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O Tannenbaum!

Weihnachtsbäume zuhauf: Im ganzen Stadtgebiet wurden ausgediente Bäume wild entsorgt. Trotz abgesagter Sammelaktion hatte sich die Stadt gegen eigene Sammelplätze entschieden. Jetzt werden die Bäume doch abgefahren und der Aufwand ist deutlich größer.

In der Jägerhofallee ist der Grünstreifen zum Ablageplatz umfunktioniert worden.Fotos: Holm Wolschendorf
In der Jägerhofallee ist der Grünstreifen zum Ablageplatz umfunktioniert worden. Foto: Holm Wolschendorf
Am Sammelplatz Spielplatz Rosenackerweg in Eglosheim stapeln sich trotz abgesagter CVJM-Aktion die Bäume.Fotos: Holm Wolschendorf
Am Sammelplatz Spielplatz Rosenackerweg in Eglosheim stapeln sich trotz abgesagter CVJM-Aktion die Bäume. Foto: Holm Wolschendorf
Tatort Kornbeck-/Bührerstraße im Schlösslesfeld: An der Sammelstelle wartet ein ganzer Berg ausgedienter Weihnachtsbäume.Foto: privat
Tatort Kornbeck-/Bührerstraße im Schlösslesfeld: An der Sammelstelle wartet ein ganzer Berg ausgedienter Weihnachtsbäume. Foto: privat
Am Berliner Platz wuchs der Baumberg immer weiter. Nun hat die Stadt ihn beseitigt.Archivfoto: Holm Wolschendorf
Am Berliner Platz wuchs der Baumberg immer weiter. Nun hat die Stadt ihn beseitigt. Foto: Holm Wolschendorf

Stadt Ludwigsburg. „Unsere Technischen Dienste werden ab kommender Woche rumfahren und die Bäume einsammeln.“ Bürgermeister Michael Ilk war nach eigener Aussage „verblüfft“, wie viele Ludwigsburger ihre ausgedienten Weihnachtsbäume am vergangenen Samstag im öffentlichen Raum entsorgt haben. Das aber nicht nur an den üblichen Sammelstellen im Stadtgebiet: Auch wahllos auf Grünstreifen, an Bäumen oder Laternenpfählen haben Bürger ihre alten Tannenbäume abgelegt.

Die sonst übliche Sammelaktion des CVJM war wie berichtet wegen der Coronapandemie abgesagt worden, allerdings erst kurz vor Weihnachten. Während Bietigheim-Bissingen und Marbach jedes Jahr städtische Sammelstellen anbieten, richtete etwa Kornwestheim nach der abgesagten CVJM-Aktion sechs eigene Sammelplätze ein. In der 35000-Einwohner-Stadt wurden rund 5000 Bäume gesammelt, 1000 davon in Pattonville. „Wir sehen das als Bürgerservice“, so die Pressesprecherin.

Die endgültige Absage sei kurz vor Weihnachten so spät gekommen, dass man so etwas nicht hätte vorbereiten können, argumentiert Bürgermeister Ilk. Grundsätzlich sind die Kommunen laut Verwaltung nicht verpflichtet, Sammelstellen einzurichten. Die Stadt hatte die Ludwigsburger aufgefordert, ihre Bäume stattdessen auf den Häckselplatz zu bringen oder in die Biotonne zu verhackstücken. Ihrem Ärger darüber hatten sich viele LKZ-Leser in Zuschriften Luft gemacht. Er wohne in einem 22-Parteien-Haus, schreibt etwa Klaus F. Holler, da sei die Entsorgung in der Biotonne – abgesehen davon, ob jeder eine Säge habe – nicht möglich, schon gar nicht in „nur einer einzigen Biotonne. Soll da erst eine Mieter- beziehungsweise Eigentümerversammlung einberufen werden, um die Entsorgungsreihenfolge zu klären?“ Und „wohin in der Zeit mit den Küchenabfällen?“, fragt er. Leserin Inge Wagner kritisiert die Stadt, dass sie keine eigenen Sammelplätze eingerichtet hat. Auch sie wohnt in einem Mehrfamilienhaus, und: „Viele, auch ältere Mitbürger, haben kein Auto, um zum Häckselplatz zu kommen.“

Den Ärger mit den Laubsäcken, als die Stadt diese aus Spargründen nicht mehr verteilte und damit auch nicht mehr abholte, konnte Michael Ilk nach eigenem Bekennen gut nachvollziehen. Wenn sich aber jemand – zu Fuß oder mit Auto – einen Weihnachtsbaum in die Wohnung hole, sei das etwas anderes als Laub, das einfach da sei und von den Bäumen falle. „Ich finde schon, wenn die Leute sich einen Baum kaufen, können sie ihn nachher nicht einfach irgendwohin werfen.“ Der Großteil der Ludwigsburger, betont er, hätte sich auch an die Regeln gehalten.

Die TDL werden nächste Woche beginnen, die Bäume abzufahren. Allerdings seien die Mitarbeiter durch den Winterdienst sehr eingespannt, so Ilk. „Die ersten sind schon am frühen Morgen um 3 Uhr unterwegs, um Rad- und Gehwege sowie Straßen zu streuen. Da bitte ich um Verständnis.“ Bei der Menge ginge das Einsammeln nur mit Lastwagen und auch Ladekran, so Ilk. Die einzelnen Bäume werden von der Straßenreinigung von Hand eingesammelt.

Der Aufwand sei nun größer, gibt Ilk zu, andererseits seien es auch keine Tausende Bäume wie sonst. „Jetzt ist es halt so“, sagt er gutmütig. Den Begriff Ordnungswidrigkeit, wie ihn die Verwaltung zuletzt bemüht hatte, will er in dem Fall nicht mehr anwenden. „Das werden wir bewältigen.“

INFO: Herumliegende Bäume können gemeldet werden unter www.ludwigsburg.de/maengelmelder oder per Mängelmelder-App (Android und Apple).

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