltung des eigenen Haushalts selbst zu regeln.

Für diese Tätigkeit seien keine juristischen Vorkenntnisse erforderlich, erläutert Gehlen. „Das kann jeder machen, der seine eigenen Angelegenheiten im Griff hat.“ Am 17. November wird der Betreuungsverein bei einer Infoveranstaltung im Hans-Klenk-Haus interessierte Neueinsteiger über diese ehrenamtliche Tätigkeit erneut informieren.

Die Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe sei traditionell ein „Krisenehrenamt“, sagt Martha Albinger von der Ökumenischen Fachstelle Asyl. Das habe sich etwa nach den Übergriffen auf der Kölner Domplatte in der Silvesternacht 2015 gezeigt. „Mitte 2015 hatten wir eine hohe Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement, nach Köln hat sich die Stimmung dann gedreht.“

Wer sich weiter für die Integration von Asylbewerbern einsetze, habe häufig negative Erfahrungen machen müssen. „Ehrenamtliche haben erlebt, dass Menschen, zu denen sie eine Beziehung aufgebaut hatten, abgeschoben wurden“, so Albinger. „Das war für viele sehr frustrierend.“ Dann sei die Coronakrise zu einer weiteren Belastung geworden, „die Freiwilligen konnten die Unterkünfte ja lange nicht besuchen“.

Albinger ist trotz aller Probleme überzeugt, dass die Flüchtlingshilfe im Landkreis Ludwigsburg auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten kann. Einige kleinere der einstmals 52 Asylarbeitskreise hätten sich in der Pandemie zwar aufgelöst. „Aber wir haben im Landkreis gewachsene Strukturen, auf die wir jetzt wieder aufbauen können.“