Logo

Nachhaltigkeitstage

Richtiges Gärtnern im Klimawandel

Gut besuchte Führung durch das Blühende Barock mit Direktor Volker Kugel – Rosen sind Gewinner der Veränderungen

Tipps aus erster Hand: Hobbygärtner erfahren von Blüba-Direktor Volker Kugel, wie sie ihre grünen Oasen auf die klimatischen Veränderungen vorbereiten können. Foto: Andreas Becker
Tipps aus erster Hand: Hobbygärtner erfahren von Blüba-Direktor Volker Kugel, wie sie ihre grünen Oasen auf die klimatischen Veränderungen vorbereiten können. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Sie heißen Perückenstrauch, Bartblume, Blauraute, Apfelbeere oder Säckelblume und haben eines gemeinsam: Sie sind hart im Nehmen und halten auch einen langen trockenen Sommer aus. Der Klimawandel fordert zweifelsohne den Hobbygärtner. Im Rahmen der Nachhaltigkeitstage der Stadt bekamen sie nun Tipps von Blüba-Chef Volker Kugel.

Die über 20-köpfige Gruppe erfuhr dabei nicht nur, wie sich das Blühende Barock auf klimatische Veränderungen einstellt, sondern was auch sie im heimischen Garten tun können. Volker Kugel wurde dabei seinem Ruf als unterhaltsamer Experte gerecht. In der SWR-Sendung Grünzeug stellt er das regelmäßig unter Beweis und Kugel fand auch klare Worte zum Thema Klimawandel: Der ist seiner Einschätzung nach nicht mehr zu leugnen. „Die Natur stellt sich darauf ein“, berichtete Kugel. Also mehr milde Winter und trockene, heiße Sommer. Auch wenn es immer mal Ausreißer gebe, die langfristige Entwicklung zeige klar auf, dass im Garten mit Veränderungen zu rechnen sei. Und das Blüba reagiere bereits darauf.

Beispielsweise mit der Bewässerung, die nun dank effizienter Technik gezielter möglich sei. „Wir bewässern also nicht mehr den Asphalt“, so Kugel. Außerdem werden im Blüba bei wochenlanger Trockenheit nicht mehr die großen Rasenflächen beim Schorndorfer Tor befeuchtet. Eine Ausnahme bilden lediglich die mittleren Grünstreifen. „Eine komplette Bewässerung würde uns über 15.000 Euro kosten“, gab Kugel zu bedenken.

Vorbei ging es an den Blumenrabatten und Kugel wies auf die klaren Gewinner des Klimawandels hin: Die Rosen, die mit trockenen Sommern keine Probleme hätten. Er riet aber dazu, wilde Sorten mit offenen Blüten zu pflanzen, da sie auch Insekten reichlich Nahrung bieten. Und beim Betrachten der Blumenrabatten zeigte sich ebenfalls ein gärtnerisches Umdenken. Die Beete sind jetzt mit robusten Zwerg-Eiben umrahmt, nachdem der Zünsler den so beliebten Buchsbäumen den Garaus gemacht hat.

Das Blüba-Team setzt nun auf eine Bepflanzung mit farbenfroher, insektenfreundlicher Blumenpracht sowie Begleitkräutern wie Thymian oder Salbei. Die reichlich Früchte tragenden Zitronenbäume in großen Kübeln vor der Südfront des Schlosses sind laut Kugel keine neue Antwort auf dem Klimawandel, sondern ein Andenken an Herzog Carl Eugen (1728-1793). Der absolutistische Herrscher hatte ein Faible fürs Mediterrane und so wurde die Orangerie gebaut, um die exotischen Pflanzen über den Winter zu bringen und damit er auch seinen Geburtstag im Februar umringt von Zitronenbäumen feiern konnte.

Die Zeiten ändern sich, denn heute überwintern selbst bestimmte Palmenarten draußen. „Das hätte ich vor 30 Jahren nicht für möglich gehalten“, so Kugel. Die Palmen, die im Winter draußen bleiben, erhalten aber dem Blüba-Chef zufolge einen dicken Wintermantel aus Strohmatten.

Beim Gang in die mediterranen Gefilde am Schüsselessee lenkte Kugel den Blick auf den üppig bewachsenen, als Insel angelegten Staudengarten und machte deutlich, dass auch Rasen zu einem schönen Garten gehöre. Er strukturiere, bringe Pflanzen zur Geltung, speichere ebenfalls das Treibhausgas CO und sei im Gegensatz zu Schottergärten ökologisch nicht tot. Ein weiterer Vorteil jeglicher Pflanzenpracht: Sie wirke temperaturausgleichend. Kugel gab zu bedenken, dass eine Blumenwiese im Garten sinnvoll sei, aber die dürfe dann auch nicht betreten werden. Und nach dem Aussäen brauche man erst einmal etwas Geduld.

Was macht es aus, dass manche Pflanzen selbst heiße, trockene Sommer überstehen? Kugel wies auf die Blattarten hin. Feine, die Wasserverdunstung reduzierende Härchen, ledrige Strukturen oder dickes, wasserspeicherndes Blattwerk bringen den Erfolg. Auf einem Tisch hatte der Grünzeug-Experte die Pflanzen aufgereiht, die sommerliche Trockenheit gut wegstecken. Die Felsenbirne, der Schmetterlingsflieder, die Mittelmeer-Wolfmilch, das Teppich-Fettblatt und auch der duftende Lavendel. Kugel wies noch auf ein weiteres Thema hin: Die meisten Gartengeräte im Blüba laufen jetzt mit Akkus, die mit eigenem Solarstrom geladen werden. Auch das ist ein Stück Nachhaltigkeit.

Autor: