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Einzelhandel

Ohne Gastronomie auch kein Flanieren

Rundgang durch die Innenstadt am Samstag – Die meisten Kunden decken sich lediglich mit dem Nötigsten ein – Dem Einzelhandel fehlen Spontankäufe

Mit einem Aktionspaket will die Stadt dafür sorgen, dass Menschen in die Einkaufsstraßen kommen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Mit einem Aktionspaket will die Stadt dafür sorgen, dass Menschen in die Einkaufsstraßen kommen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Im Outdoor-Geschäft Naturzeit fehlen Spontankäufe. Es kommt nur, wer tatsächlich etwas braucht.
Im Outdoor-Geschäft Naturzeit fehlen Spontankäufe. Es kommt nur, wer tatsächlich etwas braucht.
Viele Hobbyfotografen haben ihre Ausrüstung schon erneuert, jetzt bleibt es bei Hobby Foto in der Seestraße ruhig.
Viele Hobbyfotografen haben ihre Ausrüstung schon erneuert, jetzt bleibt es bei Hobby Foto in der Seestraße ruhig.

Ludwigsburg. Ein sonniger Samstag, der zum Verweilen einlädt. Doch die Türen zu den Cafés und Restaurants sind verschlossen, Tische dicht, zusammengerückt, Stühle gestapelt, alles fest verzurrt. Der Teil-Lockdown in der Innenstadt zeigt: Auch wenn auf dem Marktplatz wieder reger Betrieb herrscht, Handel und Gastronomie sind doch enger miteinander verflochten als gedacht.

Wer am Samstag mit dem Auto die Innenstadt ansteuert, hat die Qual der Wahl. Jede Menge freie Parkplätze auf der Bärenwiese, wo normalerweise bei schönem Wetter alles dicht ist. Dann lockt nämlich das Blühende Barock, doch hier ist ebenfalls geschlossen. Auf dem Weg Richtung Marktplatz sind dann schon mehr Menschen unterwegs.

Die Kunden an den Marktständen machen das Beste aus der Situation: Sie kaufen ein, halten vielleicht noch das ein oder andere Schwätzchen mit Abstand und Maske, dann geht es wieder nach Hause. Der Marktbrunnen erweist sich als Treffpunkt für alle, die noch ein bisschen verweilen wollen, mehr geht aber auch nicht. Alle verhalten sich diszipliniert, die Kunden warten mit Abstand bis sie dran sind und so bildet sich etwa vor dem Käseladen in der Oberen Marktstraße eine lange Schlange. Auch bei den Bäckereien sowie in der Metzgerei ist der Oberpaur-Passage ist Anstehen angesagt.

Hochbetrieb herrscht überdies im Rewe-Markt in der Wilhelmgalerie, der Drogeriemarkt nebenan kann sich über mangelnde Kundschaft ebenfalls nicht beklagen. Kein Zweifel, die Menschen decken sich für den heimischen Bedarf ein, der Rückzug ins Private hat wieder begonnen. Manche tanken nach getanem Einkauf noch einige Sonnenstrahlen und weiter geht es im Programm. „Schönes Wetter und ein paar Einkäufe tätigen, das ist auch gut für die Psyche“, sagt eine Marktbesucherin, die jeden Samstag hier einkauft, das ist für sie ein Ritual. Hier im Freien habe er keine Angst, er halte sich ja an die Hygienevorschriften, meint ein anderer Wochenmarktkunde.

Die Kirchstraße ist belebt, in der Seestraße wird es schon ruhiger. Etwa im Fachgeschäft Hobby Foto. Hobbys werden doch jetzt in Pandemie-Zeiten wieder gepflegt, mag man meinen, aber wie Dr. Matthias Oberhack informiert, haben viele Hobbyfotografen ihre Kameraausrüstung bereits erneuert, jetzt dominiere die Angst vor Ansteckung. Deshalb bleibt es im Laden eher leer.

Gegenüber im Outdoor-Geschäft Naturzeit wird die Laufkundschaft, die sich dann auch schon mal zu einem spontanen Kauf entschließt, vermisst. „Es sind deutlich weniger Menschen unterwegs als an normalen Samstagen“, sagt Verkäuferin Sabrina Jungton. Auch wenn wie sie bestätigt, das Thema Outdoor mit Wandern und Radfahren seit der Pandemie einen Boom erlebt. Sabrina Jungton vermisst aber die Flaneure, die auf dem Markt einkaufen, im Café einkehren und dann noch einen Bummel durch die Geschäfte machen.

Im schmucken Laden „Party Deko World“ warten noch etliche eigens in Auftrag gegebene knallbunte Luftballonkreationen auf die Abholer, hier ist nichts von Corona-Flaute zu spüren, im Gegenteil. Ob Geburtstag oder andere familiäre Anlässe, gefeiert werde im kleinen Kreis zuhause und da stehe unter anderem Selbstgemachtes hoch im Kurs. Etwa schön verzierte Torten oder ein hübsch dekorierter Tisch. „Ein bisschen Freude muss man ja haben“, sagt Filialleiterin Theresa Kleinlercher.

Im Marstall bleibt der Andrang ebenso überschaubar wie in den Modegeschäften in der Innenstadt. Einzelne Kunden stöbern, in manchen kleineren Läden herrscht Flaute. Hier wird offensichtlich, dass sich Shoppen und Einkehren ergänzen, beides hat mit Lebenslust und Lebensfreude zu tun. Zum neuen Dress gehört auch die modische Frisur. Beim Friseur in der Kirchstraße wird gefönt und geschnitten, aber auch hier verzeichnet Inhaber Turgut Bircan seit den stark gestiegenen Infektionszahlen einen Rückgang. Allen strengen Hygienevorgaben zum Trotz. „Vor allem ältere Kunden haben Angst und sagen dann Termine ab“, so Bircan.

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