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Bildung

Platznot in den Schulsporthallen

Es ist eng für die Schulen auf dem Innenstadtcampus, die Sporthallen sind voll. Schon im zweiten Jahr ist für eine Klasse der Gemeinschaftsschule ein Busshuttle eingerichtet worden. Mit einem Bus der Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL) werden Schüler zur Halle im Rotbäumlesfeld (Oststadt) gefahren. Laut dem zuständigen Fachbereichsleiter im Rathaus wird der Druck noch zunehmen – nicht nur in der Innenstadt.

Ob Hula-Hoop, Turnen oder Ball: Der Sport ist elementarer Teil des Unterrichts – und in einigen Schulen Profilfach.Foto: Stock Adobe/WavebreakmediaMicro
Ob Hula-Hoop, Turnen oder Ball: Der Sport ist elementarer Teil des Unterrichts – und in einigen Schulen Profilfach. Foto: Stock Adobe/WavebreakmediaMicro

Ludwigsburg. „Beim Sportunterricht müssen die Schulen zusammenrücken“, sagt Raphael Dahler, in der Stadtverwaltung Fachbereichsleiter Sport und Gesundheit. Schulen und Vereine rangeln geradezu um Kapazitäten in den Sporthallen der Stadt. Im Innenstadtcampus hat der Platz wie auch 2018 dieses Schuljahr nicht ausgereicht, die Gemeinschaftsschule hat es getroffen: Erneut wurde für eine Klasse, diesmal ist es eine sechste, ein Bustransfer um 11.30 Uhr in die Sporthalle im Rotbäumlesfeld und zurück eingerichtet. Was da an echter Sportzeit übrigbleibt, ist vorstellbar.

„Derzeit kann man den Schulsport in der Innenstadt gerade noch abbilden“, sagt Raphael Dahler, doch nach aktuellen Prognosen werden bis Mitte der 2020er-Jahre zusätzliche Schüler und Klassen erwartet. „Ich sage es in jeder öffentlichen Sitzung: Wir haben den größten Druck im Schulsport.“ Dass der zunehmen wird, ist berechenbar. Im Innenstadtcampus wird ein rasanter Zuwachs erwartet. Die Gemeinschaftsschule mit aktuell 423 Schülern wächst weiter, denn erst nächstes Schuljahr wird die Klassenstufe 10 erreicht und es kommen dann zur heutigen Schülerzahl voraussichtlich drei Eingangsklassen dazu.

Im Innenstadtcampus sind Schiller-, Mörike- und Goethe-Gymnasium zu Hause sowie die Elly-Heuss-Knapp-Realschule und die Gemeinschaftsschule. Die amtliche Schulstatistik der Stadt bezieht sich auf das vergangene Schuljahr, die neue wird laut Verwaltung gerade erstellt. 2018/19 hatte der Innenstadtcampus demnach insgesamt 3788 Schüler in 153 Klassen. Spitzenreiter ist das Mörike-Gymnasium mit über 1000 Schülern, gefolgt vom Schiller-Gymnasium mit nahezu 900, danach kommen das Goethe-Gymnasium und die Elly-Heuss-Knapp-Realschule.

Für Gemeinschaftsschulrektor Ralf Broghammer ist der Druck keine Überraschung. Jedes Jahr würden von den Campusschulen in Sachen Sporthallenbelegung „gute Gespräche“ geführt, „man unterstützt sich gegenseitig“. Die Zeichen für die Zukunft jedoch stehen auf Wachstum, mit entsprechenden Ausweichmanövern und haarklein getakteten Belegungszeiten: „Es wird auch andere Schulen treffen.“

„Je weiter man in die Peripherie geht, desto entspannter wird es“, sagt Dahler. Das trifft etwa auf Neckarweihingen zu, wo nach Rechnung der Stadt nur 35 Schüler auf eine Halleneinheit kommen (siehe Infokasten rechts), in Pflugfelden sind es 58. In Poppenweiler, wo die Kelter noch mitgenutzt wird, sieht es allerdings anders aus. Auch in der Oststadt, derzeit mit 90 Kindern pro Einheit gebucht, ist es eng.

Wie berichtet, wird in der Oststadt mit zwei neuen Zweifeldhallen geplant. Das begrüßt Dahler ausdrücklich. „Mit der neuen Oststadthalle haben wir auch für die Innenstadt schon etwas gewonnen.“ Das große Aber, das für viele Diskussionen sorgt: Die Halle soll nach derzeitigem Plan erst 2024 bespielbar sein, das angrenzende Neubaugebiet Fuchshof jedoch generiert neue Bedarfe, es wird eine neue Grundschule gebaut und die benachbarte Oststadtschule bekommt dann mit dem neuen Zuschnitt der Schulbezirke die Kinder der Südstadt hinzu.

An anderen Stellen, wo zum Teil auch der Vereinssport dringenden Bedarf meldet, soll es noch länger dauern. Erst vergangene Woche hat die Stadtverwaltung um die Planung von weiteren Sporthallen in Poppenweiler, Oßweil und Grünbühl-Sonnenberg trotz jahrelanger Forderungen eine Klammer gesetzt.

Da ist der Gau in einigen Jahren vorprogrammiert: Sonnenberg wird kontinuierlich aufgesiedelt, in Grünbühl wird mit 420 Wohneinheiten plus einer sechsgruppigen Kita geplant – und die Halle an der Eichendorffschule kann schon jetzt die Bedarfe auch des TSV Grünbühl nicht decken. In Poppenweiler verhindert nur die Nutzung der Kelter große Lücken, in Oßweil ist es ebenfalls eng.

In der Weststadt geht es mit 193 Schülern pro Halleneinheit ebenfalls eng zu. Schulleiter Mathias Hilbert vom Otto-Hahn-Gymnasium (OHG), ein Sportgymnasium, schickt Teile der Oberstufe schon seit Jahren an einzelnen Tagen nach Eglosheim. Die Gottlieb-Daimler-Realschule und die Osterholzschule haben ebenso mittlerweile ein Sportprofil, das bedient werden will. Auch deren Schüler ziehen einmal die Woche für den Sportunterricht nach Eglosheim. Entspannung gibt es nur in Fernsicht. Für das Bildungszentrum West sind neue Sporthallen geplant.

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