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Unterricht daheim

Noch viel Potenzial nach oben

Die Zeit des coronabedingten Lockdowns an den Schulen ist zunächst einmal vorbei. Dennoch ist das Thema „Unterricht daheim“ keineswegs in Vergessenheit geraten. Der Jugendgemeinderat hat an den weiterführenden Schulen in Ludwigsburg eine Umfrage zu den Erfahrungen der Schüler mit dem „Homeschooling“ gestartet und nun die Ergebnisse präsentiert.

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Keine Schüler, keine Lehrer – viele Wochen lang waren die Schulgebäude wegen der Coronapandemie leer, an eine Rückkehr war zunächst nicht zu denken. Erst nach den Sommerferien kehrte nach und nach wieder Leben in die Schulen ein, wenn auch unter speziellen Bedingungen. Die Zeit des Homeschoolings, also des Lernens von zu Hause, bleibt vielen Schülern und Lehrern aber im Gedächtnis. Denn nicht immer lief alles rund, die coronabedingten Schulschließungen machten mit Nachdruck deutlich, dass eine Digitalisierung auch im Schulwesen unumgänglich ist.

Wie waren die Erfahrungen beim Unterricht daheim? Vom 7. Juli bis zum 4. August hat der Jugendgemeinderat eine Umfrage unter Schülern der weiterführenden Schulen in Ludwigsburg zu dieser Frage durchgeführt. Die Antworten der immerhin 657 Teilnehmer zeigen, dass es deutliches Potenzial nach oben gibt: Fast 46 Prozent der Schüler gaben an, dass sie in der Zeit des Homeschooling Probleme beim Lernen hatten.

Schüler wünschen sich eine bessere Rückmeldung

Fehlende Erklärungen, Schwierigkeiten beim Erarbeiten neuer Themen, mangelnde Motivation, das unterschiedliche Arbeitsklima zu Hause, zu viele Aufgaben, kein Austausch und eine fehlende Struktur – viele Faktoren bedingen laut Auswertung der Umfrage des Jugendgemeinderates die Probleme des Homeschoolings.

Die Umfrage fand ausschließlich online statt. Der Jugendgemeinderat zählte 512 abgeschlossene und 145 teilweise Beantwortungen. Für die Auswertung wurden alle Antworten berücksichtigt. „Auffällig ist, dass die Beteiligung der Oberstufen gering war“, sagt Jugendgemeinderat Liam Seehaus. Besonders die Schüler der Klassenstufen 5 (24 Prozent), 7 (19 Prozent) und 8 (16 Prozent) beteiligten sich an der Umfrage.

Wie die Auswertung der Umfrage ergibt, hatten 33 Prozent der Teilnehmer in der Zeit des Homeschoolings gar keinen Onlineunterricht. Unter Onlineunterricht fällt in diesem Fall eine Videokonferenz des Lehrers mit den Schülern. 24 Prozent geben an, an einem Tag in der Woche online unterrichtet worden zu sein, 18 Prozent an fünf Tagen. Aufgrund dieser grundverschiedenen Erfahrungen fordert der Jugendgemeinderat jetzt unter anderem einen einheitlichen Einsatz der Lehrkräfte. Viele Lehrer, so wird berichtet, haben in der Zeit des Homeschoolings einiges getan, um den Unterricht so gut es geht aufrechtzuerhalten. Viele allerdings auch nicht.

Große Unterschiede zeigt die Umfrage auch bei den Schülern, etwa beim Blick auf die Zeit, die pro Tag für das Lernen daheim aufgewendet wurde. 26 Prozent der Befragten geben an, drei Stunden am Tag gelernt zu haben. Weitere 26 Prozent zwei Stunden am Tag, 20 Prozent vier Stunden am Tag, 13 Prozent fünf Stunden am Tag, zehn Prozent nur eine Stunde am Tag und vier Prozent weniger als eine Stunde am Tag.

Die Lernaufgaben erhielten 474 der insgesamt 657 teilnehmenden Schüler dabei meist über eine Internetplattform wie Moodle oder Microsoft Teams. 323 bekamen die Aufgaben per Mail zugeschickt. Beide Wege wurden von den meisten Schülern auch genutzt, um die Aufgaben wieder abzugeben.

59 Prozent der Jugendlichen geben allerdings an, dass die abgegebenen Aufgaben nur ab und zu kontrolliert wurden. Bei 25 Prozent fand eine regelmäßige Kontrolle statt und acht Prozent sagen, dass ihre Aufgaben nicht kontrolliert wurden. Auch deshalb ist es dem Jugendgemeinderat wichtig, dass, wenn es zu einem zweiten Lockdown an den Schulen kommen sollte, Lehrer vermehrt qualitative Rückmeldungen geben. Ebenfalls regt der Jugendgemeinderat in diesem Zusammenhang Fortbildungen und Schulungen zum Umgang mit den Onlineangeboten für Lehrer an, damit alle Lehrkräfte auf dem gleichen Stand sind.

Jugendgemeinderat wünscht einheitliches Onlinekonzept

Die befragten Schüler fordern neben einer besseren Rückmeldung seitens der Lehrer (26 Prozent) auch eine bessere Kommunikation und damit verbunden mehr Absprachen (24 Prozent). Mehr Unterstützung (17 Prozent) und eindeutigere Arbeitsaufträge (12 Prozent) stehen ebenfalls auf der Wunschliste der Schüler. In der Zeit des Lockdowns haben viele der teilnehmenden Schüler den Präsenzunterricht vermisst (18 Prozent). 29 Prozent fehlten zudem die Kontakte mit Freunden, 19 Prozent die sozialen Kontakte allgemein. Auch den Kontakt zu den Lehrern vermissten 15 Prozent der befragten Schüler.

Auf Grundlage dieser Umfrage regt der Jugendgemeinderat für die Zukunft nicht nur die Nutzung einheitlicher, digitaler Tools an, sondern wünscht sich auch ein Onlinekonzept an jeder Schule. Durch konsequent durchgeführten Onlineunterricht müsse eine Routine für Schüler und Lehrer geschaffen werden. Der für die Umfrage zuständige Arbeitskreis des Jugendgemeinderates möchte die Ergebnisse außerdem auch dem Schulbeirat der Stadt zukommen lassen, damit die Erfahrungen auch dort Gehör finden.

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