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Freies WLAN

S-Bahn-Flotte sucht den Anschluss

Der Stuttgarter Regionalverband stellt die Weichen für freies WLAN in den S-Bahn-Zügen. Dafür werden Investitionen in Höhe von rund fünf Millionen Euro nötig.

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Foto: Deutsche Bahn
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Ludwigsburg. Es gibt schönere Aufgaben als die des S-Bahn-Chefs in der Region Stuttgart. Züge sind verspätet, Weichen und Signalanlagen verschlissen – und regelmäßig verirren sich Luftballons in die Oberleitungen, was zu Stillstand führt. Die Liste der Probleme ist lang, der Ärger bei den Fahrgästen meist groß.

Doch in diesen Tagen hat S-Bahn-Chef Dirk Rothenstein Grund zur Zufriedenheit, denn der Stuttgarter Regionalverband hat grünes Licht für den flächendeckenden Einsatz von freiem WLAN in den roten Zügen gegeben. Die Konsequenz: Pendler, Touristen und Gelegenheitsfahrer können künftig während ihrer Reise kostenlos chatten, mailen und im Internet surfen.

Damit geht ein fast eineinhalb Jahre langer Testlauf in zwei Zügen der Kreis-S-Bahn-Linien 4,5 und 6 zu Ende. „Wir freuen uns, dass die Ergebnisse aus unserer Pilotphase die Gremien überzeugt haben“, sagt Rothenstein.

Bereits im Herbst soll mit der Umrüstung der knapp 160 S-Bahnen, die derzeit in der Region unterwegs sind, begonnen werden. Innerhalb von 24 Monaten will das Unternehmen die neue Technik überall eingebaut haben.

Die Bahn und der Regionalverband lassen sich das Projekt rund fünf Millionen Euro kosten – 3,5 Millionen Euro stellt die Region zur Verfügung. Das Geld stammt aus Strafzahlungen, die die Bahn leisten muss, weil ihre Züge zu häufig unpünktlich sind oder gar ganz ausfallen. Außerdem schießt der Verband, der den S-Bahn-Verkehr bestellt, 375 000 Euro für den Betrieb und 300 000 Euro für den Datenverkehr dazu. Die Regionaldirektorin Nicola Schelling im Verkehrsausschuss: „Wir werden die erste S-Bahn in Deutschland sein, die ihren Fahrgästen ein solches Angebot macht.“

Ein Selbstläufer war es allerdings nicht, dass die Züge nach Ansicht der DB nun zu „rollenden Hotspots“ werden. Das knappe Ergebnis im Verkehrsausschuss: 13:11 für WLAN bei fünf Enthaltungen. Bedenken formulierten vor allem Grüne, Freie Wähler und Sozialdemokraten. „Der Vertrag, den wir ausgehandelt haben, ist nicht besonders lukrativ“, sagte der Stuttgarter Grüne Michael Lateier. Die SPD kritisierte, dass „enorme Kosten anfallen, und der Nutzen eher gering ist“. Der Plochinger Bürgermeister und Freie Wähler Frank Buß forderte die Geschäftsstelle auf, nachzujustieren und bessere Konditionen bei der Bahn auszuhandeln. Allerdings räumte er auch ein: „WLAN bedeutet ein Stück Lebensqualität.“

Unzufrieden sind eine Reihe von Kommunalpolitikern zudem mit der Umsetzung des angepeilten Nachrichten- und Informationsportals, das den Fahrgästen angeboten werden soll. „Dort taucht der Regionalverband nicht auf“, so die grüne Eva Mannhardt aus Korntal-Münchingen.

Der regionale Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler verteidigte das Verhandlungsergebnis mit der Bahn im Verkehrsausschuss. „Wir haben einen Verkehrsvertrag, der bis 2028 läuft und eigentlich kein freies WLAN vorsieht. Außerdem sind wir von den Betriebskosten deutlich heruntergekommen.“ Unterstützung gab es vor allem aus der CDU. „Wir bieten unseren Fahrgästen ein Plus an Komfort, das wichtig ist“, so der Regionalpolitiker Matthias Pröfrock aus Korb.

Die Stuttgarter S-Bahn will nun die Technik nutzen, auf die bereits die Deutsche Bahn in ihren Zügen vertraut. „Somit haben wir nicht nur einen Router pro Fahrzeug“, sagt Projektleiter Timo Schnieringer, „sondern in jedem Fahrzeugteil auch weitere drahtlose Zugangspunkte vorgesehen.“ Das Ziel: Möglichst viele Nutzer sollen ein stabiles Signal auf ihren Smartphones empfangen können – ohne dass es auf dem Display ruckelt und zuckelt.