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Soziales

Neuer Service: Die Tafel bringt’s

Die Ludwigstafel schlägt ein neues Kapitel auf: Ab 1. August liefert sie in Kooperation mit dem Kreisdiakonieverband Lebensmittel auch nach Hause. Gedacht ist das Angebot für ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität.

Zum 1. August startet der Lieferdienst. Anne Schneider-Müller (Tafel-Geschäftsführerin, links), Thomas Haußmann (Koordinator für die Bestellungen) und Julia Ströbele (Kreisdiakonieverband Ludwigsburg) stehen in den Startlöchern. Foto: Ramona Theiss
Zum 1. August startet der Lieferdienst. Anne Schneider-Müller (Tafel-Geschäftsführerin, links), Thomas Haußmann (Koordinator für die Bestellungen) und Julia Ströbele (Kreisdiakonieverband Ludwigsburg) stehen in den Startlöchern. Foto: Ramona Theiss

Die Idee geht der Ludwigstafel-Geschäftsführerin Anne Schneider-Müller schon lange im Kopf herum. Denn obwohl der Tafelladen in der Ludwigsburger Saarstraße 25 nur 300 Meter vom Westausgang des Bahnhofs entfernt liegt, ist er für viele Menschen unerreichbar.

„Mir ist schon immer aufgefallen, dass die Älteren, die Rentner, und solche, die nicht so gut zu Fuß sind, in unserem Kundenkreis fehlen“, sagt Schneider-Müller. Diese sollen mit dem neuen Angebot erreicht werden. Kunden können ihren Einkaufszettel per Telefon an die Tafel übermitteln. Zweimal pro Woche kann bestellt werden, die Einkäufe werden dann immer dienstags und donnerstags ausgeliefert.

Fünf Euro soll der Einkauf kosten, damit die Bezahlung bei der Übergabe relativ unproblematisch läuft. Für fünf Euro bekommt man einiges, schließlich werden die gespendeten Lebensmittel und Produkte für den täglichen Verbrauch zu günstigen Preisen verkauft. Ein kleiner Joghurt kostet hier zehn Cent, ein Kohlrabi fünf Cent, 1 Kilo Zucker 30 Cent und Duschgel zwischen 20 und 30 Cent.

Bei Julia Ströbele vom Kreisdiakonieverband ist Schneider-Müller mit der Idee des Lieferservice auf offene Ohren gestoßen. „Wir möchten damit eine Lücke schließen“, sagt Ströbele. Allerdings wolle man keine fahrbare Tafel, also eine Art rollenden Marktstand, auf die Beine stellen, wie es zum Beispiel Heilbronn anbietet.

Das Liefergebiet ist groß. Es reicht von Pleidelsheim bis Schwieberdingen, von Kornwestheim bis Tamm, und natürlich wird auch das Ludwigsburger Stadtgebiet abgedeckt. „Es ist das Gebiet, aus dem unsere Kunden kommen“, sagt die Tafel-Geschäftsführerin. Innerhalb Ludwigsburgs werden die Bestellungen mit einem E-Lastenrad (finanziert über die Bürgerstiftung) ausgefahren, in die Kreiskommunen geht es mit einem aus Spenden finanzierten Transporter.

Die Auslieferung übernehmen zwei Mitarbeiter, die als Langzeitarbeitslose wieder im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen möchten. Für die Annahme der Bestellungen hat die Tafel einem bis dato ehrenamtlichen Mitarbeiter ein Jobangebot gemacht.

Das Angebot soll so niederschwellig wie möglich sein. Auch wer aufgrund einer Erkrankung temporär nicht zur Tafel kommen könne, kann das Angebot wahrnehmen. Immer vorausgesetzt, es liegt eine Bedürftigkeit und Mobilitätseinschränkung vor. „Es gibt auch Menschen mit psychischen Erkrankungen, die es nicht schaffen, zu uns zu kommen“, so Schneider-Müller.

Tafel und Kreisdiakonieverband setzen auf ihr Netzwerk, auf Kirchengemeinden, Pflegedienste und Kommunen, um das neue Angebot publik zu machen. „Und wir erhoffen uns Kontakt zu Menschen, die das Angebot und Hilfesystem bislang noch nicht kennen“, sagt Julia Ströbele. Denn die Coronapandemie habe bei vielen Menschen die Lebensumstände verschlechtert. „Personen, die sich mit drei oder vier Jobs im Niedriglohnsektor über Wasser gehalten haben, denen aber jetzt zwei Jobs weggebrochen sind, schaffen es nicht mehr, aus eigener Kraft über die Runden zu kommen.“

1999 startete die Ludwigstafel mit nur wenigen Kunden pro Tag in der Lindenstraße. Inzwischen ist der Laden in die Saarstraße umgezogen und versorgt pro Woche rund 1600 Personen.

Info: Wer vom Lieferdienst Gebrauch machen möchte, kann seine Bestellung immer montags und mittwochs von 10 bis 14 Uhr unter Telefon (07141) 926473 aufgeben. Das Angebot startet ab August. Darüber hinaus ist der Laden in der Saarstraße 25 montags und donnerstags von 13.30 bis 17 Uhr und dienstags, mittwochs und freitags von 10.30 bis 15.30 Uhr geöffnet.

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