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Sicherheit

Polizeiposten schließen dieses Jahr

Beamte verlassen die alten Rathäuser in Neckarweihingen und Pflugfelden – Außenstelle in der Oststadt wird aufgestockt

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Im alten Rathaus Neckarweihingen (links) und im alten Rathaus in Pflugfelden werden vom 1. Januar an Räume frei. Die Polizeiposten verlassen die Stadtteile.Fotos: Holm Wolschendorf
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Ludwigsburg. Mit ihren zwei Beamten vor Ort haben die Polizeiposten in Pflugfelden und Neckarweihingen beide Exotenstatus unter den 10 Revieren und 30 Polizeiposten des Ludwigsburger Polizeipräsidiums. Weniger Personal geht nicht. Trotzdem haben die kleinen Stadtteilposten lange überlebt.

Das hat einen Grund. Während der großen Polizeireform im Land, bei der zwölf große Polizeipräsidien gegründet wurden, gab es die politische Vorgabe, dass es bei den Posten zunächst keine Veränderungen geben durfte. Daher blieben die beiden kleinen Stadtteilposten so lange erhalten, erklärt Polizeipräsident Frank Rebholz im Gespräch mit unserer Zeitung.

Jetzt ergeht es Neckarweihingen und Pflugfelden wie Grünbühl und Oßweil, deren Posten zum 1. Januar 2005 geschlossen worden sind. Auch Hoheneck muss seit 2002 ohne Polizeiposten vor Ort auskommen.

Frank Rebholz hält den Schritt mit Blick auf die Sicherheitslage in beiden Stadtteilen für vertretbar. Es gebe keine Brennpunkte vor Ort, bei den Straftaten sei eher eine rückläufige Tendenz feststellbar. Tatsächlich seien beide Posten das halbe Jahr über aber wegen Urlauben, Fortbildungen und Krankheitstagen nur mit einem Beamten besetzt. Das ist laut Rebholz aus Gründen der Eigensicherung der Beamten bedenklich, auch weil es in den beiden alten Rathäusern jeweils keine der eigentlich üblichen Sicherheitsschleusen gibt.

„Unter Sicherheitsaspekten müssen die Bürger vor Ort keine Befürchtungen haben – im Gegenteil“, verspricht Rebholz. „Wenn ich Sicherheitsbedenken hätte, würde ich nicht ausgerechnet den Posten direkt in meinem Wohnort schließen.“

Die zwei Beamten aus Neckarweihingen verstärken den Polizeiposten Oststadt, der dann sieben Köpfe und zwei Streifenfahrzeuge zählt und künftig auch für Neckarweihingen zuständig ist. Die Kollegen aus Pflugfelden werden dem Revier Ludwigsburg zugeschlagen und verstärken den Bezirksdienst.

„Die Polizeipräsenz vor Ort wird nicht leiden“, so der Polizeipräsident. Man wolle schlagkräftiger werden und auch Spätstreifen zu den kritischen Uhrzeiten möglich machen. „Bei Bedarf bieten wir vor Ort Bürgersprechstunden an“, verspricht er. Die Polizei hat die Rathausspitze über diesen Schritt bereits informiert, auch ein Treffen mit den Stadtteilausschussmitgliedern fand statt. Während in Pflugfelden in der jüngsten öffentlichen Sitzung keine Gegenrede kam, wollten die Mitglieder des Neckarweihinger Stadtteilausschusses sich nicht ohne Protest von ihrer Polizei im Ort verabschieden.

Bärbel Treiber-Juranek (SPD) bedauerte, dass der Verlust bestimmter Einrichtungen – Post, Bank, Polizei – sich auf den Sozialraum eines Stadtteils auswirken. Dass sich an der Sicherheitslage im Stadtteil nichts verändern wird, kann sich Roland Schmierer (CDU) nicht vorstellen: „Die Botschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Er bezog sich auf eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), „die eine andere Sprache spricht“. Die ZEW-Studie, über die unsere Zeitung berichtet hatte, kennt die Auswirkungen, die sich durch die Schließung von rund 40 Prozent der örtlichen Polizeiposten in baden-württembergischen Gemeinden 2004 ergeben haben. Es habe sich gezeigt, dass Auto-diebstähle und Einbrüche in den betroffenen Gemeinden gestiegen seien.

Auch der Ludwigsburger Polizeipräsident kennt die jüngst erschienene Studie, die sich seiner Meinung nach aber nicht auf Ludwigsburg übertragen lässt, sondern die Auswirkungen im ländlichen Raum untersucht. Die Entfernung zum nächsten Polizeiposten und zum Revier seien mit vier Kilometern nicht besonders groß.

„Wichtig ist, dass die Präsenz im Stadtteil nicht sinkt“, betonte der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried, der selbst in Pflugfelden wohnt und ankündigte: „Wir werden sehr kritisch darauf schauen.“

Mit dem Auszug der Polizei werden in den alten Rathäusern jeweils Räume für andere Nutzer frei. In Pflugfelden könnte der Heimatverein Interesse haben, klang es in der Sitzung an. In Neckarweihingen hofft der Stadtteilausschuss auf eine Sanierung des in die Jahre gekommenen Rathauses. Gewünscht ist ein Begegnungsort, vor allem für die örtlichen Vereine. Bisher nicht vorgesehen sind die Jugendlichen, die mit ihrem Jugendcafé an der Hauptstraße untergebracht sind. Für sie könnte dank der neuen Entwicklung nun auch Platz in der Ortsmitte sein.