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Palästina

Schüler blicken weit über den Tellerrand

Jugendliche aus Palästina sind derzeit zu Gast in der Stadt. Die Welt, aus der sie kommen, ist eine völlig andere. Umso erstaunter sind sie darüber, was sie in Ludwigsburg erleben können.

Die deutschen und die palästinensischen Schüler beim gemeinsamen Picknick im Blühenden Barock.Foto: Oliver Bürkle
Die deutschen und die palästinensischen Schüler beim gemeinsamen Picknick im Blühenden Barock. Foto: Oliver Bürkle

Die Beziehung zwischen der Beruflichen Mathilde-Planck-Schule und dem Evangelisch-Lutherischen Schulzentrum Talitha Kumi in Beit Jala bei Bethlehem ist noch frisch, wird aber bereits intensiv gelebt. Eine Gruppe von Palästinensern ist seit einigen Tagen in Ludwigsburg zu Gast. Die zwölf Jugendlichen wohnen bei Schülern der Mathilde-Planck-Schule, die bereits im März dieses Jahres in diesem Teil Israels zu Gast waren, der zu Palästina gehört.

Jetzt stand für die Besucher das Schloss auf dem Programm. Anschließend wurden im Blühenden Barock die Picknickdecken ausgebreitet. Insgesamt zehn Tage dauert der Besuch in Ludwigsburg.

„Es ist schön, die Menschen und ihre Traditionen kennenzulernen“, sagte Austauschschülerin Melissa. Dazu gehören auch Einblicke in die schwäbische Küche: „Maultaschen sind lecker.“ Das Schloss habe sie sehr beeindruckt, das Zusammensein in der Gruppe sei schön, so die 15-Jährige. „Die Leute sind sehr freundlich, die Natur ist schön, es ist viel grüner als bei uns“, schilderte ein Junge seine Eindrücke. „Die Häuser hier sind viel bunter“, hat dagegen Yousef festgestellt. In seiner Heimat gebe es außerdem keine Bahn, vielmehr würde man die meisten Strecken mit dem Taxi zurücklegen, erzählte er.

„In Beit Jala ist es komplett anders, es ist sehr schön“, so Vivien, Schülerin der Mathilde-Planck-Schule. Bei ihren Ausflügen, die bei dem Besuch im März unter anderem nach Jerusalem und ans Tote Meer führten, mussten die Besucher aus Ludwigsburg immer wieder Checkpoints an der Grenze passieren. Abgesehen davon habe man nichts vom Militär mitbekommen. „Man hat sich sehr sicher gefühlt“, so die junge Ludwigsburgerin. „Ich finde es wichtig, dass man sich sein eigenes Bild macht“, betonte Vivien.

Mit Austauschschüler Amir, der jetzt bei ihrer Familie wohnt, hat sie sich seit dem Besuch März immer wieder geschrieben. Eine ihrer Mitschülerinnen hat sogar in der Zwischenzeit gemeinsam mit ihren Eltern ihrer Gastfamilie besucht.

Bei dem Schulzentrum Talitha Kumi handelt es sich um eine Deutsche Auslandsschule, an der palästinensische Kinder unterrichtet werden. Bei ihnen handelt es sich um Christen und Moslems. Anne Grüneisen und Christian Hähnel stammen aus Baden-Württemberg und unterrichten an der Schule in Beit Jala, ihr Einsatz als Auslandslehrer dauert drei Jahre. Ebenfalls begleitet werden die Schüler von Lehrer Elias Emaya. Von Seiten der Mathilde-Planck-Schule betreut Delia Weitzer die Gruppe.

„Wir leben relativ ruhig. Wir wohnen ja nicht in Gaza, da sieht es anders aus“, erzählte Christian Hähnel vom Alltagsleben in Israel. Die Beiden können die israelisch-palästinensische Grenze, die auf dem Gebiet von Beit Jala verläuft, problemlos überqueren, um zum Beispiel ins zehn Kilometer entfernte Jerusalem zu gelangen. Einigen ihren Schülern ist das jedoch nicht möglich.

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