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Einzelhandel

Nur noch zwei verkaufsoffene Sonntage

Die Gewerkschaft Verdi treibt die Stadt weiter vor sich her: Statt bisher fünf wird es in Ludwigsburg 2020 nur noch zwei verkaufsoffene Sonntage geben. Außerdem fordern die Stadträte ein Konzept gegen das Verkehrschaos.

Rappelvoll war‘s im Oktober beim Kastanienbeutelfest, hier auf der Wilhelmstraße. Auch auf den Straßen ging nichts mehr.Archivfoto: Wolschendorf
Rappelvoll war‘s im Oktober beim Kastanienbeutelfest, hier auf der Wilhelmstraße. Auch auf den Straßen ging nichts mehr. Foto: Wolschendorf

Früher war es reine Formsache, mittlerweile sind die verkaufsoffenen Sonntage in Ludwigsburg aber ein Politikum. Grund dafür ist Verdi. Die Dienstleistungsgewerkschaft ist schon lange kritisch gegenüber verkaufsoffenen Sonntagen eingestellt. Verdi akzeptiert solche Veranstaltungen nur, wenn sie im Rahmen eines Traditionsfestes stattfinden. Und das sieht die Gewerkschaft in Ludwigsburg nicht gegeben (Infobox).

Gegen die verkaufsoffenen Sonntage im Breuningerland hat Verdi schon geklagt und im Frühjahr vor dem Verwaltungsgerichtshof recht bekommen. Das Einkaufszentrum hat im April letztmals an einem Sonntag seine Türen geöffnet. Für 2020 hat der Manager Jan Tangerding keinen Extraverkauf mehr beantragt. Die Chancen so etwas rechtskonform zu organisieren, sei extrem schwer, sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung.

Das Breuningerland steigt aus

Auch Neckarweihingen ist ausgestiegen. In den vergangenen Jahren hatten zum Kiesranzenfest immer wieder sonntags auch die Läden geöffnet. „2020 wollten sich aber keine Einzelhändler mehr beteiligen“, erklärte Heinz Mayer, der bei der Stadt für Sicherheit und Ordnung zuständig ist, im Verwaltungsausschuss.

Bleiben die beiden verkaufsoffenen Sonntage zum Märzklopfen am 22. März und zum Kastanienbeutelfest am 11. Oktober. Eigentlich dürften die Innenstadthändler pro Jahr drei Termine für die Sonderöffnung beantragen. Aufgrund der Auseinandersetzung mit Verdi – noch ist nicht klar, ob die Gewerkschaft auch gegen die beiden Innenstadttermine klagt – will die Stadt aber kein Risiko eingehen. Schon dieses Jahr hätte zum Natur-Vision Filmfestival ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden sollen. Den haben die Stadt und der Innenstadtverein Luis aber zurückgezogen, weil Verdi mit einer Klage gedroht hat.

In der Beschlussvorlage für das Märzklopfen und das Kastanienbeutelfest hebt die Verwaltung daher auch ganz besonders den Festcharakter der beiden Veranstaltungen hervor. Das Märzklopfen zur Saisoneröffnung des Blühenden Barocks sei ein seit 2004 „traditionell etablierter Termin“ und eine Art Stadtfest zum Frühlingsbeginn. Das Pendant dazu im Herbst ist das Kastanienbeutelfest. Das Wort „Shoptober“, das bislang für den verkaufsoffenen Sonntag zum Kastanienbeutelfest verwendet wurde, taucht hingegen nicht mehr auf.

Die Stadträte im Verwaltungsausschuss haben den beiden Veranstaltungen zugestimmt. Nur bei den Grünen gab es zwei Enthaltungen. Kritisch angemerkt wurde allerdings der Verkehr. Ulrich Bauer (Grüne) warnte davor, sehenden Auges auf das Chaos auf den Straßen zu warten. Er schlug ein Mobilitätskonzept für die verkaufsoffenen Sonntage vor. Auch Edith Klünder von der CDU sieht den Verkehrsinfarkt im Zentrum als ein großes Problem, das man besser in den Griff bekommen müsse – zum Beispiel durch einen kostenlosen Bus an dem Tag.

Andreas Rothacker (Freie Wähler) glaubt nicht, dass man das Verkehrsproblem kurzfristig lösen kann. Vor allem die Schließung der Wilhelmstraße hätte beim Kastanienbeutelfest für Chaos gesorgt, ist er überzeugt. „Das mit dem Verkehr kann so nicht weitergehen“, meinte Daniel O‘Sullivan (SPD). Er sprach sich ebenfalls für das von den Grünen vorgeschlagene Mobilitätskonzept aus.

OB verspricht Mobilitätskonzept

Sebastian Haag (FDP) findet dagegen schade, dass die Stadt nicht alle drei möglichen Termine ausschöpft. Die verkaufsoffenen Sonntage seien ein „exzellentes Aushängeschild der Stadt“.

Oberbürgermeister Matthias Knecht sicherte zu, dass bis Ende Januar ein Mobilitätskonzept für Tage mit Großveranstaltungen stehen soll. Im Gespräch ist dabei auch ein kostenloser ÖPNV.

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