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Corona

Piepen der Maschinen begleitet die Arbeit

Die Krankenhäuser sind das Epizentrum in der Pandemie. Auf den Intensivstationen kämpfen Ärzte und Pflegekräfte um Patienten, die zum großen Teil nicht mehr selbstständig atmen können. Maschinen halten sie am Leben. Ein Besuch auf der Covid-Intensivstation des Ludwigsburger Klinikums.

Nur in kompletter Schutzkleidung betreten Pflegekräfte und Ärzte die Zimmer, um die Patienten zu behandeln und die Maschinen zu bedienen. Fotos: RKH Kliniken/Andreas Becker
Nur in kompletter Schutzkleidung betreten Pflegekräfte und Ärzte die Zimmer, um die Patienten zu behandeln und die Maschinen zu bedienen. Foto: RKH Kliniken/Andreas Becker
Oberärztin Monica Bürle und Krankenschwester und Teamleiterin Katrin Lichy (rechts) erklären LKZ-Redakteurin Carolin Schneider die Lungenersatzmaschine. Foto: Andreas Becker
Oberärztin Monica Bürle und Krankenschwester und Teamleiterin Katrin Lichy (rechts) erklären LKZ-Redakteurin Carolin Schneider die Lungenersatzmaschine. Foto: Andreas Becker
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Ludwigsburg. Durch die Glasscheiben an den Türen der Covid-Intensivstation sieht man die Patienten liegen. Bei einer Patientin hebt sich der Brustkorb deutlich auf und ab. Doch nicht sie selbst holt Luft, beim Atmen hilft ihr eine Maschine, die direkt neben dem Bett steht. Ein anderer Patient sitzt hinter der Glasscheibe aufrecht in seinem Bett. Er hat viele Falten im Gesicht, ein Schlauch führt in seine Nase. „Wie geht es ihm inzwischen?“, fragt Professor Götz Geldner. Er ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. „Schon besser“, sagt eine Krankenschwester. Trotzdem wird er noch auf der Station bleiben müssen. Denn er ist immer noch ansteckend.

„Dass wir eine komplette Intensivstation wegen einer Krankheit gefüllt haben, das kam noch nie vor“, sagt Monica Bürle, die Oberärztin der Station. Die Situation sei nach wie vor angespannt. Aktuell werden im Ludwigsburger Klinikum 19Covid-Patienten intensiv behandelt, vier von ihnen müssen nicht mehr isoliert werden, weil sie nicht mehr ansteckend sind. Vier weitere Corona-Intensivpatienten gibt es derzeit im Bietigheimer Krankenhaus. Für die Pflegekräfte sei die Arbeit auf der Intensivstation schon immer psychisch und physisch belastend gewesen, so Katrin Lichy, die Teamleiterin der Station. Jetzt sei die Belastung noch höher.

„Man muss jetzt alles viel besser koordinieren“, sagt sie. Wegen der hohen Ansteckungsgefahr können die Pflegekräfte nicht ständig von Zimmer zu Zimmer rennen. „Man kann nicht einfach kurz rauslaufen, wenn man was vergessen hat“, so Lichy. Aus einem Zimmer steckt eine Krankenschwester ihren Kopf. Sofort kommt eine andere angelaufen: „Brauchst du was?“ „Ich möchte eigentlich nur raus.“ Schnell machen alle auf dem Flur Platz, damit sie aus dem Zimmer kommen und ihre Schutzkleidung ausziehen kann, ohne dass jemand auf dem Flur gefährdet wird.

Seit die Station eine Covid-Station ist, sei der Bedarf an Personal größer, so Monica Bürle. Die Intensiv-Pflegekräfte tragen in den Zimmern Schutzkleidung. Um die nicht ständig aus- und anziehen zu müssen, bleiben sie so lange wie möglich in den Zimmern. Wenn sie etwas brauchen, kommen sogenannte Springer zum Einsatz, die die Intensivpfleger unterstützen. „Für die Patientenversorgung braucht es Pflegekräfte, die Erfahrung auf der Intensivstation haben“, so Katrin Lichy. Andere könnten als Springer unterstützen.

Doch Pflegekräfte, die wissen, wie man die Maschinen auf der Intensivstation bedient, seien schon vor der Coronapandemie Mangelware gewesen. Nicht nur in Ludwigsburg, sondern in allen Krankenhäusern bundesweit. „Was manche einfach nicht verstehen: Wir können Betten und Beatmungsgeräte noch und nöcher aufstellen. Aber wir haben dann immer noch niemanden, der die Maschinen bedient“, so Katrin Lichy.

Die Maschinen geben piepende Geräusche von sich. Sie klingen ganz unterschiedlich, aber die Pflegekräfte wissen sofort Bescheid, was welches bedeutet. Außer den Tönen der Geräte kommen aus den Zimmern keine Geräusche. Die Patienten liegen zum Teil im künstlichen Koma, andere sind wach, können aber wegen der Schläuche und Masken im Gesicht nicht sprechen. Sehr schnell könne es passieren, dass ein Patient instabil wird, erklärt Katrin Lichy. „Dann müssen wir uns ganz schnell anziehen und in die Zimmer.“

Auf der Intensivstation gibt es verschiedene Stufen der Behandlung – je nach Zustand des Patienten. „Wir versuchen, so viele wie möglich nichtinvasiv zu beatmen“, so Götz Geldner. Die Patienten bekommen dabei eine Maske auf. Eine Maschine hilft beim Atmen: Immer wenn der Patient Luft einziehen möchte, schiebt die Maschine diese in den Körper. „Das haben wir gerne, weil wir dann nicht intubieren müssen“, so Geldner. Die Intubation ist der nächste Schritt. Dabei wird ein Plastikschlauch in die Luftröhre eingeführt. Die Gefahr: Keime können in die Lunge gelangen, denn der Schlauch wird zwischen die Stimmbänder geschoben, diese können dann nicht mehr schließen.

Der letzte Schritt ist das Anschließen an die künstliche Lunge. Ecmo heißt die Lungenersatzmaschine. In Baden-Württemberg gibt es nur einzelne Kliniken, die diese Maschinen besitzen und mit ihnen arbeiten können. Das Klinikum Ludwigsburg ist eines davon. Vier, fünf Maschinen seien derzeit im Einsatz. Auch Patienten aus anderen Krankenhäusern aus der Region werden nach Ludwigsburg gebracht, wenn sie das Lungenersatzverfahren benötigen.

Bei Bedarf werde dann ein Patient in ein anderes Krankenhaus verlegt, so Geldner. Das sei der Vorteil des Clusterkonzepts im Südwesten. Er ist sowohl Koordinator des Clusters Ludwigsburg-Stuttgart als auch des Konzepts landesweit. Wenn es in einem Krankenhaus eng wird, könnten andere Kliniken Patienten aufnehmen. Inzwischen merke man im Ludwigsburger Klinikum einen leichten Abfall: Ein, zwei Betten auf der Intensivstation seien aktuell frei. Ob das jedoch eine Trendwende in der Pandemie ist, ist noch nicht sicher.

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