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Corona-Verordnung
OB Knecht befürwortet kostenpflichtige Schnelltests

Laut Stadt werden derzeit im Ratskeller-Pavillon pro Woche 1450 Menschen getestet, anfangs waren es noch 2590. Fotos: Holm Wolschendorf
Laut Stadt werden derzeit im Ratskeller-Pavillon pro Woche 1450 Menschen getestet, anfangs waren es noch 2590. Fotos: Holm Wolschendorf
Der Testcontainer bei der Bärenwiese bleibt auf jeden Fall bis 30. September, um kurzfristig auf eine ansteigende Nachfrage zu reagieren.
Der Testcontainer bei der Bärenwiese bleibt auf jeden Fall bis 30. September, um kurzfristig auf eine ansteigende Nachfrage zu reagieren.
Ein klares Ja zu kostenpflichtigen Schnelltests ab 11. Oktober: Mittlerweile könne sich jeder impfen lassen, sagt Ludwigsburgs OB Matthias Knecht, und die Kosten damit vermeiden. Deutlich kritischer sieht er die vom Land angekündigte Pflicht zum PCR-Test bei Kulturveranstaltungen oder in Clubs.

„Solange es nicht genügend Impfangebote gab, fand ich es sehr gut, dass der Staat die Kosten für die Schnelltests übernommen hat“, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung. „Jetzt aber haben wir ein Impfangebot, das wir allen Menschen machen.“ Damit sei der Staat nicht mehr verantwortlich, die Lücke auszugleichen. „Das kann nun jeder selbst entscheiden.“ Ab zwölf Jahren könne sich jeder umsonst impfen lassen.

Bund und Länder haben sich geeinigt, die Antigen-Tests kostenpflichtig zu machen. Ein Preis wurde nicht genannt – eine Orientierungshilfe ist jedoch die Erstattung des Bundes für die Anbieter: pro Schnelltest 11,50 Euro, für einen PCR-Test 43 Euro. Wie berichtet, kann Letzterer auch bis zu 180 Euro kosten, je nach gewünschter Schnelligkeit des Ergebnisses.

Die Corona-Landesverordnung, deren genaue Ausarbeitung noch auf sich warten lässt, sieht PCR-Tests beim Besuch von Kulturveranstaltungen innen, aber auch für Gäste in Clubs und Discos vor. OB Knecht sieht bei der Pflicht zu PCR-Tests jedoch „ein großes Fragezeichen“. Nicht alleine der Preis sei diskutabel, auch die Sinnhaftigkeit. Denn jemand, der etwa am Samstag die Schlossfestspiele im Forum besuchen wolle, müsse im Regelfall etwa am Donnerstag den PCR-Test machen, um dann am Samstag auch sicher das Negativ-Ergebnis als „Eintrittskarte“ für das Forum zu haben. Nach zwei bis drei Tagen zwischen Entnahme der Probe und Ergebnis „ist der Test fachlich nicht mehr sicher und aussagekräftig“. Das sei teuer und nicht nachvollziehbar: „Da würde ich es bei Schnelltests lassen.“

Das hat noch einen anderen Grund: „Unsere Kapazitäten sind nicht so groß.“ Möglich sind PCR-Tests zentral am Klinikum (Dr. Kolepke), in Kooperationen mit Ärzten im KIZ (für Schüler) und bei der Awo (vor allem für Erzieherinnen). „Da müssten wir auf jeden Fall noch eine weitere PCR-Stelle einrichten“, so Knecht, und das innerhalb kürzester Zeit. „Das geht alles auch mit Schnelltest.“

Die Kritik von Sozialverbänden, mit den kostenpflichtigen Schnelltests würden finanziell Schwächere benachteiligt, weist Knecht zurück. Natürlich könne man über einen verträglichen Ausgleich für Schnelltests etwa über die LB-Card für Menschen, die nicht geimpft werden könnten, nachdenken. Aber das Impfen sei unabhängig vom sozialen Status kostenlos. Doch Corona habe gelehrt, dass „die Uneinheitlichkeit bei grundlegenden Fragestellungen“ zu mehr Unsicherheit geführt habe. Deswegen ist er auch nicht glücklich über das Ausscheren Tübingens, das seinen Bürgern auch nach dem 11. Oktober kostenlose Schnelltests anbieten will. „Da wird dann gleich wieder in gut und böse eingeteilt.“ Knecht ist im Landkreis in guter Gesellschaft – wie berichtet, will keine Kommune für die Kosten aufkommen.

Dabei gehe es um die Frage, wie eine solidarische Gesellschaft mit solch einer Bedrohung für die Gesundheit umgehe. So sei es nachvollziehbar, den Schnelltest gegen Euro als „eine mittelbare Impfpflicht“ zu bezeichnen. „Wie weit schränken wir damit die Freiheitsrechte ein?“ Die Antwort kommt schnell: „Der Staat ist verpflichtet, für den Gesundheitsschutz zu sorgen.“ Das hohe Risiko, das durch das Coronavirus ausgehe, sei ein Argument dafür, „aber ich sehe die Debatte als angemessen“. Diese habe man geführt und führe man noch mit Berufsgruppen wie Pflegern oder pädagogischem Personal. „Das ist eine offene Diskussion.“

Während Knecht die Gefahr für gering hält, dass sich mit kostenpflichtigen Schnelltests „um die zehn Euro“ die Betrugsfälle häufen, ist die Stadt vorbereitet darauf, die Schnellteststationen hochzufahren. Am Ratskeller könnten mit dem Betreiber KME schnell wieder zwei Bahnen gebildet werden und die Teststelle am Forum hochgefahren werden. Ungeklärt ist auch, ob es weiterhin gilt, dass Besucher sich unter Aufsicht an einer schnelltestpflichtigen Stelle selbst testen können und sich dort eine Bescheinigung unterschreiben lassen können.

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„Alle, die sich impfen lassen können, dies jedoch nicht getan haben, sollten ab Herbst für die Tests bezahlen.“

Matthias Knecht
OB, zu den kostenpflichtigen Antigen-Tests