Logo

Jugend

Schließdienst für den Bolzplatz

Anwohner klagt wegen Lärm und bekommt Recht – Nutzung unter Auflagen – Neue Verordnung könnte zu Änderung führen

350_0900_15273_COKRBolzplatzSachs.jpg
Der jetzt eingezäunte Bolzplatz in Kleinsachsenheim.Foto: Alfred Drossel

Ludwigsburg. Ärger mit dem Bolzplatz in Kleinsachsenheim. Ein Nachbar fühlt sich vom Lärm gestört und beschwert sich. Er bekommt Recht. Die Stadt hat den Bolzplatz einzäunen müssen. Künftig muss der Betrieb kontrolliert werden.

Der Bolzplatz wurde in den 1980er Jahren bei den Schul- und Sportanlagen angelegt. Zunächst stand er nur dem Schulsport zur Verfügung, wurde dann aber für alle geöffnet. Alles lief problemlos, bis 2007 in der Nachbarschaft ein Baugebiet geschaffen wurde. Den Ärger ahnend, wies die Stadt die direkt angrenzenden Grundstücke als Mischgebiet aus. Dafür gelten weniger strenge Lärmvorschriften als für reine Wohngebiete. Deshalb waren auch die Grundstückspreise niedriger.

Ein Anwohner fühlte sich vom Bolzplatzbetrieb trotzdem gestört und reichte über seinen Anwalt Beschwerde beim Landratsamt ein. Daraufhin bekam die Stadt zur Auflage, eine nachträgliche Baugenehmigung einzuholen und auch ein neues Lärmschutzgutachten erstellen zu lassen. Als alles erledigt war, erlaubte das Landratsamt die Nutzung des Bolzplatzes wieder, allerdings mit stark eingeschränkten Öffnungszeiten. So darf der mittlerweile eingezäunte Platz an Wochentagen in der Zeit von 8 bis 20 Uhr täglich acht Stunden lang genutzt werden, an Sonn- und Feiertagen in den Zeiten von 9 bis 13 Uhr und 15 bis 20 Uhr für maximal 5,5 Stunden pro Tag.

Eine weitere Auflage ist, den Betrieb des Platzes künftig zu kontrollieren. Das bedeutet für die Stadt, dass sie einen Kontroll- und Schließdienst einrichten muss. Die Stadt fühlt sich davon personell überfordert. „Wir bedauern sehr, dass wir den Kindern und Jugendlichen den Bolzplatz nur eingeschränkt zur Verfügung stellen können“, sagt Bürgermeister Horst Fiedler. „Aber die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind nun einmal so“. Zudem befürchtet der Schultes Auswirkungen auf andere Bolzplätze im Stadtgebiet. Außerdem werde diese Einschränkung auch Folgen für die Planung von neuen Bolzplätzen haben, sagt Fiedler.

Es gibt aber auch Hoffnung: Eine im Januar von Bundestag und Bundesrat verabschiedete, aktualisierte Version der Sportanlagenlärmschutzverordnung könnte für die Kommunen Erleichterung bringen, denn der Sachsenheimer Bolzplatz ist kein Einzelfall. Die neue Verordnung, die wohl vom Sommer an greift, wurde erlassen, um ein besseres Miteinander von Sport und Wohnen zu ermöglichen. In Baden-Württemberg gilt diese Verordnung auch für Bolzplätze. Im Jahr 2011 bewirkte eine ähnliche Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes, dass Lärm von Kindertagesstätten und Kinderspielplätzen nicht mehr als schädliche Umwelteinwirkung gilt. Die neue Verordnung würde die bestehenden Ruhezeiten ausschließen. Dann darf es künftig lauter sein. In einem Mischgebiet 60 Dezibel tagsüber und 45 Dezibel nachts.