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Neubau

Oststadt: Neuer Anlauf für den Lidl

Für die Gestaltung des Lidl-Neubaus mit Wohnungen auf dem Dach sind jetzt zwei neue Varianten vorgestellt worden. Die Präsentation fand hinter verschlossenen Türen statt. Die Anwohner ärgern sich und kritisieren mangelnde Bürgernähe.

Modell von Variante 2: So könnte die Gestalt des Lidls mit Wohnungen auf dem Dach am Ende aussehen. Simulation: Freivogel+Mayer
Modell von Variante 2: So könnte die Gestalt des Lidls mit Wohnungen auf dem Dach am Ende aussehen. Simulation: Freivogel+Mayer

Ludwigsburg. Mit der Diskussion über den geplanten Lidl-Neubau in der Oststadt (Ecke Ost-/Hindenburgstraße) ließe sich mittlerweile wohl ein ganzes Romanwerk füllen. Seit gut vier Jahren wird um das Bauwerk gerungen. Auch die Kommunalpolitik hat bereits mehrfach über die Pläne diskutiert und unterschiedliche Entscheidungen darüber getroffen.

Aktueller Stand ist folgender: Lidl plant an dem Standort einen Markt nach dem konzerneigenen Metropolkonzept. Die Verkaufsfläche von 1800 Quadratmetern liegt dabei im ersten Stock, im Erdgeschoss ist ein offenes Parkdeck vorgesehen. Darunter soll eine Tiefgarage gebaut werden. Auf dem Dach des Einkaufsmarktes sind Mietwohnungen eingeplant.

Grundsätzlich gab es vom Gemeinderat zuletzt grünes Licht für dieses Projekt. Denn Ludwigsburg arbeitet gerade daran, ein Konzept zur Aufstockung von Gewerbegebäuden zu entwickeln, die bei der künftigen Wohnraumentwicklung eine wichtige Rolle spielen sollen. Die Stadt will mit einer Untersuchung herausfinden, welches Potenzial auf Gewerbe- und Einzelhandelsgebäuden steckt. Lidl ist dafür eine Art Vorzeigeobjekt.

In der Nachbarschaft, in der viele Wohnhäuser stehen, wird der Bau dagegen sehr kritisch gesehen. Vor allem die Höhe bereitet vielen Anwohnern Sorge.

Für die weitere Planung war Lidl nun aufgefordert, sich mit der Ästhetik des Bauwerks und dem Versuch, dieses in die Umgebung zu integrieren, auseinanderzusetzen. Laut dem Protokoll der Präsentation in der Sitzung des Gestaltungsbeirats, das unserer Zeitung vorliegt, wurden dabei zwei Varianten vorgestellt.

Eine (Variante 1), die alle drei Stockwerke als einen Gesamtkomplex darstellt. Und eine (Variante 2), die das Gebäude optisch in seine drei Stockwerke (Parken, Einkaufen, Wohnen) gliedert. „Die einzelnen ‚Schichten‘ werden sowohl in Funktion, Materialität und Farbe abgesetzt, als auch in der Tiefe gestaffelt und weiter differenziert“, heißt es über Variante 2 im Protokoll. Die Wahrnehmung des Baukörpers werde dadurch positiv beeinflusst. Im Gestaltungsbeirat herrschte einhellig die Meinung, dass sich Variante 2 besser in die Umgebung füge. Lidl soll diese nun als Grundlage für die Detailplanung nutzen. Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf die Freiraumgestaltung und die Optik der Parkebene im Erdgeschoss gelegt werden.

Für die Fassaden könnte sich der Gestaltungsbeirat Holz vorstellen. Das Unternehmen soll außerdem möglichst viele Pflanzen auf dem Areal unterbringen. „So könnte das Projekt zum Prototyp einer zukunftsfähigen Handelsimmobilie werden.“ Die überarbeiteten Pläne muss Lidl erneut im Gestaltungsbeirat präsentieren – dann allerdings in öffentlicher Sitzung.

Laut Stadtplaner Martin Kurt sei das Projekt automatisch nicht öffentlich diskutiert worden, da es sich um eine Erstvorstellung gehandelt habe. Dass Lidl seinen Neubau früher schon mehrfach in anderen Varianten – auch im Gestaltungsbeirat – präsentiert hat, spielte dabei keine Rolle. Das Projekt stehe laut Kurt immer noch am Anfang, die Detailarbeit fange jetzt erst an. Die Sorgen der Anwohner könne er verstehen, aber diese hätten in den Diskussionen schon sehr viel erreicht.

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) „Gestaltung Lidl-Areal“ ärgern sich allerdings darüber, dass die Präsentation hinter verschlossenen Türen stattgefunden hat. Auch von Oberbürgermeister Matthias Knecht, der in seinem Wahlkampf mehr Bürgernähe versprochen habe, sind die Anwohner enttäuscht.

Die IG findet ebenfalls, dass Variante 2 die bessere ist. Trotzdem haben die Mitglieder auch an ihr einige Kritikpunkte: Wieder wird eine detaillierte Angabe der Gebäudehöhe vermisst, außerdem ein klares Beispiel dafür, wie die Fassade am Ende aussehen könnte. Die Anwohner wünschen sich zudem Ansichten davon, wie der Gebäudekomplex am Ende von der Straße aus vom Passanten wahrgenommen wird. Zudem wünschen sich die Nachbarn einen weiteren Lichtkorridor von Ost nach West.

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