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Corona

Private können ihre Autos wieder zulassen

Landratsamt hebt Beschränkung wegen der Viruskrise auf – Fahrzeughändler und Werkstätten im Landkreis wünschen flexiblere Lösung

Ein Dienst, der mit Autohändlern zusammenarbeitet, darf im Stuttgarter Amt seit Montag und bis heute keine Anträge auf Kfz-Zulassungen abgeben. Foto: Adobestock
Ein Dienst, der mit Autohändlern zusammenarbeitet, darf im Stuttgarter Amt seit Montag und bis heute keine Anträge auf Kfz-Zulassungen abgeben. Foto: Adobestock

Ludwigsburg/Stuttgart. Viele Autofahrer, die in den vergangenen Tagen im Landkreis Ludwigsburg Fahrzeuge erfolglos an-, um- oder abmelden wollten, werden aufatmen. Seit dieser Woche geht dies wieder. Wegen der Coronakrise hatte die Kfz-Zulassung in Ludwigsburg und ihre Außenstellen sowie auch die Führerscheinstelle seit dem 17. März geschlossen. Das Landratsamt wies darauf auf seiner Homepage hin. Der Grund: „Alle Kundenkontakte sind zum Schutz der Beschäftigten nur noch in zwingenden Notfällen und nach telefonischer Terminvereinbarung möglich“, so die Behörde. Auch Auto-, Motorrad- oder Wohnmobilbesitzer, die ihre Saisonzulassung ändern lassen wollten, hatten bisher schlechte Karten. Mit den Autobesitzern sitzen die Autohäuser zwar im gleichen Boot, allerdings haben die Händler in einem bestimmten Umfang Neu- oder Gebrauchtwagen zugelassen bekommen. Jedoch beträgt der Zulassungsstau im Landkreis nach Angaben der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart mehr als 100 Autos.

„Die Coronakrise bringt für den Kfz-Handel einerseits ein Verbot des stationären Verkaufs mit sich“, klagt der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg in Stuttgart. Online oder telefonisch sei ein Verkauf zwar möglich. Autohäuser können ihren Kunden bereits gekaufte Fahrzeuge auch ausliefern. Allerdings gibt es ein Problem, das die Händler Tage kosten könne: Zuvor muss das Auto ja zugelassen werden. Und daran hapert es bisher.

Zumindest im Landkreis hat sich nun etwas für Privatkunden geändert. „Für Privatkunden haben wir bisher die Regelung, dass nicht zwingend notwendige Vorgänge wie Wohnsitzänderungen, Ausstellung von Ersatzdokumenten und technische Änderungen nicht eingetragen werden“, erklärt Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamts. Dies betreffe auch die Zulassung von Freizeitfahrzeugen wie Krafträder oder Wohnmobile. Hintergrund sei, dass es bei Privatkunden im Regelfall ausreiche, wenn sie das entsprechende Gutachten, das für die Eintragung benötigt werde, bis zu einer Änderung der Papiere mitführen. Seit dieser Woche ist diese Beschränkung wieder aufgehoben. Privatleute können ihre Fahrzeuge nach telefonischer Voranmeldung wieder bei der Zulassungsstelle an-, um- oder abmelden. Allerdings kann es sein, dass man aufgrund des zu erwartenden Ansturm auch telefonisch nicht so einfach durchkommt. Die Außenstellen bleiben weiterhin geschlossen.

„Für die Autohäuser gibt es keine Beschränkung in dieser Richtung“, erklärt Fritz, „auch wenn in den ersten Tagen der coronabedingten Beschränkungen die Autohäuser gebeten wurden, sich auf wichtige Zulassungsvorgänge zu konzentrieren.“ „Derzeit haben pro Tag im Schnitt 25 Autohäuser und Zulassungsdienste die Möglichkeit, ihre Zulassungen abzugeben“, sagt der Behördensprecher. Diese erhalten jeweils einen Termin pro Woche. Organisatorisch sei es nicht möglich, weitere Termine einzuplanen. „Die Zahl der Zulassungsvorgänge für die Autohäuser und Zulassungsdienste ist auf 30 Vorgänge pro Termin beschränkt“, so Fritz. Die Autohäuser hätten die Möglichkeit, auch technische Änderungen eintragen zu lassen. Die Entscheidung liege bei den Autohäusern selbst.

Viele Autohäuser wünschen sich eine flexiblere Lösung. Für Markus Klein, den Kreisvorsitzenden der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, zeigen die Zulassungszahlen klar: „Wir brauchen weitere Termine, um den Zulassungsstau abbauen zu können. „Es gibt auch Betriebe, die sich bei uns in der Innung melden und klagen, dass sie nicht ausreichend Termine bekommen“, sagt Christian Reher, der Geschäftsführer der Innung.

„Wir lassen normalerweise 20 Neu- und Gebrauchtwagen täglich zu“, sagt Jürgen Weller. „Wir bekommen bestellte Autos angeliefert, die die Kunden brauchen und übernehmen wollen, kriegen sie aber nicht zeitnah zugelassen“, sagt der Geschäftsführer des Opel-Autohauses in Bietigheim-Bissingen. Weller kann jeweils montags sein Kontingent von 30 Autos zulassen. „Wir bekommen derzeit nur zehn bis 20 Prozent der Autos zugelassen wie normal.“ Dadurch, dass im stationären Handel derzeit keine Wagen verkauft werden könnten, werde es tendenziell jedoch eher weniger. „Wenn wir jeden Tag einige Autos zulassen könnten“, sei dadurch gerade in der Coronakrise der Kundenandrang eher auf die Woche verteilt.

Dies sieht man beim Autohaus Rhein in Ludwigsburg ähnlich. „Unser Zulassungsdienst kann nur einmal die Woche 30 Fahrzeuge zulassen“, sagt Tanja Schneider, Assistentin der Geschäftsleitung bei dem BMW- und Mini-Händler. „Normalerweise haben wir täglich zehn Autos.“ Auch Rhein wünscht sich bessere Öffnungszeiten der Kfz-Zulassung und mehr Kapazität. Das Autohaus Tschirner und Fuchs in Ludwigsburg-Neckarweihingen wiederum ist von An- und Abmeldungen von Fahrzeugen weniger betroffen, sieht sich aber mit einer anderen Problematik konfrontiert. „Für uns ist ganz schlecht, dass man bei Umrüstungen von Euro-5-Dieseln keine Eintragungen in die Papiere machen lassen kann“, betont Petra Tschirner, die Chefin des VW- und Audi-Autohauses. Hintergrund ist, dass ein Autobesitzer die Umrüstungsprämie von 3000 Euro erst dann beim Hersteller (Volkswagen) beantragen kann, wenn die Umrüstungsdaten in den Fahrzeugpapieren eingetragen worden sind. „Das Resultat ist, dass wir keine Diesel umrüsten können“, sagt Tschirner. Derzeit liegen in der Werkstatt fünf Umrüst-Kits bereit. Die Kunden würden den Einbau wegen der Coronakrise verschieben. 20 Kunden, die ihre Euro-5-Diesel auf Euro 6 nachrüsten lassen wollten, würden abwarten.

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