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Oststadt-Lidl

OB Knecht will die Wogen glätten

Der Unmut in der Oststadt ist groß. Der geplante Lidl-Neubau bereitet vielen Nachbarn weiter große Sorge. Gestern hat sich Oberbürgermeister Matthias Knecht den Anwohnern gestellt. Allzu hohe Erwartungen wollte er aber nicht wecken.

Oststadt: Treffen mit dem OB Matthias Knecht (ganz rechts) und Stadtplaner Martin Kurt (daneben).Foto: Ramona Theiss
Oststadt: Treffen mit dem OB Matthias Knecht (ganz rechts) und Stadtplaner Martin Kurt (daneben). Foto: Ramona Theiss
So sieht der Neubau in einer ersten Planung von Lidl aus.Grafik: Lidl
So sieht der Neubau in einer ersten Planung von Lidl aus. Foto: Lidl

Den Treffpunkt hat sich die Interessengemeinschaft „Grüner Lidl“ ganz bewusst ausgesucht. „Seit über 100 Jahren steht diese alte Linde hier. Auch sie wird den Erweiterungsbau nicht überleben“, so Dr. Thomas Kauth zur Begrüßung. Die Interessengemeinschaft hatte gestern Abend an die Ecke Hindenburg-/ Max-Elsas-Straße unter die alte Linde geladen, um gemeinsam mit OB Knecht und dem Stadtplaner Martin Kurt über die aktuellen Pläne von Lidl zu sprechen.

Das Unternehmen plant schon seit einigen Jahren, seine Filiale in der Oststadt abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Der soll eine Tiefgarage, ein offenes Parkdeck und einen vergrößerten Markt im ersten Stock erhalten. Auf dem Dach und im rückwärtigen Bereich an der Steubenstraße sind Wohnungen eingeplant (Grafik). Nach langwierigen Diskussionen (Infobox) hat der Gemeinderat im vergangenen Herbst der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens zugestimmt.

Ein neues Marstall-Center?

„Wir machen uns große Sorgen, dass dieser Lidl das Gesicht der Oststadt dauerhaft verändert“, so Kauth. Die Interessengemeinschaft bemängelt vor allem die Höhe des Gebäudes – bisher ist von knapp 15 Metern die Rede – und den zu erwartenden Mehrverkehr durch den vergrößerten Verkaufsmarkt. „So einen großen Lidl brauchen wir nicht.“ Die Nahversorgung in der Oststadt sei gut, findet Kauth.

Knecht äußerte Verständnis für die Sorgen der Anwohner und der Interessengemeinschaft. Der Gemeinderat habe es sich nicht einfach gemacht. Aber Wohnungen und Gewerbe seien wichtige Themen, für die er auch als OB angetreten sei, so Knecht. Und beides – der Bau neuer Wohnungen und Investitionen eines Unternehmens – ließen sich an dem Standort von Lidl in der Oststadt verwirklichen. „Ich möchte bei Ihnen nicht zu hohe Erwartungen wecken“, sagte daher der OB, der im Gemeinderat selbst für den Lidl-Neubau gestimmt hatte.

Laut Stadtplaner Martin Kurt stehe die Planung immer noch am Anfang und die Verwaltung werde auf jeden Fall darauf achten, dass die Höhe von 15 Metern nicht überschritten werde. Die Befürchtungen der Anwohner – knapp 70 waren trotz Regen gekommen – gehen in unterschiedliche Richtungen. Schon jetzt seien die Straßen im Viertel zu den Stoßzeiten überlastet, wurde die Verkehrssituation bemängelt. Ein Herr brachte den Vergleich mit dem Marstall-Center und forderte dazu auf, das Stadtbild zu schützen. Andere Stimmen empfinden das bisherige Planungsverfahren als intransparent.

Lieferverkehr schon jetzt ein Problem

In diese Richtung geht auch die Kritik der IG: Verwirrende Vorlagen, nicht-öffentliche Sitzungen, veränderte Pläne und wechselnde Höhenangaben, kritisierten etwa Eike Sautter und Günter Butschbacher von der IG. Ein weiterer Anwohner forderte eine 3-D-Visualisierung des kompletten Bauvorhabens, damit sich alle ein Bild davon machen könnten. Die IG sorgte mit einem Luftballon, der an einer 15 Meter langen Schnur hing, schon gestern für eine Visualisierung der künftigen Gebäudehöhe. Als nachhaltige Stadt müsse sich Ludwigsburg auch an dieser Stelle für mehr Grün einsetzen, so eine Oststadt-Bewohnerin. Eine andere ärgert sich über den Lärm der anliefernden Lkw, der in Zukunft wohl noch schlimmer werde.

OB Knecht notierte sich alle Anregungen und Kritikpunkte und versprach den Anwohnern zumindest eine „Lösung nicht gegen Sie“. Das Ergebnis werde am Ende wahrscheinlich nicht allen gefallen, aber auf keinen Fall werde die Stadt zulassen, dass Lidl einfach einen Block auf das Grundstück stelle. Dass der Markt am Ende doch noch ins Erdgeschoss komme, und das Bauwerk damit niedriger werde, könne er nicht versprechen, „das wäre unseriös“, so Knecht. Er legte allen Anwohnern nahe, die bis Ende des Monats im Bürgerbüro Bauen ausliegenden Planungsunterlagen einzusehen und schriftlich oder mündlich zu kommentieren.

„Wir werden dranbleiben. Wir wollen nicht, dass Lidl uns einen Stempel aufdrückt“, schloss Kauth das Treffen unter der alten Linde.

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