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Schulen

Schritt für Schritt zurück zur Normalität

Die Osterferien neigen sich dem Ende zu, die Frage bleibt: Wie geht es mit dem Unterricht ab nächster Woche weiter? Unter den Ludwigsburger Schulen gibt es schon einige Ideen, doch Beschlüsse können erst gefasst werden, wenn die Bundesregierung im Laufe der Woche ihre Strategie vorstellt.

Wenn die Schule wieder startet, ist es gut möglich, dass Schüler und Lehrer einen Mundschutz tragen müssen. Foto: Oksana Kuzmina/stock.adobe.com
Wenn die Schule wieder startet, ist es gut möglich, dass Schüler und Lehrer einen Mundschutz tragen müssen. Foto: Oksana Kuzmina/stock.adobe.com

Ludwigsburg. Vor dem 27. April soll an baden-württembergischen Schulen kein Unterricht stattfinden, hieß es gestern von der Landesregierung. „Es macht Sinn, dass wir beim Wiedereinstieg mit den Schülern beginnen, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfungen schreiben“, sagte dazu Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Die Schulen erhielten nach der Entscheidung über das Datum des Wiedereinstiegs eine Woche Vorlauf. So könnten sie auch Vorkehrungen für unabdingbare Hygiene- und Abstandsregeln treffen.

Eisenmann sprach sich dafür aus, bei den Grundschulen mit Klassenstufe 4 zu beginnen, um den Übergang auf die weiterführenden Schulen gut vorbereiten zu können. Die weiteren Entscheidungen der Ministerpräsidenten und der Kultusminister in dieser Woche seien aber noch abzuwarten. Abhängig davon wird morgen und am Freitag über das konkrete Vorgehen an den Ludwigsburger Schulen beraten.

Das Leopoldina Institut, die nationale Akademie der Wissenschaften, empfahl kürzlich, mit dem Unterricht in den Grundschulen und der Sekundarstufe I zu beginnen, dies in verkleinerten Gruppengrößen. Hintergrund ist, dass ältere Schüler der Sekundarstufe II eher dazu in der Lage sind, sich etwas selbst beizubringen.

„Wir müssen wieder zur Normalität kommen“, sagt Petra Ehring, Rektorin der Friedensschule (Weststadt). Es liege nahe, dass man in den Grundschulen zuerst mit den Dritt- und Viertklässlern beginne. Ein Unterricht im Schichtbetrieb – wenn er auf Deutsch und Mathe beschränkt wird – sei machbar. Jedoch wartet die Rektorin gespannt auf die Ergebnisse der Politik. Mit wie vielen Schülern im Zimmer kann der Abstand eingehalten werden und wie wird mit Lehrern, die zur Risikogruppe zählen, umgegangen? Das sind Fragen, die die Rektorin umtreiben.

Und noch etwas macht ihr Sorgen: ausreichend Hygiene. „Es wäre ein Unding, wenn Türklinken und Toiletten nur einmal am Tag geputzt und desinfiziert werden würden“, sagt sie. Da müsse es Vorgaben des Schulträgers geben. Die Schule habe zwar ihren Schülern schon vor den Schließungen Hygienegrundlagen beigebracht, aber etwa das Niesen in die Armbeuge sei auch bei manchem Viertklässler noch nicht ganz abgespeichert. Deshalb widersprach das Robert-Koch-Institut gestern auch den Vorschlägen von Leopoldina. Schulen sollten zuerst für die höheren Jahrgänge öffnen, denn Jugendliche könnten sich besser an Hygieneregeln halten.

Ulrich von Sanden, Schulleiter des Friedrich Schiller Gymnasiums, denkt, dass nach wie vor ein Teil des Unterrichts online stattfinden wird, der andere im Präsenzunterricht. Dass letzterer beispielsweise nur mit 15 Schülern stattfinden wird, sei denkbar. „Wir werden uns da aber nach den Richtlinien der Konferenz richten“, so von Sanden. Dahingehend würden auch die Aufgaben im Lehrerkollegium verteilt. „So würden dann Kollegen, die zu einer Risikogruppe gehören, eher den Onlineunterricht machen, und die anderen eher den Präsenzunterricht“, meint von Sanden.

Dieses Modell hält auch Mathias Hilbert, Direktor des Otto Hahn Gymnasiums, für sinnvoll. „Es gab in den vergangenen Jahren einen Generationenwechsel, daher ist das Kollegium im Schnitt sehr jung“, erklärt Hilbert. In seinen Augen müssen die Abschlussklassen priorisiert werden. Zur vom Landesschülerbeirat gestellte Forderung, dass der während der Phase daheim durchgenommene Stoff nicht prüfungsrelevant sein dürfe, meint Hilbert: „Die Angst ist verständlich, doch darf nicht vergessen werden, dass die Abiturprüfungen schon fertig und gedruckt sind.“ Zudem sei der meiste abiturrelevante Stoff schon vor den Schulschließungen durchgenommen worden. Man wolle auch darauf achten, dass der Abschluss gleichwertig bleibt, so dass es kein „Corona-Abitur“ gibt.

„Wenn ich mein Abitur schreiben muss, dann würde ich gerne so bald wie möglich wieder in die Schule und mich darauf vorbereiten, damit es fair bleibt“, sagt Jule. Die 19-jährige Abiturientin möchte ihren Nachnamen nicht nennen. Dass auch die zuhause erbrachten Leistungen in der Abschlussnote zählt, sieht sie als notwendig an – auch wenn das nicht so fair sei. Schließlich hätten die Schüler unterschiedliche Voraussetzungen. „Das zuhause Gelernte sollte nicht Hauptthema in den Klausuren sein“, sagt die 16-jährige Klara. Aber man könne nicht verhindern, dass man es als Hintergrundwissen brauche.

„Ich habe Angst, dass die Einschränkungen der vergangenen Wochen umsonst waren, wenn der Schulbetrieb zu unvorsichtig gestartet wird“, so die Abiturientin Jule. Sie befürwortet wie Klara die Vorschläge von Leopoldina, ist sich aber nicht sicher, wie ein guter Unterricht gewährleistet werden kann.

Bereit, einen Mundschutz zu tragen und Abstand zu Freunden zu halten, sind die Schüler. „Wenn wir damit die Ausbreitung des Virus verlangsamen können, wäre es in Ordnung“, sagt der zwölfjährige Silas. Hauptsache, der Unterricht beginnt wieder. Da sind sich auch die drei Schüler einig: Es ist Zeit für Normalität. „Ich möchte meine Freunde sehen und endlich wieder Döner in der Mittagspause“, sagt Silas.

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