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Klinikum

Patientensicherheit steht im Fokus

Fehler können im Krankenhaus tödliche Folgen haben. Um dies zu vermeiden, gibt es in Ludwigsburg jetzt zwei Beauftragte für Patientensicherheit. Damit ist die Regionale Kliniken Holding (RKH) eines der wenigen Häuser, die für diese Aufgabe eigene Stellen schaffen.

Falsche Medikamentengabe zählt zu den häufigsten Fehlerquellen im Krankenhaus. Zwei neue Patientensicherheitsbeauftragte haben in Ludwigsburg die Arbeit aufgenommen.Foto: Adobe Stock
Falsche Medikamentengabe zählt zu den häufigsten Fehlerquellen im Krankenhaus. Zwei neue Patientensicherheitsbeauftragte haben in Ludwigsburg die Arbeit aufgenommen. Foto: Adobe Stock
„Wir möchten, dass sich diejenigen beschweren, die nicht zufrieden sind.“ Ellen Locher Patientensicherheitsbeauftragte
„Wir möchten, dass sich diejenigen beschweren, die nicht zufrieden sind.“ Ellen Locher Patientensicherheitsbeauftragte
„Einen Fehler zweimal zu machen, ist unklug. Wir sehen Beschwerden als Chance.“ Thorsten Hauptvogel Patientensicherheitsbeauftragter, Leiter des Qualitätsmanagements
„Einen Fehler zweimal zu machen, ist unklug. Wir sehen Beschwerden als Chance.“ Thorsten Hauptvogel Patientensicherheitsbeauftragter, Leiter des Qualitätsmanagements

Ludwigsburg. „In der Medizin gibt es viele Fehlerquellen“, sagt Professor Jörg Martin, Geschäftsführer der Regionalen Kliniken Holding. Ein Behandlungsfehler im Krankenhaus kann im schlimmsten Fall zum Tod des Patienten führen. Dies gilt es unbedingt zu vermeiden. Nicht nur im Sinne des Patienten, sondern auch im Sinne des Klinikums, denn ein Behandlungsfehler kann hohe Kosten nach sich ziehen.

„Wir sind bereits sehr gut aufgestellt“, ist sich Jörg Martin sicher. So wird in allen RKH-Häusern das Fehlermeldesystem CIRS genutzt. Dort können Mitarbeiter anonym Fehler melden, zu denen es beinahe gekommen wäre. Ein unabhängiges Institut bewertet diese gemeldeten Vorfälle, die Auswertung wird in den Häusern der RKH ebenfalls gelesen und darauf reagiert. Etwa 70 bis 80 Mal nutzen Mitarbeiter in den Häusern der RKH jährlich diese anonyme Möglichkeit. Der Kliniken-Chef nennt dieses Fehlermeldesystem ein „institutionalisiertes Whistleblower-System“.

Nach Angaben von Martin werden plötzliche Todesfälle untersucht, ebenso gibt es ein Warnsystem, wenn sich auf einer bestimmten Station Todesfälle auf ungewöhnliche Weise häufen. Ein Fall wie der des Pflegers Niels H., der an Kliniken in Norddeutschland für zahlreiche Todesfälle verantwortlich war, wäre mithilfe dieses Systems schneller aufgefallen, ist sich Martin sicher.

In den Häusern der RKH werden jährlich 115.000 Patienten stationär und 300.000 Patienten ambulant behandelt. Vor der Schiedsstelle der Landesärztekammer oder vor Gericht sind in den vergangenen Jahren 64 bis 115 Fälle jährlich gelandet. Angesichts der großen Zahl an Patienten, die behandelt werden, sei dies eine geringe Zahl an Fällen. Bei den tatsächlichen Schadenfällen sind wir eher rückläufig. Bei der Abteilung Qualitätsmanagement der RKH gehen aktuell jährlich noch 600 bis 700 Beschwerden ein, die sich auf alle Häuser des Konzerns beziehen. Die Zahl der allgemeinen Beschwerden sei tendenziell steigend, was Martin aber auch auf eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung zurückführt. Die Vielfalt dieser Beschwerden sei groß und reiche von der Essensbestellung über Wahlleistungen bis hin zur Freundlichkeit des Personals. Nicht immer also geht es um Leib und Leben.

„Wir möchten, dass sich diejenigen beschweren, die nicht zufrieden sind“, sagt Ellen Locher, die neue Patientensicherheitsbeauftragte. „Patientenrückmeldungen spielten eine große Rolle“, ergänzt Thorsten Hauptvogel, ebenfalls neuer Patientensicherheitsbeauftragter und Leiter der Abteilung Qualitätsmanagements. Beide sind nicht neu am Klinikum, sie kennen die Holding und ihre Häuser seit vielen Jahren. Ihre Funktion wurde jetzt anlässlich des Welttags der Patientensicherheit neu eingeführt. „Wir sind deutschlandweit nur eine der wenigen Kliniken, die Funktion der Patientensicherheit institutionalisiert haben“, so Martin. Verpflichtet ist man dazu nicht, von Interessensvertretungen wie dem Aktionsbündnis Patientensicherheit jedoch wird dies seit Jahren gefordert. „Wir wollen eine gute Fehlerkultur weiter etablieren“, sagt Thorsten Hauptvogel. „Einen Fehler zweimal zu machen, ist unklug.“ Risiken erkennen und minimieren, das ist die tägliche Herausforderung.

Die häufigste Fehlerquelle im Krankenhausalltag sei die falsche Medikamentengabe, berichten Locher und Hauptvogel. Eine ganz deutliche farbliche Kennzeichnung der Wirkstoffgruppe soll heute bereits helfen, dass auch unter großem Zeitdruck keine lebensgefährlichen Verwechslungen passieren. Eine große Herausforderung bei der Patientensicherheit seien Kommunikationslücken. Die laufende Teambildung auf den Stationen ist Martin zufolge also ebenfalls ein „massiver Beitrag zur Sicherheitskultur“. Die digitale Patientenakte, wie sie bereits im Bietigheimer Krankenhaus eingeführt wird, sorge unter anderem dafür, dass Informationen schneller und direkter verfügbar sind. Außerdem sei dort beispielsweise ein Programm hinterlegt, das Warnhinweise sendet, sobald Medikamente verordnet werden, die sich miteinander nicht vertragen.

„Wir müssen uns nicht verstecken“, sagt Jörg Martin über die Patientensicherheit in Ludwigsburg und den anderen Krankenhäusern im Kreis. „Das schließt aber nicht aus, dass etwas passiert.“

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