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Personalnot

Rund 100 Fahrlehrer fehlen im Landkreis Ludwigsburg

Der Fachkräftemangel beschäftigt nicht nur Industrie und Handwerk. Auch den heimischen Fahrschulen gehen die Mitarbeiter aus. Im Landkreis Ludwigsburg fehlen rund 100 Fahrlehrer, wie der Kreisvorsitzende des Fahrlehrerverbandes, Ralf Nicolai, schätzt.

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Fahrsimulatoren halten auch in heimischen Fahrschulen, wie hier bei Goller, Einzug Doch das kann die qualifizierten Fahrlehrer nicht ersetzen.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg/Korntal-Münchingen. „Wir suchen einen motivierten Fahrlehrer“ – so wirbt eine Remsecker Fahrschule in der Jobbörse der Arbeitsagentur. Und eine Fahrschule aus Bietigheim-Bissingen wirbt auf dem Anzeigen-Marktplatz des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg mit „guter Bezahlung, freier Arbeitszeiteinteilung und einem modernen Dienstwagen“, den man auch privat nutzen könne. Die Inserate sind keine Einzelfälle, die Branche ringt derzeit im ganzen Land um Personal.

„Fast jede Fahrschule im Landkreis kann noch einen weiteren Fahrlehrer brauchen“, erklärt der Ludwigsburger Kreisvorsitzende des Fahrlehrerverbandes, Ralf Nicolai. Bei rund 100 Fahrschulen im Kreis komme so ein Bedarf von rund 100 zusätzlichen Fachkräften zusammen.

Der Landkreis steht mit dem Problem nicht allein. „Wir sind in dieser Hinsicht repräsentativ für das Land“, sagt Nicolai, der auch Vizepräsident des Landesverbandes ist. Und der Mangel wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Die Hälfte der jetzt tätigen Ausbilder geht nach Verbandsangaben in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand. Im Jahr 2016 wurden landesweit 4735 Fahrlehrer gezählt, ein Jahr zuvor waren es noch 4953. Aktuelle Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor.

Dass Fahrlehrer fehlen, hat zum einen mit der allgemeinen Situation am Arbeitsmarkt in der Region Stuttgart zu tun. Denn die Fahrschulen konkurrieren mit anderen Branchen um Berufsnachwuchs. Und weil man Fahrlehrer erst mit 21 Jahren werden kann, haben die, die für die Ausbildung infrage kommen, oft schon einen anderen Berufsabschluss in der Tasche, erläutert Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrverbandes Baden-Württemberg. Dieser hat seinen Sitz in Korntal-Münchingen. Aber diese Ausbildungsbetriebe seien natürlich bestrebt, ihre eigenen Leute im Beruf und im Unternehmen zu halten.

Hinzu kommt, dass den Fahrschulen eine über Jahrzehnte zuverlässige Fahrlehrer-quelle ausfällt: die Bundeswehr. Die Truppe hatte früher sehr viele Fahrlehrer ausgebildet, die nach dem Ende ihrer Dienstzeit in der Privatwirtschaft weiterarbeiteten. Dies sei mit Abschaffung der Wehrpflicht aber praktisch weggefallen, so Klima.

Die Verbandsvertreter hoffen nun, dass eine Änderung des Fahrlehrergesetzes, die zum Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, einen personellen Schub auslöst. Denn dadurch wird die Ausbildung erheblich verändert. „Alles Technikwissen wird nun über Bord geworfen“, sagt Klima. Vor Jahrzehnten habe man sogar eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker gebraucht, um Fahrlehrer werden zu können. Stattdessen würden nun die sozialen Kompetenzen und die didaktischen und pädagogischen Inhalte in der Fahrlehrerausbildung gestärkt.

Gleichzeitig werden die Anforderungen an die Interessenten gelockert. Um Fahrlehrer werden zu können, reicht es nun, den Pkw-Führerschein zu haben. Bisher waren auch der Lkw- und der Motorradführerschein Pflicht. „Wir hoffen, dass sich durch die Änderungen mehr Frauen für den Beruf entscheiden“, sagt Klima. Wenn man Ralf Nicolai fragt, wie er einem Interessenten seinen Beruf schmackhaft macht, zählt er auf: „Man hat viel mit jungen Leuten zu tun und ist flexibel in der Arbeitszeit, weil sich auch angestellte Fahrlehrer ihre Unterrichtsstunden selbst einteilen.“ Und die Löhne seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Ein angestellter Fahrlehrer verdiene derzeit etwa 3000 Euro brutto. Denn der Personalmangel hat für die Branche auch sein Gutes. Es gibt derzeit keinen Preiskampf mehr zwischen den Fahrschulen, weil es kein Überangebot mehr an Plätzen für Fahrschüler gibt, wie noch vor einigen Jahren. Deshalb seien auch die Preise für den Führerschein gestiegen und die Fahrschulen in der Lage, bessere Löhne zu zahlen, sagt Klima.

Für die Fahrschüler bedeutet dies, dass sie für die Fahrerlaubnis tiefer in die Tasche greifen müssen als frühere Generationen. Doch zumindest Wartezeiten gibt es in heimischen Fahrschulen nach Aussage des Verbandsvorsitzenden nicht. Doch selbst das wäre für die Kundschaft möglicherweise gar kein Problem. Anders als ihre Eltern wollen die Jugendlichen heute nicht mit 18 sofort den Führerschein machen. „Oft kommen sie erst mit 20 oder 21“, erklärt Klima. Und viele junge Leute ließen sich dann mit der Fahrschule sehr viel Zeit.