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Zentraler Omnibusbahnhof

Radler sollen einen Ring fahren

Der neue Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) stellt die Planer vor Herausforderungen. Beim Thema Fahrradfahrer kommen sie jetzt an ihre Grenzen, denn es fehlt der nötige Platz. Ein Fahrradring soll die Lösung sein – doch der bedeutet weitere Wege.

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Ludwigsburg. Es gibt zu wenig Platz. Auf diese einfache Formel lassen sich viele Probleme bringen, die den Planern des neuen ZOB Kopfzerbrechen bereiten. Wartende Fahrgäste, Busse, Fußgänger, Radfahrer und die geplante Stadtbahn – alle brauchen ausreichend Platz. Weil es laut Verkehrsplaner Christoph Hubberten extrem schwierig ist, alle Ansprüche unterzubringen, sollen die Radfahrer künftig draußen bleiben: „Wir wollen den Radverkehr um den ZOB herumführen“, erklärte er vor Stadträten in der Sitzung des Mobilitätsausschusses. So sollen Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern ganz vermieden werden. Radler sollen den ZOB nicht mehr queren. Wer zum Bahnhof will, stellt sein Fahrrad in einem der künftig zwei Fahrradparkhäuser ab oder nimmt das Rad mit in den Zug – so weit die Vorstellung der Planer.

Wie in der Karte grün dargestellt, soll der Fahrradring im Westen von der Pflugfelder Straße über die Schwieberdinger Straße hinweg auf die Saarstraße, die Hermann-Hagenmeyer-Straße und die Kopfstraße hinweg geführt werden und am Gießhaussteg die Bahngleise queren. Christine Knoß (Grüne) erinnerte an die Topographie und die an dieser Stelle unangenehme Steigung. Auch die Pflugfelder Straße empfindet sie als unangenehm für Fahrradfahrer. CDU-Stadtrat Maik Stefan Braumann vermisste in der Sitzung Skizzen von Straßenquerschnitten, um ein Bild davon zu bekommen, wie sich die Straßen durch den Fahrradring verändern werden.

Tatsächlich stellt die fehlende Straßenbreite beim Fahrradring an manchen Stellen ein Problem dar. So kann in der schmalen Solitudestraße nicht überall ein Radweg gebaut werden. Knotenpunkte wie an der Einmündung der Solitudestraße mit der Mathildenstraße sowie vom Schillerdurchlass in die Pflugfelder Straße stehen im Fokus der Planer: „Das Abbiegen muss verbessert werden.“

Bei den Stadträten im Mobilitätsausschuss hielt sich die Begeisterung für den Fahrradkompromiss in Grenzen. „Die Schillerstraße kann so nicht bleiben“, folgerte Margit Liepins (SPD). Auch in der Pflugfelder Straße lauern ihrer Meinung nach die nächsten Konflikte, weil dort der Schwerpunkt für den Autoverkehr zum Bahnhof konzipiert ist.

„Die Planung ist gut gemeint, aber in der Praxis werden die meisten Radfahrer doch über den ZOB fahren“, vermutet Andreas Rothacker (Freie Wähler). Er ist sich sicher, dass sich Fahrradfahrer immer den kürzesten Weg suchen. „Wir müssen den Weg drumherum so gut machen, dass die Leute dem ZOB fernbleiben“, folgerte Jürgen Müller (Linke).

Der Stadtverwaltung zufolge betragen die Umwege weniger als 20 Prozent und werden bei einer entsprechend attraktiven Gestaltung nach einschlägigen Forschungsergebnissen von Radfahrenden in Kauf genommen.

Ähnlich bewertet dies auch die Radwegeinitiative Ludwigsburg in ihrer Stellungnahme. „Damit die Route von den Radfahrern angenommen wird, muss der Ring komfortabel und schnell sein“, schreiben Tina Murphy und Markus Scheid. „Einen Umweg nehmen die meisten Radfahrer für die Sicherheit gerne in Kauf. Zeitverlust wird aber selten akzeptiert.“ Sprich: Der Weg darf länger sein, muss aber genauso schnell zurückgelegt werden können.

Die Radwegeinitiative wünscht sich, dass der Fahrradring als Hauptradroute ausgebaut wird. „Planungsgrundlage hierfür sollte die ‚Musterlösung für Radschnellverbindungen in Baden Württemberg‘ sein“, schreiben sie. Im Klartext bedeutet dies: kurze Wartezeiten an der Ampel, Fahrradstraßen oder getrennte Radwege und ein Ring in beide Richtungen.

Das bedeute, „dass die bisher von der Stadt angesprochenen Umbaumaßnahmen bei weitem nicht ausreichen, um den gesetzlichen Vorgaben zu genügen“, so Murphy und Scheid. Ihr Fazit: „Um das Konzept erfolgreich zu gestalten, muss der Durchgangsverkehr für Autos in der Innenstadt erheblich reduziert werden. Es sind massive Eingriffe in den Autoverkehr und dessen Führung notwendig.“

Die Liste der Maßnahmen klingt bei der Stadt indes weitaus weniger dramatisch. Am Beispiel der Pflugfelder Straße wird der Konflikt sichtbar: Weil dort Tempo 20 herrscht, sind aus Sicht der Verwaltung keine baulichen Veränderungen erforderlich. Die Fahrradfahrer können dank Tempo 20 gemeinsam mit den Autos die Straße nutzen. Die Radwegeinitiative hingegen führt an, dass die Straße nicht als Hauptroute für den Raddurchgangsverkehr geeignet ist. Die Andienung des Bahnhofs, zwei Parkhäuser und mehrere Hotels sorgen aus Sicht der Radlerorganisation für zu viel Autoverkehr, der Konflikte mit den Radlern mit sich bringt.

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