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Protest

Schüler demonstrieren für Klimaschutz

Bei der zweiten „Fridays for Future“-Kundgebung sind auch Grundschüler dabei – Zug führt dieses Mal zum Landratsamt

Markus Moskau führte die jungen Klimaschützer auch bei ihrer zweiten Demonstration in Ludwigsburg an.Foto: Andreas Essig
Markus Moskau führte die jungen Klimaschützer auch bei ihrer zweiten Demonstration in Ludwigsburg an. Foto: Andreas Essig

Ludwigsburg. Ob es am Regenwetter gelegen hat? Für den Klimaschutz haben gestern Morgen rund 100 Menschen demonstriert. Das waren deutlich weniger als bei der ersten Protestkundgebung der „Fridays für Future“-Bewegung in Ludwigsburg vor einer Woche. Zeitgleich demonstrierten gestern in Stuttgart 200 Schüler, in Mannheim waren es der Polizei zufolge 1100 Klima-Demonstranten.

Vor allem Schüler und Studenten zogen vom Treffpunkt am Bahnhof durch die Stadt, um sich für den Klimaschutz stark zu machen. „Seid laut, aber stört niemanden“, richtete sich Markus Moskau, einer der Organisatoren der Kundgebung, an die Jugendlichen und jungen Menschen. „Wir streiken für das Klima – bis Ihr handelt“, stand in großen Buchstaben auf einem Transparent. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“, „Time is now“ oder „Es gibt keinen Planeten B“, riefen die Teilnehmer immer wieder gemeinsam.

Eine der jüngsten Demonstrantinnen war eine Fünftklässlerin des Goethe-Gymnasiums, die mit ihrem älteren Bruder und seinen Mitschülern aus der siebten Klasse zum Bahnhof gekommen war. „Unsere Eltern haben uns eine Entschuldigung geschrieben“, erklärte ein Mädchen aus der Gruppe von gut einem Dutzend Schüler. Wer unentschuldigt dem Unterricht fern bleibt, erhält einen entsprechenden Eintrag ins Klassenbuch. Wer eine Klassenarbeit verpasst, bekommt ungenügend, also eine Sechs.

Das findet der 24-jährige Felix, Student der Pädagogischen Hochschule, nicht gut. „Es ist unheimlich wichtig, dass Schüler sich an demokratischen Prozessen beteiligen, um zu mündigen Bürgern zu werden“, sagte er. Seine Kommilitonen und er, auch ein gutes Dutzend, verpassten gestern allerdings weder Seminar noch Vorlesung: In der nächsten Woche stehen Prüfungen an, auf die sie sich vorbereiten müssen. „Aber eine Lernpause ist auch ganz gut“, erklärte einer der Studenten, bevor sich der von Streifenwagen der Polizei eskortierte Tross in Bewegung setzte.

Der Weg führte entlang der Karlstraße über den Innenstadtcampus. Hier legten die Demonstranten das erste Mal einen Stopp ein. „Hey, hey, wer nicht hüpft, der ist für Kohle“, „Wasser, Wind und Sonne: Die Kohle muss in die Tonne“, rief Markus Moskau durch das Megafon. Aus einiger Entfernung beobachtete Wolfgang Medinger, Leiter des Goethe-Gymnasiums, das Geschehen. „Bis zur B.27 gehe ich mit“, sagte er. Schließlich wolle er sich vergewissern, dass die Kinder und Jugendlichen sicher über die Straße kommen. Den Part übernahm dann doch die Polizei, die die Autos stoppte. „Es gibt kein Recht auf Kohlebaggerfahren“, riefen die jungen Menschen auf dem Weg zum Landratsamt. Dort ergriff Daniel das Wort: Immer wieder würde die Generation 60 plus die Jugendlichen auffordern, sich zu engagieren. Jetzt würde man endlich demonstrieren und das sei auch nicht richtig, weil diese Aktionen während der Unterrichtszeit stattfinden. Wohlwollend beobachtete Hubert Burkart, Leiter des Hauptamtes bei der Kreisverwaltung, das Geschehen. Landrat Dr. Rainer Haas hege große Sympathien für die Schüler und deren Ziele, sagte er im Gespräch. An der Schorndorfer Straße griff der 18-jährige Nathaniel aus Bietigheim zum Megafon und wies auf das Recht der jungen Generation auf eine intakte Zukunft hin. Der für das Jahr 2038 geplante Kohleausstieg komme viel zu spät. „Allein bin ich nur ein Schüler, aber zusammen sind wir laut“, rief er.

„2038 bin ich 26“, hatte ein Kind auf ein Pappschild gemalt, das es in die Höhe hielt. Die beiden Geschwister Jakob und Manuel, sechs und neun Jahre alt, schwänzten gestern die Schule, um bei der Demo mitmachen zu können. Und zwar mit elterlicher Rückendeckung. „Sie wollten unbedingt mitmachen“, erklärte ihre Mutter Simone Jung, die die beiden Kleinen begleitete.

Am Rathausplatz ergriff Markus Moskau das Wort und übte Kritik an der Demonstration gegen Dieselfahrverbote, die wenige Stunden später in Ludwigsburg stattfand. „Das wäre so, als ob man Waffen in Krisengebiete liefern würde“, sprach er sich gegen die Aufhebung des Fahrverbotes aus. Unter dem Verkehr und der daraus resultierenden Luft- und Lärmbelastung würden auch die Menschen leiden, die sich kein Auto leisten könnten. Moskau plädierte für eine autofreie Innenstadt, Öffentlichen Personennahverkehr zum Nulltarif und Stärkung des Radverkehrs. „Ludwigsburg und Baden-Württemberg sollten Vorreiter in Sachen Umweltschutz werden“, wünschte er sich.

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