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Digitalpakt

„Richtig ist der Durchbruch nicht gelungen“

Die Digitalisierung der Schulen schreitet voran, doch Corona mit dem Einstieg ins Fernlernen hat gezeigt: nicht schnell genug. 3,5 Millionen Euro bekommt Ludwigsburg mit dem Digitalpakt vom Land. Geld, das in Infrastruktur und Ausstattung fließt – für alle Schulen reicht das Geld aber nicht.

Digitales Lernen in der Schule ist ein Prozess. Es fängt mit der Ausstattung an, hört aber mit Lernkonzepten nicht auf.Foto: David Fuentes/Stock Adobe
Digitales Lernen in der Schule ist ein Prozess. Es fängt mit der Ausstattung an, hört aber mit Lernkonzepten nicht auf. Foto: David Fuentes/Stock Adobe

Ludwigsburg. „Wie setzt Ludwigsburg die Mittel und die damit verbundenen Leistungen um? Wie machen wir das Beste daraus für unsere Stadt?“ Das waren die zentralen Fragen, die FDP-Stadträtin Stefanie Knecht in einem Antrag an die Stadtverwaltung gestellt hatte und die sich mit „Was passiert eigentlich mit dem Geld aus dem Digitalpakt?“ übersetzen ließe. Die Antwort der Stadt im Sozialausschuss des Gemeinderats erweckte einerseits Hoffnung bei FDP-Rat Johann Heer („Es stimmt mich ein bisschen zuversichtlich, was Sie vorgetragen haben“), andererseits „müssen wir einfach ein bisschen mehr puschen“.

Seit 2017 rüstet die Stadt ihre 23 Schulen digital auf, pro Jahr sollen 50 Räume mit Beamer, Lautsprecherboxen, Dokumentenkamera und Bedienlaptop für den Lehrer ausgestattet werden. Bisher sei in der Hälfte aller Klassenräume das alte Tafelsystem ausgetauscht worden, hatte der Abteilungsleiter Schule, Daniel Wittmann, zuvor in einem Gespräch mit unserer Zeitung gesagt. Die neuen Systeme arbeiten mit Beamer und digitalen Whiteboards, auf die auch geschrieben werden kann.

Infrastruktur, Netzwerke und Ausstattung sind im Fokus

Von den fünf Milliarden Euro, die vom Bund in fünf Jahren mit dem Digitalpakt verteilt werden, entfallen auf Ludwigsburg an die 3,5 Millionen Euro. Diese werden in Ausstattung und Infrastruktur gesteckt. Grundlage sind laut Wittmann die Multimediaempfehlungen von Land und Städtetag. Erforderlich ist die Versorgung der Schulen mit Internet- und Netzwerkstruktur. „Der Laptop hilft nichts, wenn das WLAN nicht geht.“

Einige Schulen sind über die städtische Glasfaser an das weltweite Netz angeschlossen, wieder andere über die Stadtwerke, über die Telekom mit einem eigenen Schulnetz oder über das landeseigene Hochschul-Glasfasernetz. Hinzu kommen die Anforderungen innerhalb der Schulen an leistungsfähige Server, Verkabelung oder bauliche Veränderungen.

Bei Neubauprojekten, so Wittmann, sei die digitale Grundausstattung „ein Standard, den wir anstreben“. Die gilt auch für Sanierungen – so ist künftig nicht nur die neue Fuchshofgrundschule, sondern auch die Friedrich-von-Keller-Schule in Neckarweihingen sowie die Oßweiler August-Lämmle-Schule ganz vorne mit dabei. Wittmann schränkte aber gleich ein: „Die 3,5 Millionen reichen nicht für eine gleichwertige Ausstattung aller Schulen.“

Bürgermeister kritisiert Land das „Millionen versenkt“

Zudem es umstritten ist, was Digitalisierung eigentlich bedeutet. Hubertus von Stackelberg (SPD) sagte, „es braucht ein E-Konzept“ für elektronisches Lernen und digitale Lernplattformen statt Büchern. Ein Gesamtkonzept sei „ganz, ganz dringend“. Ein Medienkonzept soll laut Stadt im Sommer stehen – ob sich das durch die Corona-Beschränkungen verschiebt, wird sich zeigen. Die Geräte nur zu benutzen habe mit Digitalisierung noch nichts zu tun, sagte Erster Bürgermeister Konrad Seigfried. „So richtig ist der Durchbruch noch nicht gelungen.“ Dabei nahm er auch die grün-schwarze Landesregierung aufs Korn. Diese hätte auf der Suche nach digitalen Systemen und einheitlichen Lernplattformen „Millionen versenkt“, sagte er. „Es mangelt an Entscheidungen.“

Im Schulbeirat sitzt Gabriele Seyfang (CDU), die die Botschaft mitbrachte, dass die Digitalisierung dringend kommen müsse. Sie plädierte dafür, die analoge Lernmittelfreiheit etwa für Bücher auf Laptops auszuweiten. Während Elfriede Steinwand (Grüne) von Corona als Chance für die Digitalisierung sprach, sah von Stackelberg durchaus Probleme. Die Familien hätten eine völlig unterschiedliche Ausstattung zu Hause.

Das Thema ist auch in der Verwaltung angekommen. Einerseits gingen die Schulen mit „unglaublichem Engagement“ an die Herausforderung Fernlernen, andererseits beobachte man, dass einige Schüler in diesen Zeiten nicht zu erreichen seien, weil das Umfeld und die Geräte fehlten, sagte Wittmann. Der Idee, die Schulen mit genügend Endgeräten auszustatten, erteilte er im Gespräch jedoch eine Absage. „Es hilft nichts, Laptops zu verteilen, die nicht genutzt werden“, sagte er. Dagegen sei es wichtig, Strukturen und Wege beim digitalen Lernen zu optimieren. Der Erfolg oder Misserfolg hänge auch stark von der jeweiligen Schulgemeinschaft ab.

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