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Waldäcker III

Nochmal Streit um Gewerbegebiet

Grüne wollen Rodung der ehemaligen Kleingartenanlage Frommannkaserne stoppen und ernten Widerstand

Verfallene Gartenhäuschen und Reste der einstigen Bepflanzung: So sieht die ehemalige Kleingartenanlage im Westen der Stadt aktuell aus. Foto: Ramona Theiss
Verfallene Gartenhäuschen und Reste der einstigen Bepflanzung: So sieht die ehemalige Kleingartenanlage im Westen der Stadt aktuell aus. Foto: Ramona Theiss
So könnte an der Schwieberdinger Straße eine Bebauung zum Gewerbepark laut Plänen der Stadt aussehen. Grafik: Stadt Ludwigsburg
So könnte an der Schwieberdinger Straße eine Bebauung zum Gewerbepark laut Plänen der Stadt aussehen. Foto: Stadt Ludwigsburg

In der ehemaligen Kleingartenanlage vollends die Hütten und restliche Vegetation abräumen und damit das künftige Gewerbegebiet Waldäcker III baureif machen – die Vergabe eines entsprechenden Auftrags schien im Gemeinderatsausschuss für Technik und Umwelt nur Formsache. So wollten Bürgermeister Michael Ilk und Ulrike Schmidtgen, Leiterin des Fachbereichs Tiefbau und Grünflächen, das Thema schnell durchwinken. Doch die Stadtverwaltung hatte die Rechnung ohne die Grünen gemacht.

„Wir haben damals nur zugestimmt, weil eine Firma konkret Interesse gezeigt hat, dort zui bauen“, erklärte Christine Knoß (Grüne). Nun sei diese aber abgesprungen. „Warum sollte man jetzt die Grünfläche kaputt machen?“ Eine Frage, mit der sie die Vergabe des Abräum-Auftrags stoppen wollte. Bei der Firma handelt es sich um die Jetter AG. Wie gestern berichtet, wird das Unternehmen seinen Hauptsitz von Neckarweihingen nach Marbach verlagern. Die Stadtverwaltung bestätigte auf Anfrage der LKZ, dass Jetter Interesse am neuen Gewerbegebiet gezeigt hatte. Anfang September habe das Unternehmen der Stadt dann aber abgesagt. „Waldäcker III war für uns keine adäquate Alternative“, sagt Jochen Weyershäuser, der Sprecher von Jetter. In Marbach sei im Gegensatz zu Ludwigsburg das Grundstück bereits erschlossen, eine Umsiedlung gehe also deutlich schneller.

Für die Grünen im Gemeinderat ist der Rückzug von Jetter Grund genug, sich die Rodung nochmals zu überlegen. „Das wäre schon fast eine Sünde“, so Christine Knoß. Die Stadträte der anderen Fraktionen zeigten jedoch kein Verständnis für diesen Vorschlag. „Vielleicht gibt es hier ja einen Goldesel, den ich noch nicht entdeckt habe“, so etwa Andreas Rothacker (Freie Wähler). Die Stadt müsse sich derzeit sowieso überlegen, wo sie Steuern herbekomme. Eine der wenigen Flächen, die als Gewerbegebiet geeignet sind, nun brachliegen zu lassen, mache keinen Sinn. „Wir können uns natürlich auch überlegen, wie wir mit einer grünen Wiese Geld machen könnten“, so Rothacker.

Auch Margit Liepins (SPD) überraschte der Vorschlag der Grünen. „Jahrzehntelang hat man über die Verlegung der Kleingärten diskutiert, jetzt sollte auch schnell Gewerbe angesiedelt werden.“ Die FDP hatte sich bei diesen Diskussionen für den Erhalt der Kleingärten ausgesprochen – ohne Erfolg. „Jetzt werden wir dem Antrag zustimmen, weil dort etwas entstehen soll“, so Stadtrat Johann Heer.

„Ich habe eine dringende Bitte: Das Gelände nicht fünf, sechs Jahre brachliegen lassen, sondern rasch der Bebauung zuführen, damit wir Arbeitsplätze und Steuereinnahmen haben“, so auch Klaus Herrmann (CDU). Wenn man jetzt noch länger warte, werde womöglich wieder ein Tier gefunden, das eine Bebauung verhindert, befürchtet er. „Ich habe gehört, dass es genügend andere interessierte Unternehmen gibt“, so Herrmann. Das bestätigte Ulrike Schmidtgen. „Wenn wir jetzt nichts machen, sehen die Interessenten, dass nichts passiert“, sagte sie.

„Wir wollen Industrie ja gar nicht vermeiden“, sagte Silke Gericke für die Grünen. Dennoch könne man doch darüber nachdenken, ob eine spätere Rodung Sinn machen würde. „Sonst muss es vielleicht noch eine zweite Rodung geben“, gab die Grünen-Stadträtin zu bedenken. Dem hielt Ulrike Schmidtgen entgegen, dass bei einem Artenschutztest bereits geschaut wurde, welche Tiere sich auf dem Gelände angesiedelt haben. „Wenn wir länger warten, müssen wir einen neuen machen“, so Schmidtgen.

Ob man dann zumindest geschaut habe, inwiefern die großen Obstbäume auf der ehemaligen Kleingartenanlage umgepflanzt werden können, wollte Christine Knoß wissen. „Und konnten die Igel gerettet werden?“ „Die Dinge, die zu retten sind, werden an andere Stellen gebracht“, erklärte Ulrike Schmidtgen, bevor Michael Ilk den Tagesordnungspunkt als abgeschlossen erklärte.

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