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Soziale Medien

OB zeigt sich bei Facebook und Co.

Beim Wahlkampf um den Chefsessel im Rathaus haben erstmals in Ludwigsburg auch Facebook und Instagram eine Rolle gespielt. Oberbürgermeister Matthias Knecht nutzt diese Internetplattformen auch nach seinem Wahlsieg weiter. Wer will, kann dem OB bei seinen Terminen folgen – vom Abschied an der Hochschule in Kempten bis zur Eröffnung der hiesigen Weinlaube.

Der Oberbürgermeister unterwegs, bei Instagram ...
Der Oberbürgermeister unterwegs, bei Instagram ...
... und Facebook.
... und Facebook.

Wenn Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer etwas bei Facebook postet, kann das eine deutschlandweit geführte Diskussion in Gang bringen. Über Palmers Kritik an der Werbung der Deutschen Bahn wurde beispielsweise abendfüllend in den großen Fernsehtalkshows gestritten.

„Die Menschen sollen am Leben und an der Arbeit ihres Oberbürgermeisters teilnehmen können.“

Matthias Knecht
Oberbürgermeister

In die Fußstapfen seines Tübinger Amtskollegen will sich Oberbürgermeister Matthias Knecht nach eigenen Aussagen keineswegs begeben. Ein besseres Beispiel als Palmer, wenn auch nicht unbedingt sein Vorbild, sei der moderate Freiburger OB Martin Horn. Tatsächlich ist Knecht der erste Oberbürgermeister in Ludwigsburg, der auch abseits des Wahlkampfs Fotos und Kommentare aus dem Rathaus bei Facebook und Instagram postet. Was ist seine Motivation dafür?

„Die Menschen sollen am Leben und an der Arbeit ihres Oberbürgermeisters teilnehmen können“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Bisher können die Bürger dort beispielsweise sehen, dass ihr Oberbürgermeister bei der 50-Jahr-Feier des Bunds der Selbstständigen gesprochen, beim CDU-Stadtrat Klaus Herrmann dessen 60. Geburtstag gesprochen und die Aufführung des Bürgertheaters besucht hat. Das Stadtoberhaupt und sein Volk – harmlose Fotos aus dem Alltag eines Oberbürgermeisters. Keine tiefschürfenden Inhalte. Dabei werde es weitestgehend bleiben. Gelegentlich wolle er auch inhaltliche Aussagen transportieren, stellt Knecht in Aussicht.

Tatsächlich ist für Matthias Knecht der Wahlkampf auch noch nicht zu Ende: „Wahlkampf darf nicht nur drei Monate dauern“, erklärt er. Eigentlich kämpfe er bereits seit Amtsantritt jeden Tag um seine Wiederwahl in acht Jahren. Ein Relikt aus dem Wahlkampf werde sich allerdings in den nächsten Tagen verändern: Seine Internetseite www.matthias-knecht.info soll reduziert werden. Er wolle vermeiden, dass eine alte Wahlkampfseite jahrelang im Netz zu finden sei, wie dies bei seinem Vorgänger Werner Spec der Fall war.

„Facebook und Instagram sind Teil der Gesamtstrategie Bürgerkontakt und Bürgerbeteiligung“, sagt Knecht. „Facebook und Instagram ergänzen den Gesamtstrauß. So kann ich die verschiedenen Menschen mit den unterschiedlichen Gewohnheiten erreichen.“

Zum Amtsantritt hat Knecht eine Videobotschaft auf die Internetseite stellen lassen. „Damit wollte ich mich zu Beginn meiner Amtszeit persönlich bei den Bürgern vorstellen und mich direkt und auf Augenhöhe an die Ludwigsburger wenden.“ Ein Video sei dafür ein „zeitgemäßes Mittel“. Innerhalb von vier Wochen wurde die Botschaft in Bild und Ton, die den OB auf dem Marktplatz zeigt, rund 1200 Mal angeklickt. „Tenor des kurzen Films: Miteinander bringen wir die Stadt voran. Eine häufige Videopräsenz sei jedoch künftig nicht geplant, versichert Knecht. Zu bestimmten Themen und Anlässen könnte er sich aber durchaus vorstellen, sich auf diesem Wege an die Bürger zu wenden.

„Die Stadt setzt verstärkt auf Bewegtbilder, um den geänderten Seh- und Informationsgewohnheiten der Menschen Rechnung zu tragen“, schreibt dazu die Presseabteilung im Rathaus. Die Kosten dafür variieren nach Angaben der Stadtverwaltung. Mal sind sie kostenfrei, weil von eigenen Mitarbeitern erstellt. Mal fallen rund 1000 Euro pro Video an. Das sei beispielsweise bei den Filmen über LivingLab der Fall. Die Zuschauerzahlen variieren jeweils stark. Auf dem Vimeo-Kanal der Stadt gibt es Videos, die mehr als 44.000 Menschen gesehen haben (zum Thema Weihnachtsmarkt), sowie LivingLab-Videos, die auch in mehreren Monaten keine 100 Klicks erreicht haben.

Während Knecht beim Videodreh Unterstützung von der Pressestelle im Rathaus hatte, stammen die Facebook-Beiträge auf seiner Seite allesamt aus seiner eigenen Feder. Bei Instagram, das Profil hatte zunächst sein Wahlkampfteam betreut, lädt er die Beiträge neuerdings auch selbst hoch.

Doch der Oberbürgermeister stellt auch klar: „Die sozialen Netzwerke dürfen den direkten Kontakt zu den Bürgern nicht ersetzen.“ Deswegen will Knecht neben den bereits etablierten regelmäßigen Bürgersprechstunden ein neues Format einführen. Vierteljährlich werde er an einem Infostand auf dem Marktplatz zum Gespräch mit den Bürgern bereitstehen – ähnlich wie auch im Wahlkampf. Der erste Termin hierfür sei während des Weihnachtsmarkts vorgesehen.

Dass soziale Medien auch Herausforderungen mit sich bringen können, hat Knecht gleich zu Beginn seiner Amtszeit zu spüren bekommen. Dann nämlich, als es wegen einer fehlenden Ampel über die Schwieberdinger Straße eine ausführliche Diskussion mit Kritik an der Stadt auf der Facebookseite eines Vaters gab, die er nur zufällig gesehen habe. Um Probleme beim Rathaus zu melden, sei Facebook kein geeignetes Mittel. Er rät daher, den direkten Kontakt zu den Fachabteilungen zu suchen oder sich im Zweifelsfall über die Rathausinformation an die zuständigen Abteilungen verbinden zu lassen.

Diskussionen mit Bürgern wolle er auf anderen Ebenen führen und nicht im Internet. „Facebook ist kein Mittel, um politische Arbeit zu machen“, stellt er klar. Es wird demnach vornehmlich bei den bunten Bildern aus dem Arbeitsalltag des Rathauschefs bleiben. Den beispielsweise vom US-Präsidenten Trump bevorzugten Mitteilungsdienst Twitter mit seinen Nachrichten im Telegramstil will Knecht in seine Gesamtstrategie auf keinen Fall aufnehmen. „Die Politik der kurzen Botschaften liegt mir nicht.“

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