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Verkehr

OB Spec sieht Stadt in Vorreiterrolle

Pläne für neue Linien mit BRT-Schnellbussen stehen bei Bürgerabend im Forum am Schlosspark im Vordergrund

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Oberbürgermeister Werner Spec führte im Forum am Schlosspark durch die Informationsveranstaltung „Saubere Luft“. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Stadtverwaltung drückt aufs Tempo. Noch in diesem Jahr will sie im Gemeinderat die Entscheidung für den möglichst zügigen Aufbau von neuen Linien mit BRT-Schnellbussen durchsetzen. Das Thema ist im Gemeinderat hoch umstritten, das haben in der vergangenen Woche die Grundsatzreden der Stadträte zum Haushaltsplan für nächstes Jahr noch einmal vor Auge geführt. Oberbürgermeister Werner Spec wirbt in dieser Situation nach Kräften für das BRT-System, auch mit der Botschaft, dass Ludwigsburg mit der Einführung eines solchen Systems bundesweit eine Vorreiterrolle einnehmen würde.

Die Stadtverwaltung jedenfalls rückte das Thema am vergangenen Freitagabend bei ihrer Bürgerveranstaltung „Saubere Luft“ mit Infos zu Maßnahmen gegen ein Fahrverbot und zur Mobilität der Zukunft in den Vordergrund. Vor knapp 200 Besuchern gab es drei jeweils 15-minütige Referate, eines zu den Plänen für eine Stadtbahn ab 2025, eines von Baubürgermeister Ilk zu den aktuellen Maßnahmen gegen ein Fahrverbot mit Aussagen zu Radwegen, E-Mobilität, digitaler Ampelsteuerung und eben dem BRT-System. Zum Auftakt und als Taktgeber sprach Dr. Volker Deutsch vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen mit Schwerpunkt BRT-Busse. Und die Stadtverwaltung hatte eigens ein kurzes Video anfertigen lassen, das in einer Computeranima- tion solche Busse bei der Fahrt durch die Innenstadt zeigen soll.

Volker Deutsch weckte in seinem Vortrag hohe Erwartungen an die Infrastruktur für BRT-Linien, zeigte Beispiele anderer Länder mit eigenen Trassen und Spuren, die freie Fahrt getrennt vom Autoverkehr bieten. Das stellte sich beim Vortrag des Baubürgermeisters über Ludwigsburg etwas anders dar. Nach seinen Worten wird es hier einige Abschnitte geben, wo eigene Spuren nicht möglich seien oder wegen des geringen Aufkommens an Autoverkehr nicht benötigt würden. In Bereichen ohne Busspur setzt Ilk auf eine digitale Verkehrssteuerung, mit der Busse vor Ampeln Autos so lange bei Grün vor sich herschieben, bis sie die Kreuzung passiert haben. Demnächst werde die Stadt ein Sechs-Millionen-Euro-Paket für die Digitalisierung im Verkehr vergeben.

Angesichts der Vorbehalte von Teilen des Gemeinderats gegen die von der Stadtverwaltung favorisierte Busbeschleunigung mit besonders langen Bussen sagte Oberbürgermeister Werner Spec: „Ich hoffe, dass alle politischen Kräfte jetzt springen und das als Chance sehen, schnell voranzukommen.“

Zu der Frage, wie schnell es gehen kann, gab die Veranstaltung kein klares Bild. In einem Pressegespräch am Rande der Bürgerinfo erachtete Spec die Fahrt erster BRT-Busse in 2020/2021 als möglich. In seinem Vortrag sprach Ilk von der Realisierung ab 2021/2022. Und an Infoständen, wo es nach den Vorträgen die Gelegenheit für die Besucher zu Gesprächen mit den Referenten und Planern gab, wurde auch das Zeitfenster 2022/2023 genannt.

Nach den Vorträgen zeigten Verkehrsplaner der Stadtverwaltung, dass man mit den geplanten, 24 Meter langen Doppelgelenkbussen mehr Komfort bieten könne, etwa mit mehr Raum für Kinderwagen.

Baubürgermeister Ilk erwähnte in seinem Vortag beim Ausbau der Radwege als eine der kurzfristigen Möglichkeiten gegen ein Fahrverbot die anstehende Fertigstellung in der Marbacher Straße sowie den Plan für Radstreifen auf der Martin-Luther-Straße und der Kurfürstenstraße. Mit Blick auf den Ausbau der Elektromobilität kündigte er zum Beispiel an, dass die Stadt mithilfe eines Förderprogramms im nächsten Jahr 30 neue Ladestationen bauen werde, davon fünf für Taxis und fünf für Mietwagen.

Über den aktuellen Stand der Planung bei der Stadtbahn sprach für das Landratsamt der Dezernatsleiter Heiner Pfrommer. Er verwies dabei auf die Vereinbarung vom 24. Oktober, bei der alle beteiligten Kommunen und das Landratsamt den Bau einer Stadtbahn gemeinsam mit dem Verkehrsministerium besiegelt haben. Darin ist unter anderem festgelegt, dass ein BRT-Bussystem in einem ersten Schritt aufgebaut wird, dies in Teilen als Vorläufersystem zur späteren Stadtbahn und ohne deren Aufbau zu behindern. Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt, dass sie in den nächsten Monaten noch von den Stadträten und Kreisräten abgesegnet werden muss. Die Stadtbahn soll in einer ersten Etappe zwischen Ludwigsburg und Markgröningen fahren, auf dem bestehenden Gleis, das es noch zu reaktivieren gilt. Dort, so Pfrommer, biete eine Stadtbahn im Gegensatz zu dem vom Ludwigsburger Rathaus favorisierten, bei der Vereinbarung aber verworfenen Regionalzug den Vorteil, dass in Möglingen keine Schranken mit Schließzeiten nötig seien und man in Markgröningen weiter in den Ort hineinfahren könne. Den geplanten Start dieses ersten Stadtbahnabschnitts im Jahr 2025 bezeichnete Pfrommer als sehr ambitioniert. Er betonte aber, dass er sich nach der Vereinbarung von einer engen Zusammenarbeit der Beteiligten viel verspreche. Die Bürgerinfo im Forum sei ein guter Baustein für ein solches Miteinander.

Die Veranstaltung im Forum bot knapp eine Stunde lang die drei Kurzvorträge. Danach konnten die Besucher im Foyer an Infotafeln und Stehtischen das Gespräch mit den Referenten und anderen Fachleuten suchen, zu Bus, Bahn und Fahrrad. Diese Möglichkeit wurde rege genutzt. Manche bedauerten allerdings, dass eine Debatte über – auch kritische – Fragen an kleine Stehtische verlagert wurde und nicht vor den Augen und Ohren aller Besucher stattfinden konnte.