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Radverleih: Erfahrungen sind durchwachsen

Wie gegen Fahrverbote bestehen? Die Antwort aus dem Ludwigsburger Rathaus setzt stark auf einen Ausbau des Radverkehrs. Das betrifft auch das Angebot von Leihfahrrädern. Die bisherigen Erfahrungen damit sind allerdings nicht nur positiv.

Die hellblauen Gefährte von RegioRad. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die hellblauen Gefährte von RegioRad. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Wenig Wirkung hat in den vergangenen Jahren in Ludwigsburg das Angebot von Leihfahrrädern gezeigt. Das Leuchtturmprojekt: am Bahnhof eine Verleihstation mit zehn elektrischen Fahrrädern, auch Pedelecs genannt. Ähnliche Stationen waren in den Jahren von 2013 bis 2016 auch in zwölf anderen Kommunen der Region Stuttgart aufgebaut worden.

Die Bilanz ist eher bescheiden. Der Steuerzahlerbund hat diese Pedelec-Stationen kürzlich sogar als Geldverschwendung gebrandmarkt. „Ausleihen von Pedelecs findet kaum Interesse“, schreibt der Steuerzahlerbund in seinem aktuellen Schwarzbuch mit Beispielen für die Verschwendung von Steuergeldern.

Ernüchternd ist nach den Zahlen des Steuerzahlerbunds der Blick auf die Ausleihzahlen. Schon zu Beginn nicht berauschend, waren sie an einigen Standorten nach der Startphase auch noch rückläufig (siehe auch Infokasten).

Es ist die Bilanz eines Projekts, das es in dieser Form inzwischen nicht mehr gibt. Die Pedelec-Verleihstationen sind kürzlich integriert worden in eine neues, deutlich größeres und für die gesamte Region einheitliches Radverleihsystem mit Namen RegioRad Stuttgart.

Ausgedient hat damit am Bahnhof auch das Holzhäuschen, in dem die Pedelecs zum Verleih standen. Das geschlossene Gebäude habe sich in zahlreichen Fällen einer spontanen Ausleihe eher als hinderlich erwiesen, heißt es in einer Bilanz der Stadtverwaltung. Es war eigens in nachhaltiger Holzbauweise für fast 100.000 Euro erbaut worden. Was damit geschehen wird, ist nach Auskunft der Stadtverwaltung noch offen.

Auch der ursprüngliche Gedanke, die behausten Pedelec-Stationen als Parkplatz für andere, private Fahrräder anzubieten, habe sich nicht bewährt und sei nur in sehr geringem Umfang genutzt worden, heißt es. Dagegen sind die RegioRad-Stationen offen und meist an Gehwegen oder auf öffentlichen Plätzen angelegt. Am Ludwigsburger Bahnhof wird es an der Stelle der Pedelec-Station keinen Ersatz geben. RegioRad Stuttgart gibt es nur noch an der Verleihstation beim Westausgang des Bahnhofs. Dort stehen zehn Räder, vor allem konventioneller Art, nur noch zwei Pedelecs.

In Ludwigsburg sind noch nicht alle geplanten Stationen aufgebaut. Bisher sind es vier Stationen, die am Bahnhof, eine in der Lindenstraße (Innenstadt) sowie zwei in der Weststadt. Es fehlen noch die Stationen am Klinikum, bei Hoheneck am Neckar und an der Pädagogischen Hochschule. „Es dürfte wohl bis zum Beginn der Radsaison im nächsten Frühjahr so weit sein“, sagt Ralf Maier-Geißer, der aus dem Stuttgarter Rathaus heraus das RegioRad-System betreut. Betreiber ist die Bahn-Tochter Bahn Connect GmbH.

Der neue Verleih ist seit etwa einem halben Jahr in Betrieb, belastbare Zahlen über die Nutzung in Ludwigsburg könne man noch nicht nennen, sagt Maier-Geißer. Was ihm aber auffällt: Die Strecke zwischen dem Bahnhof und dem Gewerbegebiet Weststadt mit der Grönerstraße und den beiden Stationen dort wird sehr gut angenommen.

Die Stadt könne sich also durchaus überlegen, am Bahnhof mehr Räder aufzustellen als bisher. „Zuletzt ist die Station immer wieder leer gelaufen, vor allem morgens und vormittags, wenn die Pendler vom Bahnhof zum Arbeitsplatz fahren“, so Maier-Geißer. Bei der Erweiterung einer bestehenden Verleihstation mit fünf Fahrrädern müsse die Stadt dann mit Kosten von rund 4400 Euro pro Jahr rechnen.

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