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Oberbürgermeisterwahl

Sensationssieg für den Herausforderer

Nach einem spannenden Wahlkampf konnte Herausforderer Matthias Knecht den Sieg über Amtsinhaber Werner Spec erringen. Das deutliche Ergebnis überraschte die Unterstützer aus beiden Lagern.

Ein glücklicher Sieger: Der neue Oberbürgermeister Matthias Knecht mit seiner Frau Ulrike Krauß und Sohn Jakob (5 Jahre), für den der ganze Rummel im Kulturzentrum noch etwas ungewohnt war.Fotos: Holm Wolschendorf
Ein glücklicher Sieger: Der neue Oberbürgermeister Matthias Knecht mit seiner Frau Ulrike Krauß und Sohn Jakob (5 Jahre), für den der ganze Rummel im Kulturzentrum noch etwas ungewohnt war. Foto: Holm Wolschendorf
Nachdenkliche Gespräche: Werner Spec mit dem Ersten Bürgermeister Konrad Seigfried. Das sagen die anderen Kandidaten
Nachdenkliche Gespräche: Werner Spec mit dem Ersten Bürgermeister Konrad Seigfried. Das sagen die anderen Kandidaten
Jakob Novotny hofft für die Ludwigsburger, dass Matthias Knecht „genug Mut hat, um den privaten Bauträgern die Stirn zu bieten“. „Man merkt den großen Bedarf am Thema bezahlbarer Wohnraum.“ So interpretiert er sein Ergebnis. In kurzer Zeit und ohne U
Jakob Novotny hofft für die Ludwigsburger, dass Matthias Knecht „genug Mut hat, um den privaten Bauträgern die Stirn zu bieten“. „Man merkt den großen Bedarf am Thema bezahlbarer Wohnraum.“ So interpretiert er sein Ergebnis. In kurzer Zeit und ohne Unterstützung großer Parteien so viele Wählerstimmen bekommen zu haben, sieht er als „Riesenerfolg“. Ob er politisch weiter aktiv sein will? „Wir sind erst am Anfang.“ Demnächst werde er mehr bekanntgeben.
Konrad Kling ist mit seinem vierten Platz zufrieden und empfindet es auch als einen Erfolg der drei Außenseiter, dass sie zusammen zwölf Prozent gegen Knecht und Spec erzielt haben. „Ich wollte mit meiner Kandidatur ein Stück Demokratie beleben und w
Konrad Kling ist mit seinem vierten Platz zufrieden und empfindet es auch als einen Erfolg der drei Außenseiter, dass sie zusammen zwölf Prozent gegen Knecht und Spec erzielt haben. „Ich wollte mit meiner Kandidatur ein Stück Demokratie beleben und will jetzt auch dran bleiben“, sagt Kling am Wahlabend. Bei der nächsten Gemeinderatswahl in fünf Jahren will er wieder antreten. Mit einem derart deutlichen Sieg von Matthias Knecht hatte er nicht gerechnet.
Heike Baumbach ist schwer enttäuscht über ihr Ergebnis. Baumbach hatte bereits 2011 für das Oberbürgermeisteramt kandidiert und damals 7,63 Prozent der Wählerstimmen erreicht. Hinter diesem Ergebnis blieb sie deutlich zurück. „Offenbar konnte ich die
Heike Baumbach ist schwer enttäuscht über ihr Ergebnis. Baumbach hatte bereits 2011 für das Oberbürgermeisteramt kandidiert und damals 7,63 Prozent der Wählerstimmen erreicht. Hinter diesem Ergebnis blieb sie deutlich zurück. „Offenbar konnte ich die Wähler nicht von meinen Zielen überzeugen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Dabei hatte ich mein Wahlprogramm verteilt und auch auf meiner Facebookseite Werbung für meine Ziele gemacht.“

Es raubt fast allen den Atem. 45 Minuten nach Schließung der Wahllokale erscheint auf einer Großleinwand das erste Zwischenergebnis der Auszählung: Werner Spec unter 30 Prozent, Matthias Knecht bei 58 Prozent. Das hatten in dieser Deutlichkeit wohl nicht einmal erfahrene Politiker wie der CDU-Mann Klaus Herrmann erwartet, der Tags zuvor am Wahlkampfstand noch Wetten auf Matthias Knecht als Sieger gleich im ersten Wahlgang abschloss.

Überhaupt, das zeigten die aufgeregten Diskussionen, die im Großen Saal des Kulturzentrums sogleich entbrannten: Viele hatten eigentlich eine Stichwahl auf dem Zettel stehen. Das erste Zwischenergebnis umfasste 25 der 71 Wahllokale. Manche erwarteten noch eine Veränderung des Trends bei der weiteren Auszählung, doch so sollte es nicht kommen: Die Niederlage für Werner Spec verfestigte sich nach dem nächsten Zwischenstand bei 50 Wahllokalen und stand dann gegen 19.36 Uhr endgültig fest.

„Das ist sensationell“, rief ein sichtlich bewegter Matthias Knecht von der Bühne in den Saal, wo zu diesem Zeitpunkt die Menschen dicht gedrängt zusammenstanden. Er reiche die Hand auch den Unterstützern aller Gegenkandidaten: „Wir werden zusammen hoffentlich unglaublich gute acht Jahre für Ludwigsburg erreichen.“ Völlig unabhängig vom Parteibuch „werden wir hier weiterhin viel bewegen“. Knecht würdigte sogleich seinen Vorgänger Werner Spec als fairen Wahlkämpfer und einen, der in Ludwigsburg viel erreicht hat. „Ihnen gilt mein Dank für 16 unglaublich gute Jahre für Ludwigsburg. Diese Verdienste werden unvergessen bleiben.“

Spec war dann auch das vergönnt, was er in den vergangenen Jahren oft vermisst hat: donnernder und langanhaltender Applaus für seine Leistungen als Oberbürgermeister. „Für mich waren das 16 glückliche Jahre“, sagte der scheidende Rathauschef, als ihm der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried, der die Präsentation der Wahlergebnisse moderierte, auf der Bühne das Mikrofon reichte. Er sei froh, dass er trotz der breiten Parteienfront, die sich gegen ihn aufbaute, noch einmal angetreten war. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man nicht einfach gegangen ist“, sagte Spec. Er sei jetzt offen für neue berufliche Herausforderungen „dort, wo meine Arbeit letztendlich auch geschätzt und anerkannt wird.“

Seine Amtszeit endet mit dem 31. August, Matthias Knecht wird am 1. September die Geschäfte übernehmen. Der 43-Jährige hat am gestrigen Abend seinen Lebenstraum erreicht. Das „sensationelle Ergebnis“ von 58,45 Prozent der Stimmen sei ein „grandioser Schub“ für die künftige Arbeit an der Spitze des Ludwigsburger Rathauses, sagte Knecht im Gespräch mit unserer Zeitung. Seinen Mitbewerber Jakob Novotny habe er im Wahlkampf schätzen gelernt. Seine Idee: Er will sich mit dem Studenten, der bezahlbaren Wohnraum ins Zentrum seiner Kampagne gestellt hat, jetzt zusammensetzen und seine Ideen aufgreifen.

Unter die Überraschung über das klare Ergebnis mischten sich im Kulturzentrum auch sehr nachdenkliche Töne. „Die Wahlbeteiligung ist ein Stoß in die Magengrube“, konstatierte Michael Vierling (Grüne). „Es ist schockierend, dass fast 70 Prozent der Wahlbeteiligten kein Interesse zeigten.“ Auch Margit Liepins (SPD) war überrascht: „Ich hatte auf eine Wahlbeteiligung von 50 Prozent getippt.“

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