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Akademiehof

Polizeieinsätze: Konsequent oder zu hart?

Der Akademiehof ist in den vergangenen Wochen vermehrt in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Mehrmals hat die Polizei den Platz, der besonders bei jungen Menschen beliebt ist, geräumt. Doch wann und wie greifen Polizei und Ordnungsdienst eigentlich ein?

Die Polizei bei einem Einsatz auf dem Akademiehof. Nicht alle halten das Vorgehen für gerechtfertigt. Foto: Holm Wolschendorf
Die Polizei bei einem Einsatz auf dem Akademiehof. Nicht alle halten das Vorgehen für gerechtfertigt. Foto: Holm Wolschendorf

Erst vor kurzem haben die Stadtverwaltung und die Polizei in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärt, dass sie den Akademiehof gerne als Treffpunkt für junge Leute erhalten wollen (wir berichteten). Eine gemeinsame Planungsgruppe soll Wege finden, wie dies auf sichere Art und Weise geschehen kann. Denn nicht selten hat die Polizei in der Vergangenheit eingegriffen und den Platz sogar komplett geräumt. Das kommt nicht bei allen gut an. Wie Peter Widenhorn, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der Polizei, mitteilt, ist die Räumung des Akademiehofes aber „keine x-beliebige Standardmaßnahme, die wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit durchführen“.

Widenhorn sagt, dass es keine festen Abläufe im Zusammenhang mit den Kontrollen auf dem Akademiehof gibt, „da sich polizeiliche Kontrollen immer an der jeweiligen Situation orientieren“. Der Akademiehof werde von der Polizei in unregelmäßigen Abständen wiederkehrend kontrolliert. Doch nicht immer bedeuten die Kontrollen auch ein konkretes Eingreifen. Reagiert wird nur „bei Entwicklungen, die ein polizeiliches Einschreiten erforderlich erscheinen lassen“. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, überprüft auch der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) regelmäßig den Akademiehof. „Dies findet mehrmals am Abend statt“, heißt es. Um die jeweilige Lage einschätzen zu können, seien Polizei und KOD in ständigem Austausch.

Die starken Kontrollen stoßen bei einigen auf Kritik

Bei einigen Lesern unserer Zeitung stoßen die verstärkten Kontrollen von Polizei und KOD auf Unverständnis. Für viele wird das unangemessene Verhalten weniger junger Menschen pauschalisiert. Die vielen Jugendlichen, die sich friedlich auf dem Akademiehof aufhalten, würden durch die Polizei aber ebenfalls mit den Konsequenzen – zum Beispiel der Räumung des Platzes – bestraft. Denn gerade in Pandemiezeiten gebe es für Jugendliche kaum Möglichkeiten, sich mit Gleichaltrigen zu treffen.

„Ich verstehe die Prioritäten nicht. Am Bahnhof kann man scheinbar wegen Personalmangel nicht mehr kontrollieren, aber am Akademiehof kann man das?“, fragt eine Leserin auf der Facebookseite unserer Zeitung. „Randalierer dürfen gerne gehen, aber bei den Friedlichen kann ich das nicht nachvollziehen.“ Ein anderer Nutzer schreibt: „Die Jugend gängeln, aber am Bahnhof nicht für Ordnung sorgen können.“ Es sei furchtbar, wie gegen die Jugend vorgegangen wird, die am schwersten unter der Pandemie zu leiden hat, schreibt eine Leserin. Ihrer Meinung nach hat sich die Jugend während der Pandemie bisher vorbildlich verhalten, um die Älteren zu schützen. „Statt der Jugend dankbar zu sein, wird nun gegen sie angegangen ohne jeden Grund. Der Akademiehof ist für Treffen eigens konzipiert worden.“

Die Coronapandemie ist einer der Gründe, warum Polizei und KOD aktuell vermehrt auf dem Akademiehof kontrollieren. „Je nach Einsatzstärke werden auch größere Gruppen angesprochen, den Abstand sowie die Regelungen laut der zu diesem Zeitpunkt gültigen Coronaverordnung einzuhalten“, sagt die Stadt zum Einsatz des KOD. Widenhorn sagt, dass es seitens der Polizei allerdings noch kein Einschreiten infolge der Größe der Ansammlung als solche gab, „da der Akademiehof sehr weitläufig ist und in der Summe grundsätzlich eine große Anzahl an Besuchern erlauben würde. Ergo schreitet die Polizei nur dann ein, wenn die Personengruppen zu dicht beieinanderstehen und demzufolge die durch die Corona-Einschränkungen geforderten Mindestabstände nicht mehr eingehalten werden.“

„Wo sollen sich die jungen Leute denn treffen“, fragt ein Leser auf der LKZ-Facebookseite. „Bars und Kneipen sind inzwischen auch sehr teuer geworden. Warum kann man nicht gegen die vorgehen, die sich danebenbenehmen, die nur zum Randalieren und zum Provozieren kommen?“ Widenhorn sagt auf Nachfrage, dass es in solchen Fällen immer die Möglichkeit gebe, auf einzelne Störer gezielt einzuwirken. Eine Schlägerei zwischen zwei Personen oder der übermäßige Alkoholkonsum einer kleinen Gruppe seien für die Polizei kein Grund, um den Platz direkt komplett zu räumen. „Anders sieht es aus, wenn es dabei zu größeren Solidarisierungsreaktionen kommt“, so Widenhorn.

Dass immer wieder von übermäßigem Alkoholkonsum die Rede ist, stößt nach Informationen unserer Zeitung bei vielen Jugendlichen böse auf. Denn lange nicht alle jungen Menschen auf dem Akademiehof würden dort verstärkt Alkohol konsumieren. Der übermäßige Alkoholkonsum werde „schon durch entsprechende Ausfallerscheinungen wie etwa einem enthemmten Verhalten sichtbar“, so Widenhorn. „Dazu stellen wir häufig fest, dass mit zunehmendem Alkoholkonsum die Bereitschaft zu

Auseinandersetzungen zunimmt und gleichzeitig die Akzeptanz gegenüber polizeilichen Maßnahmen abnimmt.“ Wenn die Stimmung zu kippen droht, dann versuche die Polizei zunächst, die einzelnen Personen oder Gruppen anzusprechen. Auch Platzverweise können ausgesprochen werden. „Wenn sich an der Gesamtsituation nichts ändert, kommt auch eine Räumung des Platzes in Betracht“, sagt Widenhorn zum Vorgehen.

Räumung des Platzes findet laut Polizei nicht bei jeder Gelegenheit statt

Auch wenn an Freitag- und Samstagabenden zusätzlich die Bereitschaftspolizei auf dem Akademiehof verstärkt im Einsatz ist, zeigt der KOD weiterhin Präsenz, wie die Stadt mitteilt. „Der KOD achtet insbesondere auf Gruppen, die sich aggressiv verhalten, übermäßig Alkohol konsumieren und/oder nach 22 Uhr extrem laut Musik abspielen.“ Gruppen mit extrem lauter Musik würden zunächst angesprochen werden, die Lautstärke zu drosseln beziehungsweise die Lautsprecher ganz auszumachen. „Auch werden regelmäßige Jugendschutzkontrollen durchgeführt (zum Beispiel: Sind die Jugendlichen alt genug, um Alkohol zu trinken?) und Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz geahndet“, sagt die Stadt zum Vorgehen des KOD. Auch die Einsatzkräfte der Polizei greifen bei offensichtlichen Verstößen gegen jugendschutzrechtliche Vorschriften entsprechend ein. „Das ist dort aber nicht der Regelfall“, sagt Widenhorn.

Grundsätzlich würden KOD und auch die Polizei die Jugendlichen feiern lassen, solange nicht mit Flaschen geschmissen wird und sich keine Rangeleien ergeben. „Kleinere Rangeleien werden schon im Anfangsstadium mit Ansprache der Personen unterbunden und zeigen meist Wirkung“, so die Stadt. Doch auch hier geht der Eindruck von Stadt, Polizei und Jugendlichen offenbar auseinander. Nach LKZ-Informationen finden viele Jugendliche vor Ort, dass die Polizei teils zu hart und teils willkürlich eingreife.

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