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Corona

„Schnelltests würden Druck rausnehmen“

Die sprunghaft steigenden Corona-Infektionszahlen sind alarmierend, die Angst vor einem weiteren Lockdown wächst. Gleichzeitig drängen immer mehr Firmen mit Schnelltests auf den Markt. Diese könnten helfen, das Infektionsgeschehen besser zu beherrschen.

Foto: Ricardo Rubio/dpa
Foto: Ricardo Rubio/dpa

Ludwigsburg. Ab Mitte Oktober sollen in Altenheimen und Krankenhäusern Corona-Schnelltests eingesetzt werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet sogar mit Schnelltests für zu Hause. Innerhalb weniger Minuten kann ein Abstrich oder ein Blutstropfen ein positives oder negatives Ergebnis anzeigen. Damit könnten nicht nur mehr Menschen getestet werden, sondern auch massive Quarantäne-Maßnahmen vermieden werden. Wie das Robert-Koch-Institut gestern mitteilte, meldeten die Gesundheitsämter 4058 neue Corona-Infektionen, 1200 mehr als am Mittwoch. In Ludwigsburg stieg die Zahl der Infizierten gestern im Vergleich zum Mittwoch um neun auf 533.

Der Ruf nach Schnelltests wächst (siehe rechts). „Die Lage ist allerdings noch völlig unklar“, sagt die Chemikerin Edith Klünder. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt die CDU-Stadträtin die Marktapotheke. „Wir hoffen, dass die Corona-Schnelltests durchgehen“, sagte sie kürzlich im Sozialausschuss. Wenn Schüler oder Senioren im Altenheim in 15 Minuten getestet werden könnten, hätte sich die Ängste vor weiteren Schließungen von Schulen, Altenheimen oder Kitas „ganz schnell erledigt“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bekräftigte gestern, dass ab Mitte Oktober auch Schnelltests eingesetzt werden sollen, vor allem in Pflegeheimen und Kliniken oder bei Hausärzten. Durch eine Bundesbeteiligung an Verträgen seien vorerst bis zu neun Millionen Schnelltests pro Monat für den deutschen Markt gesichert. Aktuell hat die Lebenshilfe gefordert, diese Maßnahme auch auf Behinderteinrichtungen auszuweiten.

Wären die Tests erst einmal verfügbar, „wäre das eine echte Erleichterung“, sagt Edith Klünder im Gespräch mit der LKZ. „Das geht alles sehr langsam.“ Das Problem: Trotz nahezu stündlicher Meldungen aus Berlin ist noch völlig unklar, welche Schnelltests empfohlen werden, wer sie überhaupt nutzen darf, woher diese kommen sollen und wer sie bezahlt. Auch Edith und Eberhard Klünder haben schon bei ihren Lieferanten nachgefragt, ob die Antigen-Tests zu haben sind. Es seien genügend vorrätig, sagt sie, aber derzeit mache eine Bestellung keinen Sinn. Denn Apotheken dürfen die Tests nicht frei verkaufen. „Nach derzeitiger Rechtslage stehen wir dann mit einem Bein im Knast, das macht keiner.“

„Die Tests zu institutionalisieren macht Sinn“, sagt Edith Klünder. Denn zum einen müssen die Teststäbchen exakt und tief in Rachen oder Nase eingeführt werden, was weh tut und Überwindung koste. Noch viel wichtiger: Die privaten Nutzer müssen ein positives Ergebnis selbstständig an das Gesundheitsamt melden und in Quarantäne gehen. „Da ist die Gefahr groß, dass das nicht passiert.“ Eine Lösung, sagt sie, wäre es auch, den Tests nicht nur in Hausarztpraxen und in der Klinik, sondern auch in Apotheken machen lassen zu können. Das sei eine Mehrbelastung, „aber machbar“.

„Wir brauchen pragmatische Lösungen und keine Grabenkämpfe“, plädiert Edith Klünder mit Blick auf einen erneuten Lockdown. Ihr Mann Eberhard hält es sogar für möglich, in Schulen und Kitas medizinisches Fachpersonal, etwa eine Krankenschwester einzusetzen, die sozusagen als Springer Schnelltests bei Kindern machen kann. Ein Schüler mit Symptomen würde in jedem Fall nach Hause geschickt. Sei er positiv, müsse die Infektion sowieso im klassischen PCR-Test verifiziert werden. Sei er aber negativ, müsse nicht gleich die ganze Klasse oder gar Schule in Quarantäne. „Das würde den Druck rausnehmen.“

Von Druck möchte das Klinikum nicht sprechen, sagt die Regionaldirektorin der RKH Kliniken, Anne Matros, aber von großer Vorsicht. Gestern stieg die kreisweite Sieben-Tage-Inzidenz über die Vorwarnstufe von 35. „Wir bereiten uns auf eine zweite Welle vor.“ Derzeit gebe es sieben Covid-19-Patienten auf Isolierstation sowie fünf Verdachtsfälle, aber keinen auf Intensivstation. Nach LKZ-Informationen war kürzlich ein Notfallpatient, dessen standardmäßiger Corona-Test sich später als positiv herausstellte, ein paar Stunden mit einem Nicht-Infizierten auf der Überwachungsstation zusammengelegen, bis das Ergebnis kam. Dies bestätigt Matros, eine Gefahr habe aber dank der Schutzmaßnahmen nie bestanden, der Mitpatient sei negativ gewesen.

Von Test bis Ergebnis vergehen derzeit etwa vier Stunden. Schnelltests werden nicht eingesetzt, aber laut Matros hat das Klinikum nun schnelle Hochdurchsatz-PCR-Geräte in der Mikrobiologie im Einsatz. „Die Geräte können täglich Hunderte von Tests machen.“ Das Personal würde derzeit auf die neue Technik geschult. Man habe genug Betten, Personal und Technik, aber es sei nicht die Zeit für Entspannung: „Wir sind alarmiert.“

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