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Kriminalität

Schnelle Reaktion auf junge Straftäter

Wer in jungen Jahren Straftaten begeht, soll schneller und damit wirksamer mit Sanktionen rechnen müssen. Das ist das Ziel, das Polizei und Justiz jetzt im Landkreis mit einem Haus des Jugendrechts schnell erreichen wollen. Standort der neuen Einrichtung ist aller Voraussicht nach Ludwigsburg.

Sie stehen hinter dem Projekt (von links): Polizeidirektor Markus Geistler, Amtsgerichtsdirektor Michael Stauß, Heiner Pfrommer vom Landratsamt, Oberstaatsanwalt Frank Rebmann, Polizeipräsident Burkhard Metzger und Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler.F
Sie stehen hinter dem Projekt (von links): Polizeidirektor Markus Geistler, Amtsgerichtsdirektor Michael Stauß, Heiner Pfrommer vom Landratsamt, Oberstaatsanwalt Frank Rebmann, Polizeipräsident Burkhard Metzger und Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler. Foto: Polizeipräsidium

Ludwigsburg. Nach positiven Erfahrungen in Stuttgart, Mannheim, Pforzheim und Heilbronn hat das Polizeipräsidium Ludwigsburg zusammen mit den Staatsanwaltschaften Stuttgart und Heilbronn sowie dem Landratsamt Ludwigsburg heute mit einem gemeinsamen Beschluss die Weichen zur Einrichtung eines „Haus des Jugendrechts“ im Kreis Ludwigsburg gestellt.

Im Haus des Jugendrechts arbeiten die mit der Jugendkriminalität befassten Institutionen Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendhilfe im Strafverfahren als gleichberechtigte Partner unter einem Dach zusammen. Im Rahmen dieser konzentrierten Jugendsachbearbeitung haben sie die Möglichkeit, zeitnah und abgestimmt auf Straftaten, die von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden begangen werden, zu reagieren.

Sie können vor dem Hintergrund des im Jugendstrafrecht verankerten Erziehungsgedankens innerhalb kurzer Zeit passgenau reagieren und konkrete Hilfen anbieten. „Wir wollen ein Haus des Jugendrechts, weil wir davon überzeugt sind, dass die direkte Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen unter einem Dach uns in der Bekämpfung der Jugendkriminalität weiter bringt“, so Polizeipräsident Burkhard Metzger, der eine solche Einrichtung bereits als Leiter der damaligen Polizeidirektion Pforzheim initiierte.

Ziel ist, Straftaten von Jugendlichen und Heranwachsenden zu verringern, wobei es auch um Mehrfach- und Intensivtäter geht. Ein wichtiger Baustein ist auch der Täter-Opfer-Ausgleich, bei dem sich beide Seiten begegnen und den Tathergang aufarbeiten können.

Noch fehlt ein geeignetes Gebäude

Mit dem heutigen Beschluss haben die Partner die wesentlichen Eckpunkte festgezurrt. Jetzt gilt es, ein geeignetes Gebäude zu finden. Auch organisatorisch und personell gilt es, Entscheidungen zu treffen. Nach den bisherigen Planungen sollen sich 15 Jugendsachbearbeiter von Schutz- und Kriminalpolizei um die gesamte Jugenddelinquenz im Zuständigkeitsbereich der Polizeireviere Ludwigsburg und Kornwestheim – einschließlich Remseck am Neckar, Möglingen, Tamm und Asperg – kümmern. Aus dem restlichen Landkreis werden sie diejenigen Delikte bearbeiten, die in den Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizei fallen.

Mit Stuttgart und Heilbronn werden sich erstmals zwei Staatsanwaltschaften in einem Haus des Jugendrechts engagieren und die Jugendgerichtshilfe des Landratsamts Ludwigsburg wird mit allen Mitarbeitenden in die neue Einrichtung einziehen. Siegfried Mahler, Leiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart, sieht Vorteile: „Durch ein frühzeitiges und unmittelbares Zusammenwirken können wir nicht nur die Verfahrensdauer verringern und konsequent auf Verfehlungen junger Menschen reagieren, sondern auch verbindliche und verlässliche Ansprechpartner sowohl für Tatverdächtige als auch für Opfer sein.“

„Gerade bei jungen Menschen ist es von besonderer Bedeutung, dass eine Sanktion für Fehlverhalten möglichst zeitnah erfolgt, um ein weiteres Abrutschen in die Kriminalität zu verhindern“, ergänzt Frank Rebmann, Leiter der Staatsanwaltschaft Heilbronn.

Der Leiter des Dezernats für Arbeit, Jugend und Soziales beim Landratsamt, Heiner Pfrommer, erläutert die Rolle der Jugendgerichtshilfe, die Jugendliche und Heranwachsende während des Jugendstrafverfahrens begleiten. Sie informieren dabei über Verfahrensabläufe und unterstützen mit sozialpädagogischen Maßnahmen. „Damit erfüllen wir auch eine neue EU-Richtlinie, die eine frühzeitige Einbindung der Jugendhilfe im Ermittlungsverfahren vorsieht.“

Dies bekräftigt Michael Stauß vom Amtsgerichts Ludwigsburg. In einem Haus des Jugendrechts könne auch den Opfern besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Stauß verweist auf den Täter-Opfer-Ausgleich. (red)